Martin Temme sauer über die Bonpflicht
Säckeweise Belege im „Cinema“

Ahlen -

Die Bonpflicht ärgert Kinobetreiber Martin Temme maßlos. Wer nimmt auch im Kino schon den Beleg mit?

Mittwoch, 26.02.2020, 19:11 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 20:31 Uhr
Zusammen mit Angelina Hildebrandt und Sören Jehne schüttete Cinema-Betreiber Martin Temme die seit 9. Januar gesammelten Belege dekorativ auf einen große Haufen aus.
Zusammen mit Angelina Hildebrandt und Sören Jehne schüttete Cinema-Betreiber Martin Temme die seit 9. Januar gesammelten Belege dekorativ auf einen große Haufen aus. Foto: Dierk Hartleb

Nein, Frau Holle hat im „Cinema“ nicht ihre Betten ausgeschüttelt. Und auch der Teppichschnee von der am Rosenmontag durchgeführten Grundreinigung hat keine solche Spuren hinterlassen. Bei dem weißen Berg, den Marin Temme und seine Mitarbeiter Sören Jehne und Angelina Hildebrandt aufgeschüttet haben, handelt es sich um Bons, die seit dem 9. Januar im Cinema ausgedruckt worden sind.

Ausnahme zurückgewiesen

9. Januar? Gilt die Bonpflicht nicht schon seit Jahresbeginn? „Ja“, bestätigt der Cinema-Betreiber, aber bis dahin hatte sich das Finanzamt Beckum Zeit gelassen, um auf dessen Antrag auf eine Ausnahmeregelung zurückzuweisen. Das Nachzählen haben sich Temme und seine beiden Mitarbeiter verkniffen. Aber weil der Januar ein guter Kino-Monat war, der Februar dagegen weniger – nicht nur weil er zwei Tage kürzer ist, sondern auch weil die Leinwände an zwei Tagen dunkel blieben, davon einmal aufgrund von Sturm – muss die Zahl deutlich über 10 000 liegen. Denn mit jeder Eintrittskarte wird ein Bon ausgedruckt. Dasselbe gilt, wenn Popcorn oder ein Getränk über die Theke wandern. „Die allermeisten wollen keinen Bon“, hat der Kino-Chef beobachtet, ganz selten, dass einer den Bon mitnehme. „Wo bleibt da eigentlich die Nachhaltigkeit?“, fragt sich Temme und wirft zugleich die nächste Frage auf: „Wie werden die Bons eigentlich richtig entsorgt?“ Denn es handelt sich um Thermopapier, das trotz des ab 2020 geltenden EU-Verbots immer noch Bisphenol A enthalten kann. Das gilt aber in höchsten Maße als gesundheitsschädlich. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher die Entsorgung im Restmüll.

Wo bleibt da eigentlich die Nachhaltigkeit?

Martin Temme

Zudem fühlt sich der Kino-Betreiber wie viele andere, die über eine elektronisches Kassensystem verfügen, ungerecht behandelt. Denn: „Die Bonpflicht gilt nur für uns“, schimpft er. Das sei doch ein klarer Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.

Lösung wie in Frankreich?

Seine Hoffnungen setzt Martin Temme jetzt auf Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier, der einen neuerlichen Vorstoß gegen die Bonpflicht angekündigt hat und damit bisher am Widerstand von Bundesfinanzmister Olaf Scholz gescheitert ist. Vorstellen kann sich der verärgerte Cinema-Pächter auch eine Lösung wie in Frankreich, wo die Nationalversammlung erst kürzlich eine gestaffelte Abschaffung der Bonpflicht ab 2020 beschlossen hat: Zunächst soll sie für Beträge bis zehn Euro, ab 2021 für Beträge bis 20 und ab 2022 für Beträge bis 30 Euro entfallen.

Eine elektronische Lösung hält Temme derzeit noch nicht für praktikabel. Dafür müssten alle Kinobesucher über ein Smartphone verfügen, was für die älteren bislang oftnicht zutreffe.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7297535?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker