Vergewaltigung in der Ehe
Gericht verurteilt Mann zu mehrjähriger Haftstrafe

Senden/Münster -

Ein 55-jähriger Mann aus der Gemeinde Senden hat seine 40-jährige Ehefrau mit körperlicher Gewalt zum Sex gezwungen. Das Landgericht Münster verurteilte ihn am Montag wegen Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Montag, 20.01.2020, 18:08 Uhr aktualisiert: 20.01.2020, 20:24 Uhr
Vergewaltigung in der Ehe: Gericht verurteilt Mann zu mehrjähriger Haftstrafe
(Symbolbild) Foto: colourbox.com

Die Ehe war längst gescheitert. Aber der Mann wollte dies nicht einsehen. Er stellte seiner Frau nach, kontrollierte sie, wie und mit wem sie ihre Zeit verbringt. Er suchte auch den sexuellen Kontakt, den sie aber nicht mehr wollte. Letztlich sei der 55-Jährige so übergriffig geworden, dass er die 40-Jährige im gemeinsamen Haus in Senden mit körperlicher Gewalt zum Sex zwang. Aus dieser Einschätzung heraus hat das Landgericht den Mann am Montag wegen Vergewaltigung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

In dem Strafverfahren ( wir berichteten ) waren die Plädoyers weit auseinander gegangen. Der Verteidiger des Mannes hatte auf Freispruch plädiert, der Staatsanwalt auf vier Jahre und neun Monate Gefängnis sowie Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr. Der 55-Jährige bleibt jedoch frei, bis das Urteil gegebenenfalls rechtskräftig ist und der Haftantritt angeordnet wird. Er kann aber auch in Revision gehen.

Darstellung der Frau glaubhaft

Der Berufskraftfahrer hatte bis zum Ende des Prozesses darauf bestanden, dass es an dem Abend im Februar 2019 zwar zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, seine Frau dies aber auch gewollt habe und nichts unter Zwang geschehen sei. Sie habe keine Anzeichen gezeigt, dass sie nicht wollte, hatte er erklärt. Die Schlussfolgerung, dass die Frau damit ihr Einverständnis gegeben habe, bezeichnete der Vorsitzende Richter als „abstrus“.

Die Frau hatte ausgesagt, dass sie sich mit Händen und Schultern gewunden und mehrmals gesagt habe, dass sie nicht wolle. Aber sie habe sich kaum mehr wehren können, als sie mit dem Bauch auf dem Boden gelegen habe. Um Hilfe habe sie nicht geschrien, weil die gemeinsame, 13 Jahre alte Tochter im Obergeschoss von dem Übergriff „nichts mitbekommen sollte“.

Sowohl der Staatsanwalt als auch die Richter schätzen die Darstellung der Frau als glaubhaft ein. Die 40-Jährige habe „kein Motiv“ gehabt, so der Vorsitzende Richter, ihren Mann zu Unrecht zu belasten. Weder habe es „einen Sorgerechtsstreit“ gegeben, noch sei ein „finanzieller Vorteil“ durch eine Verurteilung ihres Mannes erkennbar.

Versteckter GPS-Sender im Wagen

Bedeutung für das Urteil hatte die Vorgeschichte der Tat. Der 55-Jährige hatte erklärt, dass sich seine Frau nach zwölf Jahren Ehe immer mehr verschlossen und zunehmend ihr eigenes Leben gelebt habe. Man habe in verschiedenen Zimmern übernachtet. Er habe es „als Licht am Ende des Tunnels“ gesehen, sagte er, wenn beide Zeit zusammen verbracht hätten. Der Vorsitzende Richter bezeichnete das Verhalten des Mannes als „vielleicht menschlich nachvollziehbar“. Die Nachstellungen hätten aber „groteske Züge“ angenommen.

Zum Beispiel hatte der Sendener Mobiltelefone im Badezimmer und im Auto der Frau versteckt, um sie abzuhören. Ein versteckter GPS-Sender in ihrem Wagen sollte ihm ihren Aufenthaltsort verraten. Als die 40-Jährige einmal mit ihrem Auto wegfahren wollte, setzte sich ihr Mann auf den Beifahrerplatz und sagte zu ihr: „Dann fahre ich halt mit“. Die Frau rief die Polizei, die den Mann anwies, das Auto zu verlassen.

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