Janna Kielmann über die Brände in Australien
Mensch und Natur warten auf Regen

Ladbergen -

Seit Monaten sind die großen Buschbrände in Australien Thema in den Medien – auch in Deutschland kommen sie aus den Nachrichten nicht heraus, direkt vor Ort sind sie zum „absoluten Topthema“ geworden, berichtet die Ladbergerin Janna Kielmann. Die 25-Jährige ist seit Oktober vergangenen Jahres in Australien. Auf ihrer Reise durch das Land von Koala und Kängurus traf sie „super viele nette Leute“, sah „wunderschöne Natur“ und kommt beinahe täglich auf die Brände zu sprechen.

Mittwoch, 15.01.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 20:29 Uhr
Janna Kielmann, gebürtig aus Ladbergen, ist seit Oktober in Australien unterwegs.
Janna Kielmann, gebürtig aus Ladbergen, ist seit Oktober in Australien unterwegs. Foto: Privat

Für die Reise nach Australien hat die Ladbergerin ihr Studium unterbrochen: Den Bachelor im Wirtschaftsingenieurswesen legte sie vor einem Jahr ab und reiste danach für zwei Monate nach Zentralamerika: „Da habe ich gemerkt, wie gut mir das Reisen tut“, berichtet sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. So gut sogar, dass die nächste Reise nicht lange auf sich warten lassen durfte. Den Master in Göttingen hat sie unterbrochen – seit Oktober reist sie als Backpackerin durch den Norden Australiens: „Ich bin zwar alleine nach Australien geflogen, aber man trifft hier immer Leute.“ Ob Camping in der Wildnis oder Übernachten im Hostel – Kontakte kann sie überall knüpfen. Und: „In jedem Hostel trifft man mindestens eine deutsche Gruppe.“

Die Australier seien besonders locker und gelassen: „Der Leistungsdruck ist hier nicht so hoch.“ Außerdem sei Australien ein typisches Touristen-Land: „Deswegen bekommt man als Reisender eigentlich immer Hilfe.“ Außerdem sei das Land besonders sauber und sehr westlich geprägt: „Für Touristen ist es hier sehr sicher.“ Das sei in Ländern wie Südafrika oder in Zentralamerika nicht der Fall gewesen. All diese „australischen Attribute“ – Hilfsbereitschaft, Spontanität und Gelassenheit – will Kielmann nach Deutschland mitnehmen: „Weil es mir so gut tut.“ „Auch wenn ich weiß, dass man im deutschen Hamsterrad schnell wieder funktionieren muss“, gibt sie zu. Wann die Rückreise nach Europa sein wird, das kann sie noch nicht sagen: „Mein Visum läuft bis Oktober. Ob ich es verlängere, weiß ich noch nicht.“ Die ersten beiden Monate ihrer Reise hat sie in einem Restaurant gekellnert. Um das Visum verlängern zu können, wird sie auf einer Farm arbeiten müssen.

Verheerende Brände in Australien

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  • In Australien wüten seit Oktober verheerende Buschfeuer. Landesweit sind 25 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2000 Häuser sind zerstört. Mehr als 10 Millionen Hektar brannten nieder - das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen.

    Foto: Dan Himbrechts
  • Besonders das Schicksal der Koalas bewegt viele Menschen. In einem Augenzeugenbericht im «Sydney Morning Herald» ist zu lesen, wie die Tiere schreien, während sie im Flammenmeer sterben.

    Foto: David Mariuz
  • Wildtierretter Simon Adamczyk trägt einen Koala aus einem brennenden Wald in der Nähe von Cape Borda auf Kangaroo Island, südwestlich von Adelaide. Auf Australiens drittgrößter Insel haben die Buschfeuer bereits eine 150.000 Hektar große Fläche verbrannt, wie der örtliche Regierungschef Marshall mitteilte.

    Foto: David Mariuz
  • Ein toter Koala liegt nach den Buschfeuern auf Kangaroo Island, südwestlich von Adelaide. Die Buschfeuer in Australien haben nach Behördenangaben bereits mehrere Millionen Hektar Land verbrannt, darunter auch Lebensräume von Koalas.

