Prozess am Landgericht
Auf „tolle Ehe“ folgt der Vorwurf der Vergewaltigung

Senden/Münster -

Ein 55-Jähriger muss sich wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in der Ehe verantworten. Er bestreitet nicht, dass es zu Sex kam, dieser sei aber einvernehmlich gewesen. Für seine Frau sei die Partnerschaft da schon längst zerbrochen gewesen.

Montag, 13.01.2020, 16:48 Uhr aktualisiert: 13.01.2020, 19:38 Uhr
 Vor dem Landgericht muss sich ein 55-Jähriger aus Senden wegen des Vorwurf der Vergewaltigung verantworten.
 Vor dem Landgericht muss sich ein 55-Jähriger aus Senden wegen des Vorwurf der Vergewaltigung verantworten. Foto: dpa

Wie sie sich kennengelernt hatten, wirkte in den Erzählungen beider bei Gericht idyllisch: Sie verkaufte im Sommer am Meer Luftballons. Er war in dem Strandort in den Ferien, fand die Frau interessant und besuchte sie an jedem seiner Urlaubstage an ihrem Verkaufsplatz. Nach seinem Urlaub besuchte die heute 40-Jährige den mittlerweile 55-Jährigen in seinem Heimatort. Die beiden wurden ein Paar, heirateten, wurden Eltern einer Tochter.

Jetzt – mehr als zehn Jahre später – ist der Ehemann am Landgericht angeklagt, weil er seine Ehefrau im Februar 2019 zwei Mal im gemeinsamen Eigenheim in Senden vergewaltigt haben soll. Die Frau sagt: Sie habe an dem Abend klar zu verstehen gegeben, dass sie keinen Sex wollte. Die Partnerschaft sei längst zerbrochen gewesen. Er behauptet: Sie hat an dem Abend nichts gegen seine Berührungen gesagt und die anscheinend auch gewollt. Es habe zwar Sex, aber keine Vergewaltigung gegeben.

Sollte es zu einem Schuldspruch des Gerichts wegen Vergewaltigung kommen, könnte der Berufskraftfahrer zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Die Frau ist Nebenklägerin, hat offenbar aber keinen Antrag auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz gestellt, wie sie dem Gericht beim Prozessauftakt darlegte.

Vorfall ist Zeit des Auseinanderlebens vorausgegangen

Dem Vorfall war – so schilderten es bei Gericht beide Ehepartner – eine Zeit des Auseinanderlebens vorausgegangen. „Bis vor zwei Jahren war es eine tolle Ehe. Wir waren ein super Team. Dann hat sie sich sehr verändert und total verschlossen“, erzählte der 55-Jährige sichtlich berührt, er stockte während des Erzählens. Seine Frau habe zunehmend Zeit mit anderen Leuten verbracht und sei oft tagelang von zu Hause weg gewesen. „Sie hat sich sexy gekleidet und hatte manchmal viel Geld in der Handtasche“, sagte er. Er habe vermutet, dass sie sich mittlerweile prostituiere. Seine Frau habe „ein Doppelleben geführt“.

Für die Frau war die Ehe zu dem Zeitpunkt schon gescheitert, wie sie erklärte. „Ich habe mich in der Beziehung beengt gefühlt, das war alles nicht mehr offen genug.“ Nach häufigen Streitereien während und wegen des Hausbaus habe sie sich innerlich immer mehr von ihrem Mann distanziert. Sie habe Freundinnen besucht und viel Zeit im Sportstudio beim Training verbracht.

Um zu erfahren, wo sich seine Frau aufhält, hatte der 55-Jährige laut dem Gericht Handys unter dem Fahrersitz ihres Autos und im Badezimmer versteckt, um per App Aufnahmen von möglichen Telefongesprächen zu machen. Bei Gericht gab er dies zu. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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