Erfahrungen mit E-Automobilen
Unterwegs mit der Kraft der Sonne

Metelen -

Kraftfahrzeugen mit Elektroantrieb gehört die Zukunft. Darin ist sich der überwiegende Teil der Autoexperten einig. Bereits jetzt nutzen Metelener E-Mobile, etwa Josef und Inge Schlüter, die seit anderthalb Jahren einen BMW i3 fahren und der Pflegedienst Leusbrock, der einen Renault Zoe in seiner Flotte hat. Beide berichten über ihre Erfahrungen mit den Fahrzeugen und die Motivation für den Umstieg.  

Dienstag, 31.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 16:44 Uhr
Ökologische Kombination: Josef Schlüter lädt seinen BMW i3 in der heimischen Garage mit Solarstrom vom eigenen Dach. Eine Schuko-Steckdose genügt, um das Fahrzeug über Nacht wieder „vollzutanken“.
Ökologische Kombination: Josef Schlüter lädt seinen BMW i3 in der heimischen Garage mit Solarstrom vom eigenen Dach. Eine Schuko-Steckdose genügt, um das Fahrzeug über Nacht wieder „vollzutanken“. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Das morgen anbrechende neue Jahr wird geprägt sein durch ein sukzessives Verschwingen von Autos mit Verbrennungsmotoren bei den Händlern. Statt dessen werden mehr und mehr Elektrofahrzeuge in den Showrooms auf die Käufer warten – so die Prognosen von Autoexperten. Zwei Metelener, die sich längst auf den Weg gemacht haben, berichten von ihren Erfahrungen mit E-Autos im Alltag.

Josef Schlüter ist eigentlich ein Automobil-Experte der „alten Schule“. Als Seniorchef des gleichnamigen Autohauses im Steinfurter Ortsteil Burgsteinfurt kennt er sich mit Einspritzpumpen, Zylinderköpfen, Ventilspiel und ehedem auch mit den lästigen Verteilerkappen aus. Dies – und tausende weitere Teile – brauchten und brauchen Verbrennungsmotoren, die Autos durchaus kultiviert vorantreiben. Aber eben nicht zeitgemäß.

Schlüter hat dies schon vor längerer Zeit erkannt und seinen privaten Pkw herkömmlicher Bauart gegen ein Elektrofahrzeug des Typs BMW i3 getauscht. Seit anderthalb Jahren fahren er und seine Frau Inge den weißen Stromer aus bajuwarischer Produktion – und sind begeistert.

„Die Menschen reden alle von CO₂-Einsparung, aber es passiert nichts“, ärgerte sich Schlüter und entschloss sich, voranzugehen, um zu zeigen, dass auch im ganz persönlichen Alltag des Einzelnen durchaus Änderungen möglich sind.

Es sind vornehmlich Kurzstrecken, auf denen er und seine Frau unterwegs sind – und genau dies kalkulierte er beim Kauf des Fahrzeugs, das etwa 130 Kilometer Reichweite hat. Angst davor, liegenzubleiben, hat er dennoch nicht. „Der Wagen hat einen Reichweiten-Extender. Das ist ein kleiner Verbrennungsmotor, wie man ihn auch von Motorrollern kennt. Dieser liefert im Notfall die Energie, um die Batterie wieder zu laden.“

Doch diese „Krücke“ kommt kaum einmal zum tragen. Steht das Auto in der heimischen Garage, so lädt es mit einer Wallbox seine Energie aus einer ganz konventionellen Steckdose – und zwar Sonnenstrom. Der kommt „frisch“ vom Dach, produziert von einer Photovoltaikanlage. Knapp zwei Euro betragen die Energiekosten für 100 Kilometer Fahrt, rechnete Schülter aus. Muss er aufs öffentliche Netz zurückgreifen, sind es maximal 3,50 Euro. „Wichtig ist dabei, dass der Strom aus erneuerbaren Energien kommt“, legt der Auto-Fachmann dar, dass ein E-Mobil nur so umweltfreundlich sein kann wie der Strommix, der die Energie liefert.

Dass die E-Mobilität im Kfz-Bereich die Branche gehörig durcheinanderwirbeln wird, prophezeit der Metelener. „Da gibt´s nicht mehr viel zu reparieren“, stellte er auch bei seinem Auto fest. Selbst die Bremsen verschleißen langsamer – dank Rekuperation der Bremsenergie zurück in den Akku.

Schon seit drei Jahren ist Dagmar Kockmann mit einem elektrischen Renault Zoe unterwegs. Sie arbeitet als Teamleiterin des Pflegedienstes Leusbrock. Das Metelener Unternehmen hat rund 45 Fahrzeuge für die Mitarbeiter an seinen Standorten Metelen, Ochtrup und Neuenkirchen in Betrieb. Der kleine Franzose ist allerdings bisher das einzige Fahrzeug dieser Flotte. „Wir hätten gerne mehr, doch mangelt es an Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum“, nennt Philipp Leusbrock den wichtigsten Grund, warum der Zoe bisher ein Unikat ist.

Für einen Pflegedienst seien kleine Elektrofahrzeuge ideal, erläutert Leusbrock. Tagsüber seien die Autos unterwegs, maximal 50 Kilometer weit. Die Reichweite sei daher kein entscheidendes Thema. Und nachts parkten die Fahrzeuge zum Aufladen – wenn denn Ladesäulen vorhanden sind. Diese fordert er für den öffentlichen Raum.

Auch wirtschaftlich betrachtet rechneten sich Elektro-Pkw für das Unternehmen. Neben der staatlichen Förderung gebe es eine Branchenförderung auf Landesebene. Und die laufenden Kosten seien ebenfalls geringer als bei den Benzinern.

Dagmar Kockmann jedenfalls ist begeistert von dem kleinen Zoe: „Der hatte noch nie Probleme und einen wunderbaren Anzug“, beschreibt sie das Fahrzeug, das sie im Dienst ausschließlich fährt. Nur alle zwei, drei Tage stöpselt sie den Renault an eine eigens verlegte Wallbox neben dem Büro des Pflegedienstes in Ochtrup für eine Nacht ans Netz an.

Gäbe es mehr davon, das lässt Philipp Leusbrock durchblicken, würden längst mehr der emissionsfreien Kleinwagen in der Region unterwegs sein.

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