Landgericht Münster
Mutter verabreichte Kind Methadon: Haftstrafe für Borghorsterin gefordert

Steinfurt/Münster -

Mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist am Donnerstag vor der 21. Großen Strafkammer beim Landgericht Münster der Prozess gegen eine 34-jährige Borghorsterin fortgesetzt worden. Die Anklage fordert eine Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren.

Donnerstag, 23.01.2020, 16:35 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 17:25 Uhr
Landgericht Münster: Mutter verabreichte Kind Methadon: Haftstrafe für Borghorsterin gefordert
(Symbolbild) Foto: dpa

Mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist am Donnerstag vor der 21. Großen Strafkammer beim Landgericht Münster der Prozess gegen eine 34-jährige Borghorsterin fortgesetzt worden. Ihr wird vorgeworfen, ihrer dreieinhalb Jahre alten Tochter Methadon in einer lebensbedrohlich hohen Dosierung verabreicht zu haben, um sie ruhig zu stellen und ihr wieder einen durchgängigen Schlaf zu ermöglichen.

Der Staatsanwalt hielt der Angeklagten am Donnerstag vor, ihrem Kind aus eigen-nützigen Motiven über einen Zeitraum von fast zwei Monaten täglich Methadon eingeflößt zu haben. Erst bei einer Einweisung in die Uniklinik Münster wegen einer Lungenentzündung sei bei einer Blutuntersuchung ein hochtoxischer Wert von Methadon entdeckt worden.

Den Grund dafür habe die Mutter jedoch aus Rücksichtslosigkeit und Angst vor Entdeckung den Ärzten nicht mitgeteilt. Dabei hätte die Mutter, so der Staatsanwalt, aus eigener Erfahrung um die verheerende Wirkung des Betäubungsmittels wissen müssen. „Es ist nicht Ihr Verdienst, dass Ihre Tochter die Vergiftung mit einem Opiat überlebt hat“, hielt der Anklagevertreter der Borghorsterin vor. Mögliche Spätfolgen aufgrund des Drogenkonsums und der Entzugserscheinungen seien derzeit noch gar nicht absehbar.

Egoistisches Verhalten

Als erschwerend wertete er, dass die Mutter keineswegs das Wohl ihres Kindes im Blick gehabt habe. Vielmehr habe sie durch eigensüchtiges Verhalten ihre eigene Ruhe erreichen wollte. „Das ist das Schlimmste, was eine Mutter ihrem Kind antun kann“, wandte sich der Staatsanwalt vorwurfsvoll an die Angeklagte und reagierte mit völligem Unverständnis darauf, dass sie den Ärzten im UKM die Verabreichung von Methadon verschwiegen hatte, was das Kind in höchste Lebensgefahr gebracht habe. „Das UKM war der letzte Halt vor dem Tod des Kindes“, so die Feststellung des Staatsanwaltes.

Wie schon der Sachverständige in seinem Gutachten ausgeführt habe, sei die Angeklagte uneingeschränkt schuldfähig. Daher hielt der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten angemessen. Zu ihren Gunsten wertete er, dass sie die Tat gestanden hatte. Berücksichtigt wurde auch, dass sie ihr elterliches Sorgerecht verloren hat.

Gegen sie spräche die lange Dauer der missbräuchlichen Verabreichung, die hohe Dosis des Betäubungsmittels und die akute Lebensgefahr, in der das Kind über mehr als sechs Wochen geschwebt habe. Wegen möglicher Fluchtgefahr beantragte er außerdem, den Haftbefehl weiterhin in Kraft zu belassen. Auch die Kosten des Verfahrens soll die Angeklagte übernehmen.

Angeklagte sei überfordert gewesen

Der Verteidiger wollte sich in seinem Plädoyer nicht auf ein Strafmaß festlegen. Er betonte jedoch, dass seine Mandantin ihr Kind nicht vorsätzlich schädigen wollte. Sie sei mit ihrer gesamten Lebenssituation überfordert gewesen und bat das Gericht, dieses bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen.

In ihrem letzten Wort versicherte die Angeklagte unter Tränen, dass ihr ihre Handlungen und die Folgen unendlich Leid täten. Nie habe sie den Vorsatz gehabt, ihrem Kind zu schaden.

In dem Prozess soll am 30. Januar das Urteil gesprochen werden.

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