Landbäckerei Elshoff reagiert auf die Bonpflicht
Kassenzettel auf dem Handy

Nordwalde -

Es soll eine Antwort auf die Zettelwirtschaft sein, die mit der neuen Bonpflicht drohen könnte: der E-Bon. Wer in den Filialen der Landbäckerei Elshoff seine Brötchen kauft, kann dafür nun einen elektronischen Kassenzettel erhalten.

Montag, 30.12.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 30.12.2019, 22:53 Uhr
Wer in der Landbäckerei Elshoff seine Brötchen kauft, kann nun einen elektronischen Kassenzettel dafür mitnehmen.
Wer in der Landbäckerei Elshoff seine Brötchen kauft, kann nun einen elektronischen Kassenzettel dafür mitnehmen. Foto: Vera Szybalski

Mathias Elshoff zückt das Handy, öffnet mit einem Fingerdruck die Kamera-App und hält sie vor das Display mit dem QR-Code. Es dauert ein paar Sekunden, die Internet-Verbindung muss mitspielen, dann erscheint auf dem Smartphone ein virtueller Kassenbon über seinen Brötchen-Einkauf. Den hat Mathias Elshoff in dem Moment nur zu Demonstrationszwecken getätigt. Der Geschäftsführer der Landbäckerei Elshoff will zeigen, wie seine Bäckereien auf die Bonpflicht reagieren, die zum Jahreswechsel in Kraft tritt: mit einem elektronischen Kassenzettel.

Ab 1. Januar müssen alle Einzelhändler einen Bon ausgeben, wenn sie ein elektronisches Kassensystem besitzen. Wenn der Kunde Brötchen kauft, muss der Bäcker ihm dafür einen Bon geben. Wer sich die Haare schneiden lässt, bekommt vom Friseur den Kassenzettel. Und auch vom Apotheker erhält der Käufer eine Quittung für seine Medikamente. Die Bonpflicht hatte bereits im Vorfeld für Unmut bei betroffenen Einzelhändlern gesorgt und stieß auch bei Kunden auf Kritik. Viele hadern mit der Menge an Müll, die dabei entsteht.

QR-Code scannen – schon ist der E-Bon auf dem Smartphone

„In Zeiten von Nachhaltigkeit, in denen Schüler auf die Straße gehen, um für ihre Zukunft zu demonstrieren, kann das ja nicht die richtige Lösung sein“, sagt Mathias Elshoff. Da erschien der Vorschlag eines Softwareanbieters zur rechten Zeit: „Der kam auf uns zu und sprach von einem E-Bon. Ich habe mir das dann erklären lassen, das ist sehr einfach“, sagt Elshoff.

Bei jedem Einkauf in einem Geschäft der Landbäckerei Elshoff erscheint nun auf dem Display an der Kasse, das den Kunden zugewandt ist, ein QR-Code. Wer diesen mit seinem Smartphone scannt, erhält einen E-Bon auf seinem Handy. Bei Bedarf kann dieser direkt per E-Mail versendet werden. Bei den neueren Smartphones ist das Scannen des QR-Codes per Kamera-App möglich, ein Barcode-Scanner wird dafür nicht benötigt.

Die meisten Kunden merken nichts

Wer kein Smartphone besitzt oder einfach lieber einen Papier-Kassenzettel haben möchte, bekommt diesen ausgedruckt. Ob elektronisch oder auf Papier – jeder kann, es muss allerdings niemand seinen Bon mitnehmen. „Bei circa 97 Prozent der Kunden verändert sich gar nichts“, sagt Elshoff. So hoch sei die Zahl der Käufer, die sich bislang keinen Bon beim Bäcker geben lassen. Die Zahl kommt vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Was sich für Verbraucher 2020 ändert

1/7
  • Weniger Mehrwertsteuer für Tampons und E-Books, dafür ein Klimaschutzaufschlag beim Fliegen und Kassenbonpflicht beim im Einzelhandel: Das Jahr 2020 bringt für Verbraucher viele Veränderungen. Ein Überblick:

    Foto: Paul Zinken
  • KASSENBONPFLICHT

    Ob in der Apotheke, beim Friseur, in Pommes-Buden oder Eisdielen: Überall gilt ab Januar 2020 Kassenbonpflicht. Wenn die Händler über elektronische Kassensysteme verfügen, dann müssen sie den Kunden bei jedem Kauf unaufgefordert einen Beleg aushändigen. Der Gesetzgeber will damit Steuerbetrug mit Mogelkassen einen Riegel vorschieben. Im Handel sorgte das für einen Aufschrei. Das Handelsforschungsinstitut EHI hat errechnet, dass durch die Bonpflicht mehr als zwei Millionen Kilometer zusätzliches Papier verbraucht werden dürften. Das entspreche pro Jahr rund 8500 Fichten, die zusätzlich gefällt werden müssen. Wichtig für die Verbraucher: Der Kunde muss den Beleg - im Gegensatz zu einigen anderen Ländern - nicht mitnehmen.

