Landwirt und Agrarblogger Dirk Nienhaus liefert Einblicke in seine Öffentlichkeitsarbeit
Ein „Massentierhalter“ packt aus

Greven -

Dirk Nienhaus ist Bauer. Aber er ist auch virtuell unterwegs. Auf Facebook hat er 23000 Fans – genug, um Werbung für die Landwirtschaft zu machen.

Dienstag, 18.02.2020, 10:42 Uhr aktualisiert: 18.02.2020, 10:50 Uhr
Landwirtschaftsblogger Dirk Nienhaus.
Landwirtschaftsblogger Dirk Nienhaus. Foto: LOV

Wer kennt es nicht, das Bild der lila Kuh auf der Weide, die Idylle aus der Werbung. Doch dieser Zuckerguss-Landwirtschaft kann und will Dirk Nienhaus nicht entsprechen. Er zeigt stattdessen, wie Landwirtschaft wirklich aussieht. Der 41-jährige Landwirt aus Bocholt hält 220 Sauen und 90 Bullen auf seinem Betrieb und ist einer Vielzahl von Leuten aus dem Internet bekannt.

Unter dem Namen „Bocholter Landschwein“ ist er auf Facebook, YouTube und Instagram aktiv. Auf Einladung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins berichtete Nienhaus bei der Generalversammlung anschaulich von seiner Art der Öffentlichkeitsarbeit.

Es begann alles mit seiner Idee, Schweine auf Stroh zu halten und das Fleisch dann online zu vermarkten. Er hielt zwei Schweine auf Stroh, machte Fotos davon und stellte sie ins Netz.

Die restlichen Schweine auf seinem Betrieb wurden jedoch nach wie vor konventionell gehalten. „Da wurde mir klar: das passt nicht. Ich muss offener werden und die ganze Realität zeigen“, unterstreicht Nienhaus.

So erstellte er sein erstes Video von einer Abferkelung im Sauenstall und lud es bei Facebook hoch. Per Smartphone, ohne Schnickschnack, ganz sachlich und neutral.

Und siehe da: es kam gut an. So gut, dass Nienhaus weitermachte und mittlerweile sehr erfolgreich in der Agrarblogger-Szene ist. Seine Facebookseite hat über 23000 Fans. Auch sensible Themen lässt er dort nicht aus. „Wir haben in einem Video gezeigt, wie und warum man die Schwänze von Ferkeln kupiert. Und die Leute fanden es gut“, erklärt er. Oft unterstützen ihn auch seine Azubis beim Erstellen von Videos und Fotos.

Doch wem soll der Verbraucher glauben, der sich informieren will? Die ersten Suchergebnisse im Internet bestimmen, was die Leute wissen. Am Beispiel Glyphosat verdeutlicht Nienhaus die Problematik. Die meisten Landwirte wissen, dass Glyphosat ein erprobtes Herbizid sei, das weit vor der Aussaat auf dem Acker ausgebracht werde, damit weniger Unkraut wachse und die angebaute Kultur weniger Konkurrenz habe.

Suche man jedoch den Begriff Glyphosat bei Google und schaue in die Bildersuche, so erscheinen viele Bilder von Pflanzenschutzspritzen auf Getreide und anderen Kulturen. „Eine Pflanze, die mit Glyphosat behandelt wird, stirbt. Niemand besprüht seine Feldfrüchte damit. Das ist klar, aber die Leute sehen diese Bilder“, so Dirk Nienhaus.

Zum Ende legte Nienhaus den Grevener Landwirten eine Kampagne ans Herz. Da professionelle Öffentlichkeitsarbeit wichtiger werde, sei vor einigen Monaten das Projekt „Landwirt schafft Leben“ mit dem Slogan „Landwirtschaft mag doch jeder“ ins Leben gerufen worden.

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