Im Betrieb Rüther tauchen jahrzehntelang vergessene Heiligenfiguren auf
Wohin mit Petrus, Josef und Barbara?

Drensteinfurt -

Rund ein halbes Jahrhundert schlummerten sie scheinbar vergessen vor sich hin. Nun kamen sie wieder ans Tageslicht: vier alte Heiligenfiguren, die nach der Räumung des Geländes des Steinmetzbetriebes Rüther eine neue Bleibe suchen.

Freitag, 21.02.2020, 23:06 Uhr aktualisiert: 24.02.2020, 15:36 Uhr
Gemeinsam mit Steinmetz Joachim Heinrich inspizierten Franz-Josef Naber und Günter Koch die Fundstücke.
Gemeinsam mit Steinmetz Joachim Heinrich inspizierten Franz-Josef Naber und Günter Koch die Fundstücke. Foto: Dietmar Jeschke

Die Gesichter sind makellos – beinahe so, als hätten sie die Bildhauerwerkstatt gerade erst verlassen. Und das ist gleich doppelt erstaunlich. Denn die beiden lebensgroßen Sandsteinstatuen des Heiligen Petrus und des Heiligen Josef sind wohl nicht nur deutlich über 100 Jahre alt – sie schlummerten zudem fast 50 Jahren still und unentdeckt vor sich hin. Bis vor kurzem, als im Steinmetz- und Bildhauerbetrieb Rüther im Gewerbegebiet Viehfeld „Aufräumen“ angesagt war. Aus Altersgründen wird Theodor Rüther den Betrieb in Kürze schließen. Steinmetz und Steinbildhauer Joachim Heinrich, der sich bis jetzt um die Fertigung von Grabmalen, Marmorplatten und Co. kümmert, wechselt dann in die Zweitniederlassung des Betriebs nach Werne, die wiederum vom Nordkirchener Betrieb „Marmor Schwarz“ übernommen wird. Für die schon teilgeräumte Gewerbefläche in Drensteinfurt gibt es bereits einen neuen Nutzer: Die benachbarte „Drensteinfurter Transport- und Speditionsgesellschaft“ (DTS) wird das Areal übernehmen. Und damit sie es für ihren Fuhrpark nutzen kann, müssen die letzten Steine und Maschinen nun geräumt werden. Genau dabei stieß Joachim Heinrich kürzlich auf die eingangs erwähnten Stücke, die – so der Experte – im Zuge der Kirchenrenovierung Anfang der 1970-er Jahre ihren angestammten Platz beidseitig des Hochaltares von St. Regina aus nicht mehr überlieferten Gründen hatten räumen mussten. Und das nicht unbedingt auf sanfte Weise. „Sie wurden einfach mit dem Gabelstapler rausgefahren und landeten schließlich vor der Tür, wo sie Theodor Rüther eingesammelt hat“, erinnert sich Heinrich.

Die Spuren des ruppigen Transportes raus aus dem Kirchschiff sind bis heute zu sehen: Einige Gliedmaßen wurden abgebrochen, und auch die Sockelplatten aus Baumberger Sandstein haben die eine oder andere Ecke eingebüßt. Allerdings nicht so, als dass man die Schäden nicht mehr reparieren könnte. „Das bekommt man alles wieder hin“, ist sich Heinrich sicher.

Das hoffen auch die Aktiven des Heimatvereins, die unlängst von dem – schon ein wenig abenteuerlichen – Fund Wind bekommen hatten. „Die Figuren dürfen nicht wegkommen“, erklärt Ehrenmitglied Günter Koch, der die beiden Kunstwerke in dieser Woche mit dem Vereinsvorsitzenden Franz-Josef Naber eingehend unter die sprichwörtliche Lupe nahm. Aber nicht nur die, schlummern doch gleich nebenan zwei weitere Heiligenfiguren von ortsgeschichtlicher Bedeutung: Die Statuen der Heiligen Barbara und des Heiligen Josef, den Schutzpatronen der Bergleute und der Arbeiter, die einst den Eingang zum damaligen Friedhof an der Riether- und jetzigen Marienstraße zierten. Auch sie hatten irgendwann ihren Weg in den Steinmetzbetrieb von Theodor Rüther gefunden – und gerieten dort in Vergessenheit. Das, so wünschen sich die Heimatfreunde, soll sich nun ändern. „Wir würden uns gerne um die Figuren kümmern“, sagt Günter Koch. „Aber wir können die Restaurierung sicher nicht alleine finanzieren.“

Apropos Finanzierung: Joachim Heinrich hatte bereits mehrere private Interessenten auf der berühmten „Matte“ stehen, die vor allem die beinah makellosen Statuen von Petrus und Josef gerne übernehmen würden. Aber das geht natürlich nicht, schließlich gehören sie doch der Kirche. Oder etwa nicht? „Mmh“, lautet die achselzuckende Antwort der Heimatfreunde. „Das wird man wohl noch klären müssen“, sagt Günter Koch. Anders als die Frage, wo denn zumindest „Barbara“ und „Josef“ künftig ihren Platz finden sollen: „Natürlich auf dem ehemaligen Friedhof an der Marienstraße“, sagt Koch, der den heute kaum noch erhaltenen Eingangsbereich der alten Grabstätte bereits vor mehreren Jahr als Modell in ursprünglicher Forum gefertigt hatte – die beiden besagten Heiligenfiguren an alter Stelle inklusive.

Mittlerweile, erklärt Joachim Heinrich, habe man natürlich auch die Kirchengemeinde über die besonderen Fundstücke in Kenntnis gesetzt. Bis sich diese zur Zukunft ihres – zumindest einstigen – Eigentums äußerst, hoffen Franz-Josef Naber und Günter Koch auf eine geeignete Lagermöglichkeit. Weniger als Schutz vor „Langfingern“ – die Sandsteinstatuen wiegen pro Stück etwa eineinhalb Tonnen – sondern zum Erhalt ihrer Substanz. „Der Bauhof liegt doch gleich nebenan. Da sollte doch wohl ein Plätzchen zu finden sein“, hofft Günter Koch.

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