    Foto: Jens Kalaene
  • MEHRWERTSTEUER

    Für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in elektronischer Form werden ab Januar nur noch 7 statt bislang 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Bislang hatte der ermäßigte Mehrwertsteuer-Satz nur für Bücher in Papierform gegolten. In Zukunft soll es für Leser aber steuerlich keinen Unterschied mehr machen, ob sie Bücher auf Papier oder digital lesen, begründete das Finanzministerium den Schritt. Auch die Mehrwertsteuer für Hygieneprodukte wie Tampons oder Binden sinkt im neuen Jahr von 19 auf 7 Prozent. Der Steuersenkung war eine Petition mit dem Slogan „Die Periode ist kein Luxus“ vorangegangen. Viele Händler wie dm, Kaufland, Lidl und Edeka senkten die Preise die Menstruationsprodukte werbeträchtig schon im Dezember.

    Foto: Jan Woitas
  • REISEN

    Lange Bahnfahrten werden billiger, Flüge teurer. Die Mehrwertsteuer für Bahntickets auch im Fernverkehr soll 2020 von derzeit 19 auf 7 Prozent sinken. Die Bundesbahn hat angekündigt, die Reduzierung eins zu eins an die Kunden weitergeben zu wollen. Dadurch würden die Preise im Fernverkehr um rund 10 Prozent sinken. Im Gegenzug soll das Fliegen teurer werden.

    Die Luftverkehrssteuer soll dafür ab April 2020 deutlich steigen. Für Inlandsflüge und Flüge in der EU soll der Steuersatz von 7,50 Euro auf 13,03 Euro klettern, für Langstreckenflüge über 6000 Kilometer gar von 42,18 Euro auf 59,43 Euro. Mit der Neuregelung sollen nicht zuletzt Dumpingpreise bei Flugtickets verhindert werden. Heute seien Flüge oft billiger als die Bahnfahrt zum gleichen Ziel. Dies sei aus Klimaschutzgesichtspunkten falsch, erklärte die Bundesregierung. Die Verbraucherzentrale NRW wies aber darauf hin, dass abzuwarten bleibe, ob und wie viel dieser Aufschläge die Airlines an Fluggäste weitergeben. Gesetzlich dazu verpflichtet seien sie jedenfalls nicht.

    Foto: Lino Mirgeler
  • SOLDATEN

    Bundeswehr-Soldaten können ab Anfang Januar in Uniform alle Züge der Deutschen Bahn kostenfrei für dienstliche und private Fahrten nutzen. Das sieht eine Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und der Deutschen Bahn vor. Die Regelung gilt sowohl für den Fernverkehr als auch für die Regionalzüge der Bahn. Ziel sei es nicht zuletzt, die Bundeswehr im öffentlichen Leben präsenter zu machen, hieß es in der Politik.

    Foto: Oliver Dietze
  • LEBENSMITTELEINKAUF

    Beim Lebensmitteleinkauf auf die Gesundheit zu achten, soll im kommenden Jahr einfacher werden. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen Lebensmittelhersteller im Laufe des kommenden Jahres freiwillig ihre Produkte mit dem Nährwert-Logo Nutri-Score kennzeichnen können, der es den Verbrauchern erlaubt, „Dickmacher“ auf den ersten Blick zu erkennen. Der Nutri-Score signalisiert auf einer fünfstufigen Skala - vom grünen A bis zum roten E - wie das Produkt ernährungsphysiologisch einzuordnen ist.

    Erste Hersteller wie Iglo und Nestlé haben angekündigt, in Kürze Produkte mit Nutri-Score-Kennzeichnung in den Handel bringen zu wollen. Auch große deutsche Handelsketten wie Aldi, Lidl oder Rewe stehen mit ihren Eigenmarken in den Startlöchern. Der Verbraucherzentrale NRW geht die auf Freiwilligkeit beruhende deutsche Regelung aber nicht weit genug. Sie drängt auf ein einheitliches, europaweites Kennzeichnungssystem, das für alle Hersteller Pflicht ist.

    Foto: Patrick Pleul
  • DIGITAL-RADIO

    Das Digitalradio kommt: Ab dem 21. Dezember 2020 müssen Radios in Neuwagen den Empfang von DAB+ (Digital Audio Broadcasting) ermöglichen. Das haben Bundestag und Bundesrat beschlossen. Bislang ist auch in vielen neuzugelassen Autos nur ein analoges UKW-Radio vorhanden. Erst knapp 7 Millionen Autos in Deutschland sind mit DAB+ ausgestattet.

    Foto: B. Riedel/Auto-Reporter.net

Große Auswirkungen für die Kunden der Elshoff-Bäckereien dürfte die Bonpflicht deshalb nicht haben, vermutet der Geschäftsführer: „Die meisten Kunden merken gar nichts, man hat nur keinen Müll dadurch.“ Elshoff hat für alle neun Filialen in Nordwalde, Borghorst, Altenberge, Nienberge und Münster die zusätzliche Software angeschafft. Seit gestern ist sie in Betrieb.

E-Bons sind der richtige Weg

Die Bäckerinnung habe geschätzt, dass durch die Belegausgabepflicht pro Jahr fünf Milliarden Bons mehr ausgedruckt würden. „Unvorstellbar“ findet das Elshoff. Aus Umweltschutzgründen, aber der Geschäftsführer listet auch praktische Fragen auf: Was passiert zum Beispiel, wenn die Quittungsrolle aufgebraucht ist? Darf dann noch kassiert werden? Was geschieht, wenn die Rolle kaputt ist? Es könnten andere Fragen auftauchen. Mit denen nach aufgebrauchten Quittungsrollen muss sich Mathias Elshoff aber nicht mehr beschäftigen, den E-Bons sei Dank: „Wir sind der Überzeugung, dass das der richtige Weg ist."

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7162853?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker