Influenza-Fallzahlen sprunghaft gestiegen
Grippewelle erreicht Münsterland

Münster -

Die Zahl der Grippe-Erkrankungen ist in NRW in diesem Winter besonders hoch.Vor allem das Münsterland ist betroffen, dort sind es mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Und der Höhepunkt der Grippewelle scheint noch nicht erreicht.

Montag, 17.02.2020, 20:14 Uhr aktualisiert: 17.02.2020, 20:29 Uhr
Influenza-Fallzahlen sprunghaft gestiegen: Grippewelle erreicht Münsterland
Die Grippewelle wird noch einige Zeit anhalten. Foto: dpa

In Nordrhein-Westfalen sind in diesem Winter bislang deutlich mehr Menschen an Grippe erkrankt als in der vergangenen Saison. Das hat die Sprecherin des Landeszentrums Gesundheit, Melanie Pothmann, auf Nachfrage bestätigt. 6648 Fälle verzeichnete die Behörde bis zur vergangenen Woche. Im gleichen Vorjahreszeitraum wurden lediglich 3844 Krankheitsfälle gemeldet. „Noch sind die Zahlen aber nicht wirklich besorgniserregend“, erklärte Pothmann.

Im Münsterland sind besonders viele Menschen erkrankt. Dort verzeichnet das Landeszentrum gegenwärtig 1157 Fälle. Das ist mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Winter (471). Im Rheinland wurden bisher 3502 Fälle gemeldet, 1774 waren es in der Saison 2018/19. Im Ballungsraum Ruhrgebiet ist die Zahl mit aktuell 1628 (2018/19: 1295) vergleichsweise gering. In Ostwestfalen-Lippe sind 684 Fälle registriert, in der vergangenen Saison waren es 444.

Die regionalen Grippe-Zahlen liegen bereits jetzt über denen aus dem Winter 2017/18, der nach Angaben des Robert-Koch-Instituts be­sonders schlimm war.

Höhepunkt der Grippewelle meist Anfang März

Damals erkrankten deutschlandweit rund 335 000 Menschen an Influenza, etwa 25.000 starben. Unklar ist bisher, ob die Grippewelle in diesem Jahr wirklich stärker ist, oder ob deutlich mehr Menschen aus Sorge wegen des Corona-Virus zum Arzt gehen, sich untersuchen lassen – und in der Praxis dann eine Infektion mit dem Grippe-Virus diagnostiziert wird. „Auch das könnte durchaus die erhöhten Fallzahlen erklären“, sagte Pothmann.

Die Gefahr, die von einer normalen Grippe ausgeht, ist im Vergleich zum Corona-Virus deutlich höher , betont die Bundesärztekammer. Seit dem Start der aktuellen Saison im Oktober 2019 sind in Deutschland 42 Menschen an der Grippe gestorben. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts er­kranken pro Saison zwischen zwei und 14 Millionen Menschen daran. In der Regel erreicht die Grippewelle Anfang März ihren Höhepunkt.

Sieben Tipps zur Grippewelle

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  • Die Grippewelle hat begonnen - und wird noch einige Zeit anhalten. Wer sich den Influenza-Virus eingefangen hat, muss viel Geduld haben. Betroffene können die Beschwerden aber lindern, Und wer sich noch nicht angesteckt hat, kann sich schützen. Das erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) auf Gesundheitsinformation.de. Die wichtigsten Infos im Überblick:

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  • Wie schütze ich mich vor Ansteckung?

    Grippeviren verbreiten sich unter anderem über direkten Körperkontakt, beim Händeschütteln etwa, sowie über Dinge, die viele Menschen anfassen, den Haltegriff in der Bahn etwa. Wer sich schützen will, sollte auf beides möglichst verzichten, seine Hände vom Gesicht fernhalten - und sich dazu häufig und gründlich die Hände waschen. Das heißt: Mit Seife und mindestens 20 Sekunden lang.

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  • Lohnt sich eine Impfung?

    Ja, unbedingt - auch jetzt noch. Das gilt selbst für Schwangere und besonders für Ältere. Auch Kinder können ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden. Eile ist geboten: Bis der zusätzliche Schutz der Impfung wirkt, vergehen etwa zwei Wochen. Die Grippewelle wird aber voraussichtlich länger dauern. Hundertprozentigen Schutz bietet allerdings auch die Impfung nicht.

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  • Woran erkenne ich, dass ich die Grippe habe?

    Die Symptome der Grippe ähneln denen einer ganz normalen Erkältung, sind allerdings oft schwerer und langwieriger. Größtes Unterscheidungsmerkmal ist der Beginn der Krankheit: Während sich die Erkältung meistens anschleicht, bricht die Grippe fast überfallartig aus.

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  • Muss ich zum Arzt?

    Ärztlicher Rat ist bei einer Grippe unbedingt sinnvoll, rät das IQWIG - auch wenn gegen die Krankheit oft kein echtes Kraut gewachsen ist. Berufstätige brauchen den Arzt für die Krankschreibung, denn nach ein oder zwei Tagen ist die Grippe nicht vorbei. Nach einer Woche lassen die Beschwerden in der Regel zwar deutlich nach, Erschöpfung und Husten können aber deutlich länger bleiben.

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  • Wie gefährlich ist die Grippe?

    Die Grippe ist eine potenziell schwere Erkrankung, mit häufigen Begleiterkrankungen wie einer Entzündung der Nasennebenhölen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt oft eine Mittelohrentzündung hinzu. Aufpassen müssen Menschen mit einem schwächeren Immunsystem: Ältere zum Beispiel und Menschen mit Lungen- oder Immunerkrankungen. Hier ist das Risiko besonders hoch, dass die Influenza einen schweren oder sehr schweren Verlauf nimmt. Letzterer kann lebensgefährlich sein.

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  • Welche Medikamente helfen?

    Antibiotika helfen auf keinen Fall - beziehungsweise nur dann, wenn zu der viral verursachten Grippe noch ein bakterieller Infekt hinzukommt. Es gibt jedoch spezielle Grippemedikamente, in Deutschland vor allem den Wirkstoff Oseltamivir. Diese sind aber verschreibungspflichtig, helfen nur unter bestimmten Umständen und haben teils heftige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen.

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  • Was kann ich sonst gegen Grippe tun?

    Zu Hause bleiben, schonen, von anderen Menschen fernhalten und benutzte Taschentücher sofort entsorgen. Sonst geht erst einmal nicht viel. Hausmittel wie Kräutertee und Hühnersuppe sind eventuell gut fürs individuelle Wohlempfinden, ihre Wirkung ist aber nicht wissenschaftlich erwiesen. Rezeptfrei erhältliche Medikamente - wie Ibuprofen oder ASS (Acetylsalicylsäure) etwa - können helfen, die Beschwerden zu lindern und Fieber zu senken.

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