Drogenhandel
Darknet-Prozess - ein juristisches Kammerspiel

Gronau/Münster -

Das Darknet war für einen 33-jährigen Niederländer zur Handelsplattform für Drogen geworden. In Losser und Gronau wurden sie für den Versand verpackt. Auf die Schliche gekommen war ihm ein deutsch-niederländisches Ermittlerteam. Vor Gericht wird nun unter anderem die Frage geklärt, ob er ein Banden-Chef war.

Donnerstag, 20.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 09:42 Uhr
Drogenhandel: Darknet-Prozess - ein juristisches Kammerspiel
Foto: dpa

Es war eine Art juristisches Kammerspiel, das sich am Mittwochmorgen vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster abgespielt hat. Der Vorsitzende Richter, die Staatsanwältin und der Verteidiger tasteten einander verbal ab, versuchten auszuloten, wie der Stand der Dinge ist. Als Erörterung der Sach- und Rechtslage bezeichnete das der Verteidiger.

Gronauer Firmen als Absender

Angeklagt ist in diesem Prozess, der am Mittwoch seinen Anfang nahm, ein 33-jähriger Niederländer. Er soll Mitglied einer Bande gewesen sein, die im großen Stil Drogen geschmuggelt und gehandelt hat. Die Betäubungsmittel, darunter Amphetamin, Kokain und Heroin, wurden über das Dark­net angeboten. In zwei Wohnungen – an der Königstraße in Gronau sowie am Hannekerveldweg in Losser – wurden sie verpackt und für den Versand vorbereitet. Dabei wurden auch Namen Gronauer Firmen als Absender angegeben. In einem speziell präparierten Auto wurden die Versandtaschen und Päckchen schließlich zu diversen Briefkästen oder DHL-Filialen gebracht und dort eingeworfen oder aufgegeben. Der Angeklagte soll durch den Drogenhandel Vermögenswerte von über 600.000 Euro erlangt haben. Diese Summe soll er nun an die Staatskasse zurückzahlen. Soweit geht es aus der Anklageschrift hervor.

Die Staatsanwältin brauchte über eine halbe Stunde, um das Dokument vorzulesen. Darin spiegelten sich die umfassenden Ermittlungsarbeiten eines deutsch-niederländischen Ermittlerteams wider, das der Bande längere Zeit auf der Spur war. Dabei wurden auch die Telefongespräche der Verdächtigen überwacht.

Bereits elf Personen verurteilt

In zwei vorangegangenen Prozessen sind bereits elf Personen zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt worden, die an den Drogengeschäften mitgewirkt haben. In beiden Verfahren, in denen es auch um den jetzt angeklagten Niederländer ging, wurde die Staatsanwaltschaft von der Staatsanwältin vertreten, die auch im nun begonnenen dritten Prozess beteiligt ist.

Genau hier setzte ein Kritikpunkt des Verteidigers an: Der juristische Grundsatz, dass die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung gleich gut über die Sach- und Rechtslage informiert sein müssten, sei in diesem Fall nicht gewährleistet. „Ich fühle mich ihnen diesbezüglich unterlegen“, sagte der Verteidiger zur Staatsanwältin. Deshalb, so der Verteidiger, werde sein Mandant zunächst schweigen und frühestens am zweiten Verhandlungstag Angaben zu seiner Person und zu seiner Sache machen.

Fortsetzung am 11. März

In der Verhandlung, die am 11. März fortgesetzt wird, ist wohl unter anderem auszuloten, ob der Angeklagte einer der Bandenchefs war oder ob er eher „auf der mittleren Ebene“ tätig war, wie es der Vorsitzende Richter formulierte.

Der Verteidiger deutete an, sein Mandant könnte durch einen Freundschaftsdienst in die Sache „reingerutscht“ sein.

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