Landwirte-Protest gegen Argarpaket
Traktoren-Konvoi legt Verkehr in Münster lahm

Münsterland/Bonn -

Erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen prägten am Dienstagmorgen in NRW den Berufsverkehr, als kilometerlange Trecker-Konvois zu Bauern-Demonstrationen unterwegs waren. In Münster sorgten die Landwirte mit rund 950 Fahrzeugen für ein zwischenzeitliches Verkehrschaos.

Dienstag, 22.10.2019, 09:30 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 16:40 Uhr
Landwirte-Protest gegen Argarpaket: Traktoren-Konvoi legt Verkehr in Münster lahm
Um kurz nach 11 Uhr setzte sich der Trecker-Konvoi in Münster in Bewegung. Foto: Oliver Werner

Treffpunkt der Landwirte in Münster war an der Corrensstraße im Norden der Stadt. Dort hatten die Trecker Aufstellung genommen. Um kurz nach 11 Uhr setzte sich der Konvoi in Richtung Innenstadt mit einem Hupkonzert in Bewegung. 

Die Polizei hatte die Landwirte zwar dazu angehalten, bei der Fahrt nur eine Spur auf der Demo-Strecke zu nutzen, damit parallel der laufende Verkehr nicht zu stark eingeschränkt wird - doch dieses Vorhaben war zum Teil nur schwer umzusetzen. Denn kurz nach Abfahrt des Konvois war beispielsweise auf dem Ring in Höhe der Feuerwehrwache Stillstand angesagt - auch Linienbusse waren hiervon betroffen.

Mehr als 950 Trecker

Eine Frau, die vergeblich rund 50 Minuten auf ihren Bus zur Fahrt zu ihrer Arbeitsstelle gewartet hatte, zeigte zwar Verständnis für den Protest der Landwirte - kritisierte aber zugleich die Stadtwerke Münster. Sie bemängelte, dass Bus-Fahrgäste im Vorfeld nicht ausreichend genug über die Verkehrssituation und die damit verbundenen beeinträchtigten Bus-Fahrverbindungen informiert worden seien.

Stadtwerke-Sprecher Florian Adler bat auf Anfrage unserer Zeitung um Verständnis für die Verspätungen. Die Stadtwerke versuchten über die digitalen Anzeigen an den Haltestellen und im Internet so gut es geht zu informieren. Die Verspätungen der Linienbusse betragen zwischen 20 und 90 Minuten, so Adler. "Das ist schon ungewöhnlich und der Art selten", kommentierte Adler das Verkehrschaos. Bis die Busse wieder im Takt fahren, könne es auch nach Ende der Demonstration noch einige Stunden dauern.

Brenzlige Situationen

Laut Polizeisprecher Andreas Bode sind "mehr als 950 Trecker in Münster unterwegs". Während die ersten Teilnehmer per Korso bereits auf einer Spur unterwegs waren, standen noch auf der Gegenfahrbahn Landwirte, die sich noch in den Konvoi einreihen werden. Die geplante Strecke für den Demo-Zug ist 9,5 Kilometer lang. 

Im Norden der Stadt kam auf Hauptverkehrsadern der Verkehr zum Erliegen. An Ampelkreuzungen, an denen die Polizei nicht vor Ort war, um den Verkehr zu regeln, kam es zu brenzligen Situationen mit Treckern und dem Pkw-Verkehr.

Die ersten Fahrzeuge erreichten den Startplatz an der Corrensstraße bereits, bevor die letzten Fahrzeuge überhaupt zur Rundfahrt starten konnten. Veranstalter Hendrik Meier gehörte zu den ersten, die um kurz nach 12 Uhr mit ihrem Traktor zurück an der Corrensstraße waren. "Ich hoffe die Leute sind nicht zu frustriert, dass wir den Verkehr blockiert haben, aber das war Sinn der Sache, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen", sagte Meier. Es könne nicht länger sein, dass den Landwirten von der Politik ständig neue Auflagen aufgebürdet werden und Bauern als Buhmänner in der Klimaschutzdebatte da stünden, so Meier. 

