Tarifkonflikt bei der Eurobahn
Streik führt zu Zugausfällen im Münsterland

Münster -

Ein einzelner streikender Lokführer hat am Montagmorgen acht Zugfahrten zwischen Münster und Bielefeld ausfallen lassen. Das hat eine Sprecherin der Eurobahn erklärt. Ansonsten habe der Streik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) den Bahnverkehr im Münsterland relativ wenig gestört. Das kann sich aber in den kommenden Tagen ändern.

Montag, 09.12.2019, 13:15 Uhr aktualisiert: 10.12.2019, 08:41 Uhr
Tarifkonflikt bei der Eurobahn: Streik führt zu Zugausfällen im Münsterland
In der Eurobahn-Werkstatt in Hamm-Heessen wurde in der Nacht zu Montag die Arbeit niedergelegt. Foto: Gunnar A. Pier (Archiv)

Aktualisierung: Am Dienstagmorgen sind die Streikauswirkungen im Münsterland noch sehr überschaubar. Lediglich um 5.30 Uhr meldete die Eurobahn einen Zugausfall von Warendorf in Richtung Bielefeld. 

Wenn Sie den folgenden Twitter Beitrag ansehen möchten, aktivieren Sie diesen bitte über den Button. Mit der Aktivierung des Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden, dass Daten an Twitter übermittelt werden.

Ursprungsbericht: Die Kunden der Eurobahn haben am Montagmorgen die ersten Folgen des Tarifstreits zwischen Lokführern der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und dem Eurobahnbetreiber Keolis zu spüren bekommen. Zwischen Münster und Bielefeld fielen am frühen Morgen acht Züge aus. Grund: ein EVG-Lokführer, der in den Streik getreten ist. Laut Eurobahn streiken von ihren 480 Lokführern neun, die in der EVG organisiert sind.

Im Münsterland fahren Eurobahn-Züge von Münster nach Bielefeld, nach Osnabrück, nach Rheine und über Hamm nach Paderborn. Drei Busse waren laut Eurobahn im Einsatz, um die Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen. Betroffen waren alle Linien, auf denen EVG-Lokführer Dienst hatten. Das waren am Montag auch Züge von Lemgo, von Horn-Bad Meinberg und von Rahden nach Bielefeld.

Am Vormittag hat sich die Situation auf der Linie zwischen Münster und Bielefeld wieder entspannt. Nicole Pizzuti, Sprecherin der Eurobahn, berichtete nur noch von „Kapazitätsabweichungen“, also kürzeren Zügen. Außerdem ist um 12.45 Uhr ein Zug ausgefallen. Weitere Ausfälle drohten. Schwerpunkt des Streiks ist eine Werkstatt der Eurobahn in Hamm-Heessen, wo Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt haben. Deswegen fallen nicht sofort mehrere Züge aus. Allerdings hat die Eurobahn deswegen kürzere Züge auf die Reise geschickt.

Kunden der Eurobahn müssen sich auch am Dienstag auf Zugausfälle einstellen. Die EVG will ihren Streik in NRW fortsetzen. Die Beschäftigten des Eurobahn-Betreibers Keolis hatten sich vergangene Woche in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. Auch Pizzuti geht davon aus, dass „der Streik noch weiter Fahrt aufnehmen kann“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung.

Sollte der Streik in der Werkstatt in Hamm noch länger dauern, würde sich das auf den Bahnverkehr in den nächsten zwei oder drei Tagen auswirken. Züge müssen alle sechs Wochen gewartet werden. Zusätzlich kann das beginnende Winterwetter für Arbeit in der Werkstatt sorgen. Durch Regen und Blätter auf den Gleisen kommen Züge öfter ins Rutschen. Dadurch können die Räder an einigen Stellen abgeflacht werden, die wieder ausgeglichen werden müssen. „Das ist nicht dramatisch und kostet nicht viel Zeit, kann aber zum Problem werden, wenn in der Werkstatt niemand arbeitet“, sagt Pizzuti. „Nach zwei, drei Tagen kann es passieren, dass die Kapazität ganz eng wird.“

Die Positionen

Das fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG):

Ihre Mitglieder, die bei Keolis/Eurobahn arbeiten, sollen 7,5 Prozent mehr Geld, einschließlich mehr vom EVG-Wahlmodell, die Einführung eines Zeitguthabenkontos sowie die Erhöhung der arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge bekommen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Gewerkschaft hervor. Zudem müsse der Tarifvertrag wieder in Kraft gesetzt werden, der den Mitgliedern der EVG die Inanspruchnahme von Leistungen des Fonds soziale Sicherung ermöglicht. Dazu gehört unter anderem ein besonderer Unfallschutz, die Förderung von Bildungsmaßnahmen oder die Teilnahme an einer Gesundheitswoche. „Dieser Tarifvertrag war von Keolis/Eurobahn gekündigt worden, was eine zusätzliche Schärfe in die Tarifauseinandersetzung gebracht hatte“, heißt es in der Stellungnahme der EVG

Die Position von Keolis/Eurobahn:

„Keolis Deutschland hat bereits 2018 das Wahlmodell mit bis zu 36 Tagen Jahresurlaub eingeführt.“ Trotzdem fordere die EVG ein weiteres Modell mit bis zu 42 Tagen Jahresurlaub, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Der mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) abgeschlossene Tarifvertrag im April dieses Jahres sei für alle Gewerkschaftsmitglieder (EVG und GDL) sowie nicht gewerkschaftlich zugehörige Mitarbeiter gültig und finde Anwendung. Insgesamt wurden in 2019 Einmalzahlungen in Gesamthöhe von 500 Euro gezahlt und eine Tariferhöhung von 5,2 Prozent über zwei Jahre vorgenommen. Darüber hinaus werde zum 1. Januar 2020 die betriebliche Altersvorsorge auf 1,25 Prozent  und ab dem 1. Januar 2021 auf 1,5 Prozent erhöht; weiterhin würden alle Zulagen deutlich nach oben angepasst. Zusätzlich hat Keolis der EVG angeboten, ein Langzeitkonto für seine Mitarbeiter einzuführen. Die Fronten sind weiter verhärtet, da die EVG eine Tariferhöhung von 7,5 Prozent sowie die Einführung von bis zu 42 Tagen Jahresurlaub fordert.  

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7120070?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker