Landwirte entzünden Mahnfeuer an B 235
Bauern setzen unübersehbares Zeichen

Senden -

Sie fordern einen respektvollen Umgang und Bedingungen, unter denen sie marktgerecht wirtschaften und ihre Familienbetriebe erhalten können: Einige Sendener Landwirte schlossen sich einem weiteren Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung an und entzündeten ein Mahnfeuer auf einem Acker.

Mittwoch, 11.12.2019, 18:20 Uhr
Mahnfeuer und Trecker auf dem Acker: Einige Landwirte in Senden schlossen sich der bundesweiten Aktion der Initiative „Land schafft Verbindung“ an.
Mahnfeuer und Trecker auf dem Acker: Einige Landwirte in Senden schlossen sich der bundesweiten Aktion der Initiative „Land schafft Verbindung“ an. Foto: di

Die Blechlawine auf der Bundesstraße rollt nur langsam voran. Die Landwirte, die auf der Fläche zwischen Huxburg und dem Abzweig zum Palettenwerk Winkelheide ein unübersehbares Zeichen setzen wollen, haben Standort und Uhrzeit bewusst gewählt. Mit einsetzender Dämmerung und passend zum Feierabendverkehr zündeten sie am Dienstag ein Mahnfeuer an.

Es war Bestandteil einer bundesweiten Aktion mit dem selbst gewählten Namen „Deutschland in Flammen“. Angestoßen wurde sie von der Initiative „Land schafft Verbindung“, die landauf und landab zu Demonstrationen und symbolträchtigen Aktionen aufruft.

Verlagerung verschlechtert die Bedingungen

Ums wilde Zündeln geht es den Bauern aus Senden aber nicht. Doch auch sie sehen es als geboten an, ein deutliches Zeichen zu setzen. „Wir müssen auf unsere Situation aufmerksam machen“, lautet die Devise der beteiligten Landwirte. Sie protestieren gegen das Agrarpaket der Bundesregierung, das den Bauern noch strengere Auflagen, beispielsweise beim Düngen und Insektenschutz, auferlegt. Bei aller generellen Aufgeschlossenheit gegenüber diesen Themen fordern die am Mahnfeuer versammelten Landwirte, dass „die Bedingungen, unter denen wir produzieren, wettbewerbsfähig bleiben“.

Die Bevölkerung steht hinter uns.

Sebastian Ermann über die Wertschätzung, die die Landwirte in Senden erfahren

Die Branche befinde sich am Scheideweg: Jeder zweite Vollerwerbshof stehe davor aufzugeben, wenn die politischen Beschlüsse mit voller Wucht kommen. Eine generelle Quote, die auf die landwirtschaftlichen Betriebe in Senden allerdings nicht übertragen werden könne. Gleichwohl gelte auch hier, dass die verschärften Bestimmungen zu einem Verdrängungswettbewerb führen. „Die Produktion, die bei uns aufgegeben wird, wird woanders zu schlechteren Bedingungen aufgebaut“, betonte Josef Schulze Mönking gegenüber den WN. Wenn sich Kapazitäten beispielsweise nach Osteuropa verlagern, werde es dort zu Abstrichen beim Umweltschutz, beim Tierwohl und den sozialen Standards für die Beschäftigten kommen.

Respekt und realistische Wahrnehmung angemahnt

Die Bereitschaft der Bauern, beteuerte Bernd Aundrup, auf Forderungen der Politik und Wünsche der Verbraucher einzugehen, sei vorhanden. Ein Ausgleich über den Preis sei aber auf dem Markt in der Regel nicht durchzusetzen.

Die Landwirte pochen darauf, dass ihre Arbeit realistisch wahrgenommen wird – „Politik wird in der Stadt gemacht“ – und sie selbst fair behandelt werden, statt als Watschenmann zu dienen.

Was aber nicht für Senden gilt. „Die Bevölkerung steht hinter uns“, fasst Sebastian Ermann seinen Eindruck zusammen. Das häufige Hupen der Autos auf der Bundesstraße könnte dies unterstreichen. „Die Leute zeigen ihre Sympathie für unsere Aktion“, deutet Aundrup die akustischen Signale.

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