Ensemble „Artig“ präsentiert „Die Judenbuche“ im Pumpenhaus
Brücken in die beklemmende Gegenwart

Münster -

Eine Bühnenadaption von Annette von Droste-Hülshoffs Novelle „Die Judenbuche“ präsentiert das Ensemble Artig der Marienschule im Pumpenhaus. Klare, ausdrucksstarke Bilder, eine stringente Dramaturgie und nicht zuletzt das engagierte Spiel der jungen Darstellerinnen nehmen den Zuschauer mit in eine dunkle Zeit, die sich von der heutigen vielleicht weniger unterscheidet als man denkt.

Donnerstag, 13.02.2020, 16:24 Uhr
Eindrucksvoll choreographierte Ensembleszenen sorgen für Bewegung auf der Bühne
Eindrucksvoll choreographierte Ensembleszenen sorgen für Bewegung auf der Bühne Foto: Helmut Jasny

Die Buche selbst schleppen sie gleich zu Beginn auf die Bühne. Ein paar grob gehauene Bretter bilden den Stamm, oben gibt es Löcher, in denen kahle Äste stecken. Es ist ein Baum, der auf seine wesentlichen Bestandteile reduziert ist. Und diese Verdichtung gilt auch für die Bühnenadaption von Annette von Droste-Hülshoffs Novelle „Die Judenbuche“, mit der das Ensemble Artig der Marienschule am Mittwoch im Pumpenhaus Premiere feierte.

Als „Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen“ bezeichnet die Autorin ihren 1842 entstandene Text. Es geht darin um Mord, um Holzfrevel und um zweierlei Arten von Recht – das gesetzliche auf der einen Seite und das der Gewohnheit und der öffentlichen Meinung auf der anderen. Und es geht um Vorurteile. Über Juden zum Beispiel, die alle Schelme seien, wie es heißt.

Unter der Leitung von Christian Reick sind mehr als ein Dutzend Darstellerinnen am Start. Sie konzentrieren sich auf Schlüsselszenen, was zu einem straffen Handlungsablauf führt, dem man leicht folgen kann. Im Mittelpunkt steht Friedrich Mergel, ein verschüchterter Knabe, der sich unter dem Einfluss seines kriminellen Onkels zu einem hochmütigen jungen Mann entwickelt und den jüdischen Händler Aaron ermordet, nachdem dieser ihn wegen einer nicht bezahlten Uhr in der Öffentlichkeit bloßgestellt hat.

Bei der szenischen Umsetzung geht das Ensemble geschickt vor. Es gibt keine feste Rollenzuordnung. Alle Darstellerinnen sind gleich gekleidet, lediglich ein roter Schal markiert, wer gerade die Hauptfigur spielt. Chorisch gesprochene Textpassagen führen den Zuschauer durch die Handlung. Eindrucksvoll choreographierte Massenszenen sorgen für Bewegung auf der Bühne und verdeutlichen den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft. Schmähgesänge machen die Ausgrenzung deutlich, der jüdische Mitbürger ausgesetzt sind. Eine Auflistung aktueller antisemitischer Ausschreitungen, die die Darsteller ins Publikum schreien, schlagen die Brücke zur Gegenwart.

Insgesamt ist dem Ensemble Artig mit der „Judenbuche“ eine eindrucksvolle Aufführung gelungen. Klare, ausdrucksstarke Bilder, eine stringente Dramaturgie und nicht zuletzt das engagierte Spiel der jungen Darstellerinnen nehmen den Zuschauer mit in eine dunkle Zeit, die sich von der heutigen vielleicht weniger unterscheidet als man denkt.

Letzte Vorstellung heute (14.2.) um 20 Uhr im Pumpenhaus.

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