Demenz-WG
Wie ein richtiges Zuhause

Ochtrup -

Es ist wohl der Wunsch eines jeden, auch im Alter selbstbestimmt leben zu können. Doch was geschieht, wenn eine Erkrankung wie beispielsweise Demenz hinzukommt? Wie selbstbestimmt ist das eigene Leben dann noch? Abseits einer vollstationären Unterbringung in einem Altenheim kann beispielsweise eine spezielle Wohngemeinschaft eine Alternative sein. Seit Ende vergangenen Jahres gibt es auch in Ochtrup eine Demenz-WG. Betrieben wird sie von der Cathamed Pflegedienst GmbH.

Donnerstag, 09.01.2020, 06:00 Uhr
Das Ziel einer Wohngemeinschaft für dementiell erkrankte Menschen ist, eine Gemeinschaft zu schaffen, in der sich die Bewohner wohl fühlen. Der Spaß darf dabei natürlich ebenso wenig hintenanstehen wie eine gute Verpflegung – wie diese Aufnahmen aus einer solchen Einrichtung in Rheine zeigen.
Das Ziel einer Wohngemeinschaft für dementiell erkrankte Menschen ist, eine Gemeinschaft zu schaffen, in der sich die Bewohner wohl fühlen. Der Spaß darf dabei natürlich ebenso wenig hintenanstehen wie eine gute Verpflegung – wie diese Aufnahmen aus einer solchen Einrichtung in Rheine zeigen. Foto: Roland Borgmann

Deren Geschäftsführer Markus Liesmann kann allerdings die Bezeichnung „alternative Wohnform für alte Menschen“ nicht mehr hören. Solche WGs seien mittlerweile etabliert. Der gravierendste Unterschied zum klassischen Altenheim, das weder Liesmann noch sein Geschäftsführer-Kollege Kai Eickelpasch verteufeln wollen, ist die Anzahl der Plätze. In der neuen Ochtruper WG können zwölf Bewohner einziehen, neun sind es bereits. Die Grundidee: ein selbstbestimmtes Leben führen. „Die Bewohner sollen das tun, was sie noch können“, betont Liesmann. Aufgabe des Personals sei es in erster Linie, nur dort einzugreifen, wo Unterstützung benötigt werde. Ressourcenorientierte Betreuung nennt Liesmann das. „Es ist rund um die Uhr jemand hier“, betont der Geschäftsführer. So können Bewohner mit Bewegungsdrang sich auch nachts frei in der Demenz-WG bewegen, sofern sie nicht die anderen stören. Zuhause sei diese Leistung von Angehörigen kaum zu stemmen. Und auch in Altenheimen werde dies nicht ermöglicht.

Gemeinschaft erzeugen

Ziel der Wohngemeinschaft sei, eine Gemeinschaft zu erzeugen. Jeder Bewohner hat ein Appartement, zu dem jeweils ein kleines barrierefreies Badezimmer gehört. Deutlich großzügiger sind die Gemeinschaftsräume gestaltet. Auf 280 Quadratmetern können die Bewohner sich frei bewegen und tun, was sie möchten. Jeden Tag wird frisch gekocht, der Speiseplan gemeinsam erstellt und auch der Einkauf zusammen erledigt – jeder Bewohner nach seinen Möglichkeiten und Wünschen. „Wir gehen aber auch mal in die Imbissbude und essen Pommes mit Currywurst oder bestellen Pizza“, erzählt Pflegedienstleiterin Katharina Senk vom Alltag in der WG. Das Programm sei nicht festgeschrieben und richte sich ganz nach den Vorstellungen der Bewohner. Zu Weihnachten wurde beispielsweise ein Drei-Gänge-Menü aufgetischt und eine Bescherung gab es selbstverständlich auch.

Die Essenszeiten sind nicht strikt vorgegeben. Wer in der Nacht noch ein Betthupferl oder einen Mitternachtsnack benötigt, geht in die Küche und bedient sich. „Und wer früher Langschläfer war, muss hier definitiv nicht früh morgens aufstehen“, fügt Liesmann augenzwinkernd hinzu.

Das Leben und die WG selbst gestalten

Die WGler sollen ihr Leben selbst gestalten – wie sie es in den eigenen vier Wänden auch getan haben. Dazu zählt beispielsweise auch, dass die Gemeinschaftsräume von ihnen selbst gestaltet werden können. Aktuell seien jene in der Ochtruper Wohngemeinschaft noch etwas kahl, meint Kai Eickelpasch. Natürlich könne die Geschäftsführung die Räume professionell einrichten lassen. Doch viel schöner sei es doch, wenn die Bewohner sich selbst einbrächten. „Diese Erfahrung haben wir in unseren anderen Wohngemeinschaften bereits gemacht“, erzählt der Geschäftsführer. Die meisten Bewohner hätten ohnehin in ihren Zimmern keinen Platz für all ihre Möbel. Da biete es sich an, das geliebte Sofa oder die Kommode in den Gemeinschaftsräumen unterzubringen und diese so zu gestalten, dass sie ein Zuhause für die Bewohner werden.

Insgesamt gibt es in der Wohngemeinschaft elf Mitarbeiter, die sich die verschiedenen Schichten teilen. Darunter sind Pflegekräfte, aber auch Arzthelferinnen und Quereinsteiger. „Unser Personalschlüssel ist deutlich höher als in den Altenheimen“, weiß Liesmann. Finanziell sei der Platz in der Demenz-WG aber nicht etwa teurer als einer im Altenheim. „Das kommt in etwa aufs Gleiche raus, aber eben mit deutlich mehr Lebensqualität“, findet Liesmann.

Angehörige einbinden

Auch die Angehörigen spielen in der WG eine große Rolle. Soweit möglich, werden sie in die Aktivitäten eingebunden. Besuchszeiten gibt es nicht. Die Angehörigen können kommen und gehen, wie die Bewohner möchten. „Wir sind davon überzeugt, dass diese Form die richtige Betreuung ist“, betont Liesmann. Die Pflege sei nur Gast. „Wir werden aktiv, wenn wir gebraucht werden.“

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