Wirtin Luise Sunke hat gleichnamige Kneipe zum Jahresende geschlossen
„Es war eine schöne Zeit“

Horstmar -

Nach den Wirtschaften „Zum Koppelfeld“ und „Zur Alten Post“ hat zum Jahresende auch die Traditionsgaststätte Sunke an der Königstraße 5 ihre Türen geschlossen. „Meine Kinder konnten und wollten die Gaststätte nicht weiterführen“, bedauert Wirtin Luise Sunke das Ende des Familienbetriebs.

Mittwoch, 01.01.2020, 18:42 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 16:06 Uhr
Seit 30 Jahren trifft sich der Stammtisch „Otto Pohl“ in der Gaststätte Sunke. Zum Jahresende hat sich Wirtin Luise Sunke (l.) von den Männern verabschiedet, da sie die Horstmarer Traditionsgaststätte schließt.
Seit 30 Jahren trifft sich der Stammtisch „Otto Pohl“ in der Gaststätte Sunke. Zum Jahresende hat sich Wirtin Luise Sunke (l.) von den Männern verabschiedet, da sie die Horstmarer Traditionsgaststätte schließt. Foto: Neugebauer

Das Kneipensterben in der Burgmannsstadt geht weiter. Nachdem die Wirtschaften „Zum Koppelfeld“ und „Zur Alten Post“ ihre Türen geschlossen haben und die Ratsschänke schon lange leer steht, gingen jetzt in der Traditionsgaststätte Sunke in der Königstraße 5 zum Jahresende endgültig die Lichter aus.

„Meine Kinder konnten und wollten die Gaststätte nicht weiterführen“, bedauert Luise Sunke das Ende des Familienbetriebs. Zudem habe sie seit dem Tod ihres Mannes Ernst im August vergangenen Jahres die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen können, bekennt die 77-Jährige. Zahlreiche Stammtische und Vereine sind traurig über das Ende. Dazu gehört auch der Sportverein TuS Germania, der Sunke im Jahr 1958 als Vereinslokal auswählte.

Seit 30 Jahren tagte dort regelmäßig der Stammtisch „Otto Pohl“. An der Theke der Gaststätte wurde die Idee zur Gründung des WM-Clubs geboren. Die Männerrunde besuchte erstmals die Fußballweltmeisterschaft in Spanien in 1982. Es folgten Reisen zu den Weltmeisterschaften in Mexiko, in Italien und in den USA.

Auch die Antoniusbrüder und der Fanclub „Schalker Virus“ bedauern die Schließung und werden sich ein neues Domizil suchen müssen.

Die Geschichte der Gaststätte Sunke geht bis ins Jahr 1885 zurück. Luise Sunke bewahrt die Urkunde vom 23. Januar 1885 auf, in der der Königliche Landrat Steinfurt dem Kramer Heinrich Esker die Erlaubnis erteilte, in der Stadt Horstmar Nr. 64 eine Schankwirtschaft zu betreiben.

Theresia Ruck, die von dem kinderlosen Ehepaar Esker angenommen wurde, heiratete 1899 den Kupferschmiedemeister Engelbert Schlees. Sie führten gemeinsam die Schankwirtschaft bis zum Tode von Engelbert Schlees im Jahr 1937.

Dem Buch von Heinz Herdt über Horstmar von A bis Z ist zu entnehmen, dass Theresia Schlees die Gaststätte bis 1954 allein führte. Danach übernahm ihre Tochter Paula mit ihrem Ehemann Bernhard Sunke die Kneipe. Die in Horstmar wohnende Nachkommin dieses Ehepaares, Resi Christoph, geborene Sunke, erinnert sich, dass man neben der Gaststätte sogar Lebensmittel verkaufte und zudem eine Landwirtschaft dazu gehörte. Im Jahr 1958 wurden die Tenne und die Kupferschmiede-Werkstatt zu einem Gasthaus für 60 Personen umgebaut.

50 Jahre lang hat das letzte Gastwirtsehepaar Ernst und Luise Sunke im Herzen der Burgmannsstadt die Kunden mit westfälischen Kostbarkeiten und gepflegten Getränken verwöhnt. „Es war eine schöne Zeit, manchmal auch stressig, wenn Familienfeiern bei uns stattfanden oder der TuS Germania im Lokalderby gegen Westfalia Leer gewonnen hatte“, blickt Luise Sunke zurück. Jetzt hat sie mehr Zeit, sich um die Kinder und die vier Enkelkinder zu kümmern.

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