    Foto: David Mariuz
  • Foto: David Mariuz
  • Ein Koala, liegt nach den Buschfeuern tot am Straßenrand, in der Nähe des Flinders Chase National Park auf Kangaroo Island, südwestlich von Adelaide.

    Foto: David Mariuz
  • Ein verbranntes Koala-Weibchen und sein Nachwuchs (Joey) liegen nach den Buschfeuern auf Kangaroo Island, südwestlich von Adelaide.

    Foto: David Mariuz
  • Ein Känguru steht während der Buschfeuer im Flinder Chase National Park auf Kangaroo Island, südwestlich von Adelaide.

    Foto: David Mariuz
  • Eine verbrannte Landschaft im Flinders Chase National Park auf Kangaroo Island. Etwas Regen und kühlere Temperaturen haben die Arbeit der Feuerwehrleute bei den Bränden im Südosten Australiens etwas leichter gemacht. Aber auch diese Woche soll es wieder teilweise 40 Grad und heißer werden.

    Foto: David Mariuz
  • Hunderte Millionen Tiere sind nach vorsichtigen Schätzungen von Wissenschaftlern allein im Bundesstaat New South Wales an der Südostküste bei den Buschfeuern getötet worden.

    Foto: Kelly Barnes
  • Steve Shipton erschießt ein verletztes Kalb seiner Herde, die durch ein Buschfeuer in Coolagolite im Bundesstaat New South Wales zum Teil bereits verendet ist.

    Foto: Sean Davey
  • Militär-Reservisten sollen dabei helfen, die verendeten Schafe und das Vieh zu begraben. Die Folgen für die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt Australiens sind nicht absehbar. Hunderte von Millionen Tieren wurden nach Schätzungen von Wissenschaftlern allein in New South Wales getötet.

    Foto: David Mariuz
  • Ein Koala trinkt Wasser aus einer Flasche, die ihm von einem Feuerwehrmann hingehalten wird (Videostandbild). Inmitten einer Hitzewelle setzen die Buschfeuer in Australien ihr Zerstörungswerk fort. Besonders hart getroffen hat es den Bundesstaat New South Wales im Südosten des Landes.

    Foto: -
  • Ein totes Känguru hängt nach den Buschfeuern in einem Zaun fest.

    Foto: David Mariuz
  • Rauch steigt über einer Region während der Buschfeuer auf Kangaroo Island auf.

    Foto: David Mariuz
  • Blick auf Schäden nach den Buschfeuern auf Kangaroo Island.

    Foto: David Mariuz
  • Ein Strommast ist nach einem Feuer in der Nähe von Kangaroo Valley zusammengebrochen. Mildere Temperaturen brachten am Sonntag die Hoffnung auf eine Pause bei den verheerenden Waldbränden, die in den vergangenen Wochen große Teile von drei australischen Bundesstaaten verwüstet und fast 2.000 Häuser zerstört haben.

    Foto: Rick Rycroft
  • Eine eingestürzte und verbrannte Brücke, auf deren einstigen Holzbalken noch Glutnester schwelen, unterbricht die Wheelbarrow Road vom Princes Highway am Burrill Lake südlich von Ulladulla. Die Feuerwehrmannschaften arbeiten verzweifelt daran, die Buschbrände in der Region and der Südküste Australiens südlich von Sydney einzudämmen. Extreme Hitze und starker Wind erschweren den lebensgefährlichen Kampf gegen das sich ausbreitende Feuer.

    Foto: Dean Lewins
  • Ein Feuerwehrmann benutzt eine Harke, um brennende Holzteile zu verteilen während er ein Feuer in der Nähe des Burrill Lake bekämpft.

    Foto: Rick Rycroft
  • Dieses vom australischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Hubschrauber der Royal Australian Navy, der mit Hilfsgütern beladen wird. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria loderten noch mehr als 180 Feuer.

