Afrikanische Schweinepest
Virus rückt an die deutsche Grenze

Münster -

Die Furcht vor dem Seuchenalarm wächst von Stunde zu Stunde: 42 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt wurde am Mittwoch in Polen ein Wildschwein entdeckt, das nachweislich mit dem Afrikanischen Schweinepest-Virus (ASP) infiziert war. Damit wächst die Gefahr, dass in kürzester Zeit das für Schweine hoch­ansteckende Virus auch in Deutschland nachgewiesen wird. In Polen breitet sich die Tierseuche weiter aus. 

Donnerstag, 05.12.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 07:10 Uhr
Tierarzt Norbert Bialek vom Veterinäramt Bautzen bringt an einem Elektro-Wildabwehrzaun am Waldrand ein Warnschild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen Kerngebiet" an.
Tierarzt Norbert Bialek vom Veterinäramt Bautzen bringt an einem Elektro-Wildabwehrzaun am Waldrand ein Warnschild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen Kerngebiet" an. Foto: Ronald Bonss/dpa-Zentralbild/dpa

In Sachsen, dem Saarland und Brandenburg bereiten sich die Behörden zurzeit mit Großübungen auf die Gefahr vor. „Wir spielen das gesamte Szenario durch“, sagt ein Sprecher des sächsischenLandwirtschaftsministeriums.Gefahr droht auch aus dem Westen: Die Behörden in NRW beobachten aufmerksam die Lage in Belgien. Dort war vor einem Jahr das für Menschen ungefährliche Virus an zwei Wildschweinen entdeckt worden. Hinter vorgehaltener Hand geht man davon aus, dass sowohl in Polen als auch in Belgien die Lage nicht unter Kontrolle ist.

Sollte die ASP tatsächlich in Deutschland nachgewiesen werden, droht der deutschen Schweinezucht eine Katastrophe. „Wir müssen davon ausgehen, dass dann viele Länder einen Importstopp für deutsche Schweine verhängen“, sagt ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Das hätte enorme wirtschaftliche Folgen für Hunderte Betriebe gerade im Münsterland. Auch Schlachtbetriebe würden ihre Kapazitäten ex­trem zurückfahren müssen.

In China und angrenzenden Ländern wie Thailand und Vietnam hat die ASP bereits dafür gesorgt, dass Millionen Hausschweine getötet werden mussten. Die Regierung in Peking versucht zurzeit, die Tierseuche in den Griff zu bekommen – mit geringem Erfolg. Konsequenz: Um die heimischen Ver­braucher mit Schweinefleisch zu versorgen, kaufen chinesische Händler weltweit Fleisch auf. Dadurch steigen die Preise auch in Deutschland an. „Sollte der Exportstopp kommen, rauschen die Preise gleich tief in den Keller“, sagt ein Landwirtschaftskenner.

Kommentar: Bereit für die Lücke

Was haben der Hinterhof eines bäuerlichen Kleinbetriebs in der südchinesischen Provinz und die Zukunft der Tiermast im Münsterland miteinander zu tun? In Zeiten der Globalisierung sehr viel. Nach dem fast unkontrollierten Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest in Asien und dem bedrohlichen Näherrücken des Virus in Westpolen steht die deutsche Tierzucht vor einer existenziellen Herausforderung.

Ein ASP-Fall in Deutschland würde wohl unabhängig davon, ob das Tier in Sachsen oder Borken gefunden wurde, zu einem Exportstopp für Schweinefleisch aus deutscher Produktion führen. Firmen mit landwirtschaftlicher Expertise in den USA, in Südamerika oder Südeuropa warten aber nur darauf, bei der Produktion und der Vermarktung von Fleisch in die Lücke zu springen.

Mit dem buchstäblichen Hunger nach Fleisch lässt sich angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung gutes Geld verdienen. Noch besteht Hoffnung – und Zeit, in der alle Beteiligten alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um einen Seuchen-Ausbruch in Deutschland zu verhindern. | Von Frank Polke

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