Schnellbus 2.0 steht in Startlöchern
Ärger über Anschluss und neue Aussichten beim ÖPNV

Senden -

Ab August soll der Münsterland-Express (MX 90) die Schnellbuslinie S 90/92 ergänzen. Ziel ist es, mit verkürzten Takten und Fahrtzeiten sowie modernen Umsteigestationen zwischen Verkehrsmitteln die Zahl der Fahrgäste zu erhöhen. Für die Bewohner der Mönkingheide eine Chance, einen Anschluss zu bekommen.

Mittwoch, 15.01.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 08:01 Uhr
Präsentation der Planskizze (v.l): Kreisdirektor Dr. Linus Tepe, Geschäftsführer Gerrit Tranel (ZVM Bus), Projektleiter Josef Himmelmann, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Kreis-Mobilitätsbeauftragter Mathias Raabe. Die neuen Mobilstationen bieten mehr als bloßes Warten auf den Bus.
Präsentation der Planskizze (v.l): Kreisdirektor Dr. Linus Tepe, Geschäftsführer Gerrit Tranel (ZVM Bus), Projektleiter Josef Himmelmann, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Kreis-Mobilitätsbeauftragter Mathias Raabe. Die neuen Mobilstationen bieten mehr als bloßes Warten auf den Bus. Foto: Hüsing/Kreis Coesfeld

Das Provisorium als ersehnte Dauerlösung – zumindest viele Pendler, Schüler oder Fans des Großstadt-Shoppings sahen in der Ausnahme beim Busverkehr ein „paradiesisches Jahr“. Denn während der Baustelle an der Gartenstraße war für gut zehn Monate die Route des Schnellbusses verlegt worden. Mit der Folge, dass die S 90 die Haltestelle Mönkingheide in einem in der Regel halbstündigen Takt anfuhr.

Dieser Zustand ist mit dem Schuljahresbeginn am 7. Januar wieder beendet worden. Wer aus dem großen Baugebiet Mönkingheide mit all seinen Erweiterungen den ÖPNV besteigen möchte, der muss nach 8.51 Uhr (der letzten Abfahrt des Schnellbusses) einen Fußmarsch einplanen – obwohl die Bushalte, die er dabei passiert, praktisch vor der Haustür liegt. Nicht nur die mehrere Hundert Meter lange Strecke bis zur Bushaltestelle Siebenstücken nervt die Buskunden ganz gehörig – manche von ihnen haben schon den Beschwerde-Button auf der Senden-App genutzt, um ihren Unmut kundzutun, wie die Gemeinde auf Anfrage einräumt, andere haben sich an die WN-Lokalredaktion gewandt. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass ein riesiges Baugebiet abgekoppelt ist“, moniert ein Häuslebauer, der seinen Job im Einzelhandel in Münster später als viele andere Arbeitnehmer antritt.

Dass jetzt auch noch die Haltestelle Siebenstücken durch die teure Radstation ertüchtigt wurde, kann ein WN-Leser nicht nachvollziehen. „Das ist eine Ohrfeige für Pendler aus dem Bereich Mönkingheide, Langeland und Kralkamp“, betont der Sendener, der allmorgendlich den Weg zu seinem Arbeitsplatz in Münsters Zentrum Nord abwickeln muss. Nicht nur die Distanz, sondern auch die Strecke entlang der völlig unbeleuchteten B 235 sei eine Zumutung – auch und gerade für Frauen oder Heranwachsende, empören sich Bewohner der Mönkingheide schon seit zwei Jahrzehnten.

Ein riesiges Baugebiet ist abgekoppelt.

Pendler aus der Mönkingheide sind sauer

Womöglich ist jetzt aber bald Abhilfe in Sicht. Denn neben die Schnellbuslinien S 90/92 gesellt sich künftig der „Münsterland Express“. Er soll Olfen, Lüdinghausen und Senden mit dem Oberzentrum Münster verbinden und mit Datteln näher ans Ruhrgebiet führen. Und zwar ab August dieses Jahres, wie der Kreis in einer Pressemitteilung berichtet. Um das Umsteigen schmackhaft zu machen, soll sich der Takt verkürzen und das Tempo auf der Verbindung verbessern – für Fahrgäste aus Senden dürfte der Unterschied zum bisherigen Schnellbus aber nur gering ausfallen, hieß es bisher, es sei denn, weitere Verbesserungen in Münster auf der Weseler Straße würden realisiert, was die Projektskizze des Münsterland-Express vorsehen soll.

Mobilstation mit vielen Extras noch Zukunftsmusik

Weiterhin sollen moderne Mobilstationen einen Anreiz schaffen, die eigene logistische Kette neu zu organisieren. Josef Himmelmann, Projektleiter des Kreises, skizziert in der Mitteilung des Kreises ein Zukunftsbeispiel: „Aus der Bauerschaft mit dem E-Scooter zur neuen Sendener Mobilstation fahren, dort noch schnell einen Kaffee trinken oder ein Paket aufgeben und dann mit dem ‚Münsterland Express‘ zur Arbeit gelangen – alles über eine einheitliche App buchbar.“

Bis die Haltestelle 2.0 die Plattform und Verknüpfung zum Schnellbus 2.0 bietet, wird es aber wohl noch eine ganze Weile dauern. Deshalb dürfte die Mönkingheide vorerst vom MX 90 angesteuert werden.

Die neuartige Mobilstation, die über WLAN verfügt und die Fahrgäste Web-basiert auf dem Handy erfahren können, wann ihr Bus eintrudelt, soll im Bereich des Baugebietes Huxburg entstehen, führte Bürgermeister Täger selbst zuletzt beim Neujahrsempfang aus. Damit rückt der Haltepunkt schon näher an die Fahrgäste aus der Mönkingheide heran und ein Überqueren der B 235 wird überflüssig, was den Komfort erhöht.

Die neue Abstellanlage für 44 Räder bei Siebenstücken bekommt künftig eine neue Bedeutung und Funktion: Sie bedient zwei benachbarte Haltepunkte.  

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