    Foto: Private Michael Currie
  • Ein Känguru hüpft am frühen Morgen durch das Buschland inmitten von Rauchschwaden, die von den verheerenden Buschbränden verursacht wurden.

    Foto: Lukas Coch
  • Ein Mann säubert am frühen Morgen den Vorplatz des Parlamentsgebäudes inmitten von Rauchschwaden, die von den verheerenden Buschbränden verursacht wurden.

    Foto: Lukas Coch
  • Die Commonwealth Avenue-Brücke ist am Lake Burley Griffin am frühen Morgen von Rauchschwaden umgeben, die von den verheerenden Buschbränden verursacht wurden.

    Foto: Lukas Coch
  • Ein von der Internationalen Raumstation ISS am 03.01.2020 aus etwa 360 Kilometern Höhe aufgenommenes Satellitenfoto zeigt die Waldbrände in der Region um Sydney, deren Rauschwaden bis in die Tasmanische See ziehen.

    Foto: -
  • Evakuierte Menschen gehen auf der Flucht vor den verheerenden Buschbränden zu einem Landungsboot am Strand des Küstenortes, das sie an Bord des Marineschiffes HMAS Choules bringen soll. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria mussten mehrere Städte evakuiert werden, darunter beliebte Touristenorte.

    Foto: Helen Frank
  • Menschen, die vor den vor den Wildbränden in dem Küstenort Mallacoota in Sicherheit gebracht wurden, steigen in einen Bus. Tausende Menschen in den Katastrophengebieten Australiens sind auf der Flucht vor den verheerenden Buschbränden.

    Foto: Ian Currie
  • Menschen kommen auf dem Docklandungsschiff HMAS Choules am Hafen an, nachdem sie vor den Wildbränden in dem Küstenort Mallacoota in Sicherheit gebracht wurden.

    Foto: Ian Currie
  • Menschen, die aufgrund der Wildbrände aus dem Küstenort Mallacoota gerettet wurden, kommen im Somerville Recreation Centre an.

    Foto: Julian Smith
  • Foto: Ian Currie
  • Die Nord-Narooma Bewohnerinnen Patty Reid und Heather Ferguson stehen im Evakuierungszentrum im Narooma Leisure Centre, neben der Heckklappe ihres Autos, in dessen Kofferraum die vier Hunde der beiden Frauen sitzen.

    Foto: Dominica Sanda
  • Passanten tragen Mundschutz, um sich vor der stark verschmutzten Luft zu schützen. Wegen der anhaltenden Brände wurde in Teilen des Landes der Notstand verhängt.

    Foto: Chu Chen
  • Ein DC-10 Air Tanker fliegt über ein Wildfeuergebiet. Im Kampf gegen die verheerenden Buschbrände will Premierminister Morrison 3000 Reservisten der Streitkräfte mobilisieren.

    Foto: Mick Tsikas
  • Australien, North Nowra: Die örtliche Feuerwehr steht an einer Straßensperre in der Nähe eines Wildfeuers.

    Foto: Mick Tsikas
  • Ein toter Vogel liegt auf einem ausgebrannten Grundstück in Bruthen.

    Foto: James Ross
  • Ein Wildfeuer hat ein gesamtes Grundstück in Bruthen samt Fahrzeug zerstört.

    Foto: James Ross
  • Ein Feuerwehrmann schützt sein Gesicht vor Rauch, während er ein Feuer in einem Wald in Bendalong bekämpft.

    Foto: Rick Rycroft
  • Einsatzkräfte der Feuerwehr in Bendalong kämpfen gegen ein Feuer in einem Wald.

    Foto: Rick Rycroft
  • Foto: Rick Rycroft
  • Boote werden an Land gezogen, während im Hintergrund Rauchwolken über dem Ufer hinter dem Canjola See aufsteigen.

    Foto: Robert Oerlemans
  • Dichte Rauchwolken steigen über einem Wald auf, in dem ein Wildfeuer wütet.

    Foto: Glen Morey
  • Rauchwolken steigen über einem Wald hinter dem Canjola See auf, in dem ein Wildfeuer wütet.

