Mitgliederschwund und sinkende Steuer-Einnahmen
Bistum Münster muss kräftig sparen

Münster -

Weniger Mitglieder, deutlich sinkende Einnahmen, von ei­­ner schwindenden Akzeptanz ganz abgesehen: Die Zukunft der christlichen Kirchen sieht eher mausgrau als strahlend hell aus. Für das Bistum Münster bedeutet das: Sparen und zugleich die eigenen Qualitäten herausstellen. Ein bisschen wirkt das wie die Qua­dratur des Kreises. 

Dienstag, 29.10.2019, 18:40 Uhr aktualisiert: 29.10.2019, 18:43 Uhr
Dom, Überwasserkirche und die Apostelkirche in Münster.
Dom, Überwasserkirche und die Apostelkirche in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Ab November will das Bischöfliche Generalvikari­at Farbe bekennen: Dann entscheidet die Bistumsspitze, wie es künftig weitergeht. „Was sind unsere Prioritäten, was fällt hinten rüber“, umschrieb Ulrich Hörsting von der Hauptabteilung Verwaltung das am Dienstag. Die Luft, soviel steht fest, wird dünner.

Wirtschaftlich gesehen war das Bistum lange Zeit gut aufgestellt. Die Steuerquellen sprudelten, das gab ökonomisch Sicherheit. Diese Zeiten sind auf Sicht vorbei. Bis 2060 wird die Zahl der Katholiken im Bistum von derzeit 1,6 Millionen um knapp 50 Prozent sinken. Neben Austritten und zurückgehenden Taufzahlen spielt hier die Demografie eine wesentliche Rolle: Der Kirche sterben die Mitglieder weg.

Trübe Aussichten

Nominal sinken die Steuer-Einnahmendes Bistums (2019 rund 460 Millionen Euro) in den kommenden 40 Jahren nur um 26 Millionen Euro, das entspricht einem Minus von rund sechs Prozent. Real allerdings, sprich unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Inflation, bedeutet das im Vergleich zu heute einen Kaufkraftverlust von über 50 Prozent. Eher trübe Aussichten also.

Und die Behauptung, die Kirche sei doch per se steinreich – und solle sich ob der zurückgehenden Steuereinnahmen nicht so anstellen, ist falsch. Zieht man die staatlichen Zuschüsse für die katholischen Schulen ab, speisen sich die Erträge des Bistums in diesem Jahr zu 85,8 Prozent aus den Steuereinnahmen, die – interessant am Rand – zu drei Vierteln von 13 Prozent der einkommensstärkeren Mitglieder gezahlt werden.

Was aufgeben? Sich worauf konzentrieren? Die Suche nach Sparpotenzialen wird ein schwieriger und schmerzhafter Prozess. Weil jede Einrichtung, jedes Gotteshaus, jeder Dienst seinen Wert hat, seinen Sinn und seine Geschichte. „Wir werden auf jeden Fall loslassen müssen“, sagt Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg. Zumal, so Hörsting, „wir noch in vielen Bereichen komfortabel aufgestellt sind“.

Keine leichte Aufgabe

Stattliche 50 Prozent allerdeutschen Familienbildungsstättenbefinden sich im münsterischen Bistum, die Zahl der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen ist so hoch wie die der Kirchengebäude, die längst nicht mehr alle gebraucht werden.

Fest steht: Das Sparpaket muss zügig geschnürt werden. Im Haushalt 2019/2020 rechnet Ulrich Hörsting noch mit ei­nem Plus von zehn Millionen Euro. Der Scheitelpunkt wird vermutlich mit dem Haushalt 2021/2022 erreicht sein, also schon sehr bald. Um den Etat ab dann auszugleichen, müsste das Bischöfliche Generalvikariat entweder die Rücklagen anzapfen oder be­reits einem Sparplan folgen können.

Im Bistum Münster fließen 56 Prozent der Steuereinnahmen in die Gemeinden. Die den Gürtel entsprechend enger schnallen – und darüber kräftig murren werden. Sparen wird das Bistum aber nicht nur in den Gemeinden, sondern auch in der Zentrale, im Bischöflichen Generalvikariat – „auch aus Gründen der Glaubwürdigkeit“, so Hörsting.

Das Angebot zurückfahren, sich vielleicht von Aufgaben trennen – und wenn möglich nicht auch noch dadurch Mitglieder verprellen. Keine leichte Aufgabe, vor der das Bistum steht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7031273?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Die aktuellen Nachrichten zur Corona-Entwicklung im Münsterland
Liveticker: Die aktuellen Nachrichten zur Corona-Entwicklung im Münsterland
Nachrichten-Ticker