Trecker-Konvoi: Landwirte-Protest in Münster

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  • Die Demonstration der Landwirte ist Teil einer bundesweiten Aktion, für die sich die Protestler über soziale Netzwerke zusammengeschlossen haben. 

    Foto: Oliver Werner
  • Die Veranstalter planten die Protestaktion ausdrücklich ohne die Verbände wie den Westfälisch-Lippischen Bauernverband.

    Foto: Oliver Werner
  • Protestiert wird gegen die Agrarpläne der Bundesregierung. 

    Foto: Oliver Werner
  • In Münster hatten sich rund 400 Trecker für den Konvoi versammelt.

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  • Teilnehmer aus Ascheberg, Nordkirchen, Lüdinghausen, Rinkerode und Herbern sowie aus dem West-Münsterland waren nach Münster gekommen. 

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  • Es folgen weitere Impressionen von der Fahrt des Trecker-Korsos durch die Stadt...

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  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt

In Marbeck im Kreis Borken haben sich laut Angabe der Polizei am Dienstagmorgen 400 Traktoren zusammengefunden, die zur Demonstration nach Bonn fahren. Ab Ascheberg starteten 85 Trecker mit örtlichen Teilnehmern sowie aus Nordkirchen, Lüdinghausen, Rinkerode und Herbern nach Münster.

Gestoppt wurde am Morgen auf der alten B54 zwischen Nienberge und Altenberge zunächst ein Konvoi mit Teilnehmern aus dem West-Münsterland von der Polizei. Die Trecker durften vorübergehend noch nicht weiterfahren, die Fahrbahn war in diesem Bereich zwischenzeitlich dicht.

Die Veranstalter planen die Protestaktion ausdrücklich ohne die Verbände wie den Westfälisch-Lippischen Bauernverband, wie dessen Sprecher Hans-Heinrich Berghorn gegenüber unserer Zeitung berichtet. Die Demo ist Teil einer bundesweiten Aktion, für die sich die Protestler über soziale Netzwerke zusammengeschlossen haben. Die größte Veranstaltung ist für Bonn geplant.

Nach Berghorns Worten wehren sich die Demonstranten vor allem gegen die geplante Verschärfung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Damit sollen Insekten geschützt werden. Die Betroffenheit der Bauern sei zwar noch unklar, die Formulierungen des Agrarpakets ließen aber laut Berghorn „Böses erahnen“.

Start zur Bauerndemo in Ascheberg

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Trecker-Konvois in NRW

„Der westliche Konvoi der #TraktorDemo ist circa 10 km lang, der östliche circa 6 km! Insgesamt sind etwa 1000 Fahrzeuge unterwegs nach #Bonn“, teilte die Polizei Münster als zuständige Versammlungs- und Einsatzbehörde für NRW am frühen Morgen bei Twitter mit. Fortlaufend schließen sich demnach weitere Traktoren auf der Strecke an.

Auch weitere zahlreiche örtliche Polizei-Stationen berichteten von Verkehrsbehinderungen durch Trecker-Konvois, etwa die Polizei in Duisburg, die von 140 Traktoren sprach. Die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis erwartete am Morgen „erhebliche“ Verkehrsbeeinträchtigungen in Hennef. Andere Verkehrsteilnehmer sollten die Innenstadt meiden, so die Beamten. Im Märkischen Kreis begleitete die Polizei in der Nacht mehr als 230 Traktoren, die auf dem Weg nach Bonn waren, berichteten die Beamten am Morgen. Das sei störungsfrei verlaufen.

Tausende Bauern wollen am Dienstag in Bonn und anderen Orten gegen die Agrarpläne der Regierung demonstrieren. Bei der Hauptkundgebung in Bonn um 11 Uhr werden 8000 bis 10.000 Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Autobahnen durften sie bei der Anreise nicht nutzen.

Die Landwirte fordern Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) dazu auf, mit ihnen über aktuelle Agrar- und Klimapläne zu diskutieren. Die aktuelle Politik gefährde Familienbetriebe, warnten die Bauern. Außerdem führe „Bauernbashing“, also etwa herablassende Äußerungen über Landwirte, in vielen Bereichen zu Ärger in der Berufsgruppe. Die Bonner Polizei erwartet in der Innenstadt erhebliche Verkehrsbehinderungen.

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