Förderkreis Alte Synagoge zu Gesprächen im Düsseldorfer Landtag
„Auschwitz der westfälischen Juden“

Epe -

Eine Abordnung des „Förderkreises Alte Synagoge Epe“ hatte sich im Düsseldorfer Landtag zu mehreren Informationsgesprächen verabredet. Der gebürtige Eperaner Dr. Helmut Loos, der seit Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Landtag tätig ist, hatte dazu eingeladen.

Mittwoch, 11.12.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 18:54 Uhr
Die Delegation aus Epe mit dem israelischen Botschafter Jeremy Issacharoff (4.v.l.), der Künstlerin Elena Wohlreich (5.v.l.) und dem „Bracuhtums-Manager“ Walter Schuhen (3.v.l.) im Düsseldorfer Landtag.
Die Delegation aus Epe mit dem israelischen Botschafter Jeremy Issacharoff (4.v.l.), der Künstlerin Elena Wohlreich (5.v.l.) und dem „Bracuhtums-Manager“ Walter Schuhen (3.v.l.) im Düsseldorfer Landtag. Foto: Norbert Diekmann

Der erste Eindruck im Landtag: Heute ist hier richtig Trubel, obwohl keine Plenarsitzung auf dem Programm stand. Die einfache Erklärung: Weit über 200 Schülerinnen und Schüler aus ganz NRW waren zu einem Projekttag unter dem Titel „Israel anders kennenlernen“ nach Düsseldorf gekommen.

Nach einem kurzen Rundgang durch das Landtagsgebäude drehten sich die Gespräche vor allem um das Thema „Ghetto Riga“. Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass das dortige Ghetto nicht zu Unrecht die Bezeichnung „das Auschwitz der westfälischen Juden“ erhalten hat. Während zahlreiche jüdische Eperaner und Gronauer, denen zunächst die Flucht in die Niederlande geglückt war, nach der Besetzung durch die deutschen Truppen über das KZ Westerbork in die Vernichtungslager Sobibor und Auschwitz gebracht und dort ermordet wurden, wurden die letzten in ihrer Heimat verbliebenen jüdischen Gronauer oder Eperaner nach Riga deportiert. Nur einzelne haben diese Transporte überlebt, von den Gronauern oder Eperanern niemand.

Der Förderkreis hat sich vorgenommen, Riga zu einem weiteren Schwerpunkt der Arbeit zu machen. Geplant ist eine Informationsveranstaltung mit dem früheren Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei, der sich seit Jahrzehnten im Riga-Komitee engagiert. Der Freundeskreis wird ebenfalls im kommenden Jahr eine Riga-Reise durchführen, für die sich Interessenten beim Vorstand melden können.

Neben den Diskussionen über die geplanten Riga-Aktivitäten hatte Loos örtliche Gesprächspartner eingeladen. Die Architektin und Künstlerin Elena Wohlreich, Mitarbeiterin der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, berichtete anschaulich und eindrucksvoll von ihren kreativen Projekten, die sie anhand von Beispielen aus ihrem zeichnerischen Schaffen erläuterte.

Walter Schuhen, „bekennender römischer Katholik“, wie er sich selbst charakterisiert, darf sich mit dem Titel „Brauchtums-Manager der jüdischen Gemeinde Düsseldorf“ schmücken. Ein Düsseldorfer Brauchtums-Manager hat natürlich mit Karneval zu tun. Nachdem die jüdische Gemeinde beim Karnevalsumzug 2018 Heinrich Heine als jüdischen Düsseldorfer gewürdigt hatte, hat sie gemeinsam mit den christlichen Kirchen und dem Zusammenschluss islamischer Gemeinden 2019 erstmals mit einem „Tolleranzwagen“ (so schreiben Tollitäten Toleranz) gegen Antisemitismus und Diskriminierung teilgenommen. Eine vorbildliche Aktion und zur Nachahmung empfohlen, war aus der Gronauer Delegation zu hören.

Am Rande der Schülerveranstaltung überreichte Rudolf Nacke dem israelischen Botschafter Jeremy Issacharoff, der gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Armin Laschet die Schirmherrschaft für die Schülerveranstaltung übernommen hatte, für den Förderkreis Alte Synagoge ein Exemplar der druckfrischen Stolperstein-Broschüre.

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