Strafprozess
Marihuana im Keller des Opas

Nottuln/Münster -

Fünf Junge Männer, darunter drei Nottulner, müssen sich wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Münster verantworten.

Dienstag, 21.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 21:36 Uhr
Strafprozess: Marihuana im Keller des Opas
Foto: Friso Gentsch/dpa

Monatelang soll ein 23-Jähriger aus Nottuln kiloweise mit Marihuana gehandelt und dadurch Hunderttausende Euro eingenommen haben. Nach einem Verdacht hörte die Polizei Telefone und das Innere von Fahrzeugen ab, Personen wurden observiert. Ende Juli beziehungsweise Anfang August 2019 dann wurden der Dealer und ein weiterer Nottulner (20), ein Mann aus Everswinkel (23) sowie ein mutmaßlich Beteiligter aus Freckenhorst (26) festgenommen. Mitte September erfolgte bei einem weiteren Mann aus Nottuln (23) eine Wohnungsdurchsuchung und die vorläufige Festnahme.

Alle Fünf sind jetzt am Landgericht Münster wegen des Handels mit Betäubungsmitteln angeklagt. Sie sind weitestgehend geständig. Da der Jüngste erst 20 Jahre alt war (mittlerweile 21), wird der Prozess als Jugendstrafsache behandelt.

Der mutmaßliche Haupttäter soll von November 2018 bis Ende Juli 2019 Marihuana im bis zu zweistelligen Kilogramm-Bereich in den Niederlanden bestellt und von dem 26-jährigen Freckenhorster nach Nottuln bringen lassen haben. Durch den Weiterverkauf habe er über eine Million Euro eingenommen. Der Angeklagte selbst sagte nun, es seien weniger Kilogramm gewesen – bei den Fahrten jeweils fünf und insgesamt etwa 70 Kilogramm. Der Freckenhorster überbrachte demnach auch „Stoff“ zu Kleindealern nach Münster und beförderte Geld zwischen Kunden und Lieferanten.

Der Jüngste stellte dem Hauptangeklagten laut Anklage ab März 2019 einen Teil des Kellers im Haus seines Großvaters zur Verfügung. Der alte Mann befand sich zu der Zeit schon im Pflegeheim. Im Abstand von ein bis zwei Wochen, erklärte der 21-Jährige bei Gericht, seien jeweils „zwei Kartons mit jeweils zwei zugeschweißten schwarzen Tüten“ angeliefert sowie ein Teil der gelagerten Drogen portioniert und abgeholt worden. Dafür habe er monatlich 120 Gramm Marihuana für die eigene Verwendung erhalten. Später habe er selbst portioniert und 200 Gramm erhalten. 100 Gramm habe er in einem Fall verkauft, „an den Vater von einem Freund, für 650 Euro. Der hat seinen Jahreseinkauf gemacht“, sagte der Angeklagte. „Ich wusste gar nicht, wohin mit dem ganzen eigenen Zeug.“

Auch der Everswinkeler kaufte laut Anklage Marihuana aus den Beständen des 23-Jährigen Hauptangeklagten an, der weitere Mann aus Nottuln mehrmals jeweils ein Kilogramm Marihuana, um den Stoff an einen anderen Dealer zu verkaufen. Namen nennen die Angeklagten bei Gericht außer jene der Mitangeklagten nicht. Dennoch sind über dieses Verfahren hinaus weitere Abnehmer in den Blick der Polizei geraten, einer von ihnen befindet sich in Untersuchungshaft.

In das Verfahren sind auf Veranlassung des Gerichts wegen des eigenen Drogenmissbrauchs der Angeklagten vier Psychiater bzw. Psychologen als Gutachter einbezogen.

Die Verhandlung wird am 28. Januar fortgesetzt.

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