LOV-Vorsitzende zur Anregung einer Sondersteuer auf Fleisch
Ein langer Weg zu mehr Tierwohl

Lüdinghausen -

Geld für mehr Tierwohl soll durch eine Sondersteuer auf Fleisch kommen, so lautet eine Idee der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Berthold Schulze Meinhövel und Michael Muhle, die LOV-Vorsitzenden aus Lüdinghausen und Seppenrade, erachten andere Wege als sinnvoller.

Dienstag, 14.01.2020, 12:00 Uhr
Für glücklichere Schafe, Schweine und Kühe: Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast möchte eine Sondersteuer auf Fleisch einführen, um mit den Mehreinnahmen die Haltungsbedingungen von Nutztieren zu verbessern.
Für glücklichere Schafe, Schweine und Kühe: Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast möchte eine Sondersteuer auf Fleisch einführen, um mit den Mehreinnahmen die Haltungsbedingungen von Nutztieren zu verbessern. Foto: colourbox

Um die Haltung von Nutztieren zu optimieren, hat die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast eine Sondersteuer auf Fleisch zur Finanzierung besserer Bedingungen angeregt. Es gebe sinnvollere Wege, um für mehr Tierwohl zu sorgen, finden die Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Ortsverbände (LOV) aus Lüdinghausen und Seppenrade.

Michael Muhle erachtet die Einführung einer neuen Steuer als sehr aufwendig und zu kompliziert. Besser sei nach Meinung des LOV-Vorsitzenden aus Seppenrade eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von bisher sieben auf dann 19 Prozent. „Das ist ein pragmatischer Vorschlag, der relativ einfach umzusetzen ist“, findet er. „Da hätten wir schon einige Milliarden für den Umbau der Ställe.“

Das ist ein pragmatischer Vorschlag, der relativ einfach umzusetzen ist.

Michael Muhle

Auf jeden Fall müsse Geld vom Staat an die Landwirte fließen. „Ohne funktioniert es nicht“, macht Muhle deutlich. „Dann würden nur die größeren Betriebe überleben. Und die kleinen, die sich den Umbau nicht leisten können, würden wegfallen, wenn es keine finanzielle Unterstützung gibt.“ Das würde in Seppenrade einen dramatischen Einbruch bedeuten: „Wir haben hier ausschließlich Betriebe, die familiengeführt sind und maximal ein bis zwei Angestellte haben“, betont Muhle, der bei der Umsetzung auf eine Sache großen Wert legt. „Es ist entscheidend“, findet er, „dass die Tierhaltung dann so aussieht, wie sich das ein Großteil der Verbraucher vorstellt.“

Von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer hält Berthold Schulze Meinhövel nicht viel. „Weil die Einnahmen nicht an einen Zweck zu binden sind“, erklärt der LOV-Vorsitzende aus Lüdinghausen. Zur vorgeschlagenen Sondersteuer sagt er: „Das ist erstmal die Forderung einer einzelnen Ministerin. Wir müssen abwarten, wie das funktionieren soll.“

Das ist erstmal die Forderung einer einzelnen Ministerin. Wir müssen abwarten, wie das funktionieren soll.

Berthold Schulze Meinhövel

Besser findet Schulze Meinhövel einen Weg, den das Landwirtschaftsministerium der Bundesregierung eingeschlagen hat. „Dort gibt es ein Kompetenznetzwerk, dessen Vorsitzender Jochen Borchert, der ehemalige Landwirtschaftsminister, ist und das gerade Nutztierstrategien entwickelt“, informiert er. „Ende nächsten Monats sollen die ersten Vorschläge in die Politik eingebracht werden.“ Dabei werde zuallererst ein klares Bekenntnis zur Nutztierstrategie eingefordert, die eine Prämie pro Tier und Investitionszuschüsse für Stallumbauten beinhalte. „Das ist eine schwere Aufgabe und ein langer Weg“, weiß Schulze Meinhövel – aber seiner Meinung nach die bessere Option. „Ich finde es sinnvoller, eine Nutztierstrategie zu verfolgen, wie das Landwirtschaftsministerium es vorhat, als auf die Schnelle die Steuern zu erhöhen.“ Wichtig sei ihm auch, dass es auf wissenschaftlicher Basis geschehe und nicht nur von Emotionen lebe. „Letztlich kommt es für uns Landwirte darauf an, eine gesellschaftlich akzeptierte Tierhaltung zu betreiben“, erklärt der Landwirt.

Anfänge seien bereits gemacht. So gebe es zum Beispiel die „Initiative Tierwohl“, ein Bündnis aus Land- und Fleischwirtschaft sowie Lebensmittelhandel, auf dessen Internetseite konkrete Zahlen genannt werden. Demnach profitieren aktuell 510 Millionen Tiere von der Initiative, 6660 landwirtschaftliche Betriebe nehmen bereits teil. Dazu gehören, so der LOV-Vorsitzende, rund 30 Prozent der Schweinehalter. Er selbst ist auch mit seinem Mastbetrieb dabei. „Über diese Initiative leisten die Verbraucher mit ein paar Cent pro Kilo einen Beitrag dazu, dass die Tiere unter anderem mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial zur Verfügung haben“, erklärt Schulte Meinhövel.

Für den LOV-Vorsitzenden sei das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei bleibe ihm aber bewusst: „Wir werden es als Landwirte nie schaffen, dass alle zufrieden sind.“

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