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  • Ein Screenshot aus einem Video zeigt ein großes Feuer, das in East Gippsland brennt. Mehr als 800.000 Hektar Buschland sind in dem Gebiet verbrannt. Touristen sollen die Brandgebiete im Südosten Australiens angesichts einer neuen, für das Wochenende erwarteten Hitzewelle verlassen.

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  • Rauchschwaden von einem Feuer, das in East Gippsland, brennt. Mehr als 800.000 Hektar Buschland sind in dem Gebiet verbrannt.

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  • Scott Morrison, Premierminister von Australien, besichtigt die vom Feuer verwüsteten Wildflower-Farm von Paul und Melissa Churchman in Sarsfield, Victoria.

    Foto: James Ross
  • Ein Mann und eine Frau helfen einem Kind an Bord des Marineschiffes MV Sycamore. Im Südosten Australiens herrscht Katastrophenalarm.

    Foto: Lsis Shane Cameron
  • Soldaten helfen Menschen an Bord eines Landungsbootes, das sie zum Marineschiff HMAS Choules bringen soll.

    Foto: Pois Helen Frank
  • Ein durch einen Buschbrand zerstörtes Gebäude steht in Sarsfield im Gebiet East Gippsland Shire im Bundesstaat Victoria. Ein Ende der verheerenden Buschbrände ist nicht in Sicht und kann noch Monate dauern.

    Foto: Jason Edwards
  • Foto: Jason Edwards
  • Foto: Jason Edwards
  • Foto: Sean Davey

Zurzeit reist Kielmann durch den Norden des Kontinentes und sagt: „Man kann sich nicht vorstellen, wie groß das Land ist.“ Gemeinsam mit einer Argentinierin und zwei Schwedinnen ist sie unterwegs: „Ich liebe es, mit verschiedenen Nationalitäten unterwegs zu sein.“ Von den Bränden – die überwiegend im Süden lodern – habe sie selber zwar kaum Kontakt gehabt, in aller Munde sei das Thema aber natürlich: „Wenn man den Fernseher anmacht, kommt man an dem Thema nicht vorbei.“ Sie sagt aber auch: „Für die Menschen hier sind die Buschbrände normal. Das passiert jedes Jahr. Dieses Mal ist es nur erschreckend, dass es bereits im September angefangen hat.“ Normalerweise würden die Brände erst im Dezember beginnen, berichtet sie.

Die schiere Größe der Flächen, die brennen würden, sei erschreckend für die Einheimischen. Das Aussterben von Tierarten würde die Australier besonders mitnehmen. Janna Kielmann sagt aber auch: „Es ist schön, dass auch so viel über die Rettung zahlreicher Tiere berichtet wird. Das gibt vielen Hoffnung.“ Das Land ist für die zahlreichen Backpacker bekannt. Um die Brände auf Reiserouten umgehen zu können, gäbe es die App „ Fire around me“: „Die warnt rechtzeitig vor Bränden.“

Unter den Reisenden sind die Brände selbstverständlich ein Thema. Von vielen Touristen, aber vor allem von den Einheimischen weiß sie, dass Aussicht auf Besserung herrschen würde: „Die Menschen warten auf den Regen. Und jetzt kommt die typische Jahreszeit dafür.“ Durch Brandbekämpfung seitens der Feuerwehr könnten die Buschbrände nicht gelöscht werden, so Kielmann: „Dafür sind sie einfach zu groß.“ Als Besorgniserregend sehen es die Australier auch, dass es auf den Inseln brennen würde: „Das ist nicht typisch.“ Auch viele Einheimische würden die neuerliche Stärke der Brände auf den fortschreitenden Klimawandel zurückführen: „Hier gibt es zwar keine Proteste von Fridays For Future, aber jedem ist der Klimawandel bewusst.“ Praktisch vor Augen geführt wird er im Great Barrier Reef: „Ich war auch dort. Ich habe tolle Ecken gesehen, aber auch schon welche, die einfach tot sind.“

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