Vorfall am FMO
„Schwere Störung“ verlief glimpflich

Greven -

Eine „schwere Störung“, wie es in einem Zwischenbericht heißt, ereignete sich am 8. Oktober am FMO. Ein Jetstream der Fluggesellschaft AIS startete als Linienflug nach Stuttgart.

Montag, 06.01.2020, 19:26 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 20:23 Uhr
Die AIS setzt Turbopropflugzeug des Typs BAe Jetstream 32 mit 19 Sitzplätzen ein. Mit einem dieser Flugzeuge kam es Mitte Oktober zu dem Vorfall.
Die AIS setzt Turbopropflugzeug des Typs BAe Jetstream 32 mit 19 Sitzplätzen ein. Mit einem dieser Flugzeuge kam es Mitte Oktober zu dem Vorfall. Foto: Gunnar A. Pier

Es gibt einige Menschen, die unter Flugangst leiden. Rein statistisch gesehen gibt es dafür aber kaum einen Grund. Denn: Flugzeuge sind mit Abstand das sicherste Transportmittel. Aber: Auch im Flugbetrieb kann es zu Unfällen kommen. Knapp daran vorbei ging es bei einem Vorfall am FMO, der sich am 8. Oktober ereignete und der erst jetzt durch einen Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) öffentlich wurde.

„Ja“, sagte Detlef Döbberthin, Pressesprecher des FMO. „Der Vorfall ist uns bekannt. Aber wir wollen uns dazu nicht weiter äußern.“ Denn dieser Vorfall sei eine Sache zwischen der beteiligten Fluggesellschaft AIS und der BFU.

Ruder blieben verriegelt

Die „Schwere Störung“, wie es in dem Zwischenbericht der BFU heißt, ereignete sich am 8. Oktober gegen 18 Uhr. Da startete ein Jetstream der Fluggesellschaft AIS als Linienflug nach Stuttgart. An Bord befanden sich zwei Piloten, eine Flugbegleiterin und ein Passagier.

Für den Copiloten handelte es sich um den ersten Ausbildungsflug im Linienflugverkehr nach Erwerb der Musterberechtigung. Der verantwortliche Luftfahrzeugführer war „Line Training Instructor“ und zuständig für die Ausbildung des Copiloten auf dem geplanten Flug. Der Copilot war der steuernde Pilot und der Luftfahrzeugführer fungierte als überwachender Pilot.

Beim üblichen „Line Up-Check“ vor dem Start wurde, so ergab es die Sprachaufzeichnung, die Freigängigkeit der Flugsteuerung nicht kontrolliert. Dadurch blieben die Ruder verriegelt. Das führte nach den Erkenntnissen des BFU dazu, dass der Start bei einer Geschwindigkeit von 130 Knoten (rund 240 Stundenkilometern) abgebrochen werden musste.

Abbruch des Starts

Auf Nachfrage der Tower-Lotsin für den Grund des Startabbruchs gab der verantwortliche Luftfahrzeugführer die verriegelte Flugsteuerungssperre (Gust Lock) an. Die wird bei einem Flugzeug eingeschaltet, das länger auf dem Vorfeld steht, um Schäden durch Wind an den Rudern zu verhindern.

Nach Abbruch des Starts kam die Maschine von der Piste ab. Nach rund 530 Metern auf unbefestigtem Untergrund kehrte das Flugzeug auf die Piste zurück. Zwischendurch kam der Jetstream einem kleinem Sportflugzeug am Segelflugplatz recht nahe.

Erstaunlich: Ein Start mit Ruderverrieglung ist eigentlich nicht möglich. Der BFU fand heraus, dass ein entsprechendes Teil, das eben dies verhindern sollte, bei der betreffenden Maschine verbogen war.

Ausflug ins Grün

Beim Startabbruch und dem Ausflug in das Grün entstanden am Flugzeug und der Rollbahn kleinere Schäden. Menschen wurden nicht verletzt. Und es war wohl nicht erste Fall. Nach Aussagen des Luftfahrzeugherstellers gegenüber der BFU gab es in der Vergangenheit drei Vorfälle des Flugzeugmusters Jetstream 32, bei denen die Gust Locks nicht vollständig entriegelt waren und die Cockpitbesatzung die Freigängigkeit der Flugsteuerung nicht überprüft hatte. In zwei dieser Fälle kamen die Flugzeuge von der Startbahn ab.

Am FMO sind solche Vorfälle allerdings höchst selten. „Wir haben hin und wieder Vorfälle mit Privatmaschinen. So etwas, wie jetzt mit dem Jetstream, ist dagegen sehr selten“, sagte Döbberthin.

Die BFU stellte zum Ende des Berichtes klar: „Das alleinige Ziel der Untersuchung ist die Verhütung künftiger Unfälle und Störungen. Die Untersuchung dient nicht der Feststellung des Verschuldens.“

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