Keine Gemeinnützigkeit für reine Männervereine
Scholz-Idee lässt Steinfurter kalt

Steinfurt -

Der Vorstoß von Bundesfinanzminister Olaf Scholz lässt die männliche Steinfurter Vereinswelt kalt. Bei den Schützen und Sängern – die beiden klassischen Gruppen, in denen auf den ersten Blick die Männer tonangebend sind – würde ein geändertes Gemeinnützigkeitsrecht keine finanziellen Auswirkungen haben. 

Mittwoch, 20.11.2019, 20:00 Uhr
Das Schützenwesen ist traditionell stark von Männern bestimmt. Allerdings sind in vielen Steinfurter Vereinen Frauen mittlerweile willkommen, wie Florian Kleymann für die Patrioten erklärt. Helmut Tegethoff vom MGV zählt ebenfalls zahlreiche weibliche Mitglieder, die allerdings inaktiv sind.
Das Schützenwesen ist traditionell stark von Männern bestimmt. Allerdings sind in vielen Steinfurter Vereinen Frauen mittlerweile willkommen, wie Florian Kleymann für die Patrioten erklärt. Helmut Tegethoff vom MGV zählt ebenfalls zahlreiche weibliche Mitglieder, die allerdings inaktiv sind. Foto: ka

Und das aus zwei Gründen: Entweder sind Frauen als Mitglieder zugelassen. Oder die betroffenen Vereine habe keine anerkannte Gemeinnützigkeit. Zur Erinnerung: Scholz hatte in einem Zeitungsinterview angekündigt, Vereinen die Gemeinnützigkeit und damit die Steuervorteile abzuerkennen, die nur Männer als Mitglieder zulassen.

Florian Kleymann als Vorsitzender der Patrioten kann über das Vorhaben aus Berlin nur schmunzeln. „Wir schauen einer Gesetzesänderung gelassen entgegen. Die Patrioten haben nämlich als einer der ersten Schützenvereine im Kreis Steinfurt Frauen als Mitglieder zugelassen.“ Von den derzeit 536 Mitgliedern seien 81 Frauen. „Das entspricht einer Quote von 15,1 Prozent.“ Die ersten weiblichen Mitglieder seien unlängst schon für ihre 25-jährige Mitgliedschaft geehrt worden. Allerdings sind die Damen bislang noch nicht zu 100 Prozent gleichberechtigt. Vorstandsarbeit – kein Problem. Der Königsschuss ist allerdings derzeit noch dem vermeintlich starken Geschlecht vorbehalten. Florian Kleymann ist sich aber sicher: „Auch das wird in absehbarer Zeit kippen.“

Bei den Prinzen in Borghorst sind die Frauen seit 2015 als Mitglieder willkommen. Mit allen Rechten und Pflichten. Vorsitzender Kai Laukemper: „Darum hätte die Gesetzesänderung des Herrn Scholz für uns auch keine Auswirkungen.“ Damen unter der Vogelstange? Für Laukemper kein Problem: „Schon vor 300 Jahren hat sich bei Prinzen und Bürgern eine Stiftsdame zur Königin geschossen. Dann soll das heute doch wohl erst Recht funktionieren.“

Wie Eike Flintermann als Vorsitzender der Sellen-Veltrupern geht es einigen anderen Schützenvereinen in Steinfurt: „Wir haben vor vier Jahren unsere Gemeinnützigkeit verloren.“ Allerdings aus rein finanziellen Gründen. Vom Prinzip her, so Flintermann, können auch bei den Sellen-Veltrupern Frauen Mitglied werden. „Bislang haben wir aber nur eine Handvoll.“

In großer Runde haben die Borghorster Schützen über die Problematik noch nicht diskutiert, wie Vereinigten-Präsident Matthias Heerdt betont. „Da habe ich noch nichts gehört.“

Auch Wolfgang Neupert als Vorsitzender des Burgsteinfurter Männerchors Frohsinn macht sich über das Thema Steuern keinen Kopf. „Wir haben nämlich keine Gemeinnützigkeit.“ Ihn drücken, wie viele seiner Kollegen, ganz andere Probleme. „Uns fehlen junge Mitglieder.“

Beim MGV Borghorst ist man ähnlich gelassen. Prinzipiell hält Vorsitzender Helmut Tegethoff die Idee des Bundesfinanzministers für „einen Schnellschuss“, mit dem die Ehrenamtlichen in der Republik vor den Kopf gestoßen werden. Beim MGV sind aber Frauen willkommen. Nicht als Sängerinnen, aber als inaktive Mitglieder. Davon gibt es auch schon eine ganze Reihe, wie Tegethoff betont. Sollte der Verein unter diesen Voraussetzungen die        Gemeinnützigkeit verlieren, Tegethoff könnte damit leben. „Dann müssten wir allerdings unsere Spendengelder versteuern, sonst würde sich nicht viel ändern.“

In dem Zeitungsinterview hatte Olaf Scholz gesagt, dass Vereine, die Frauen ausschließen, keine Steuervorteile und Spendenquittungen ausstellen sollten. „Die sind aus meiner Sicht nicht gemeinnützig.“

Der Koalitionspartner CDU sieht das übrigens ganz anders. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, hält das Vorhaben für einen Angriff auf Ehrenamt und Freiheit. Er fragt auf Twitter: „Haben wir denn keine anderen Sorgen, als denen, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren, Knüppel in den Weg zu legen?“

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