Landwirte stellen grüne Kreuze auf – Auf zur Trecker-Demo
Prügelknabe der Nation

Kreis Warendorf/Münster -

Es reicht! Bernd Degener ist mit Leib und Seele Landwirt. Aber dass sein Berufsstand immer mehr zum Prügelknaben der Nation wird, ärgert den Bauern aus Neubeckum. Er setzt jetzt auf stillen Protest und hat deswegen mehrere grüne Kreuze aufgestellt.

Montag, 21.10.2019, 16:16 Uhr aktualisiert: 21.10.2019, 17:22 Uhr
Bernd Degener hat auf seinem Hof in Neubeckum mehrere grüne Kreuze aufgestellt. Mt dieser Aktion will der Landwirt die Verbraucher wachrütteln. Denn immer neue gesetzliche Vorgaben machen den Bauern das Leben schwer.
Bernd Degener hat auf seinem Hof in Neubeckum mehrere grüne Kreuze aufgestellt. Mt dieser Aktion will der Landwirt die Verbraucher wachrütteln. Denn immer neue gesetzliche Vorgaben machen den Bauern das Leben schwer. Foto: Beate Kopmann

„Das Fass zum Überlaufen gebracht hat das Agrarpaket“, erzählt Degener, der bei den Agrar-Bloggern aktiv ist. Darin hatten die Ministerinnen Svenja Schulze und Julia Klöckner kürzlich einen Kompromiss zwischen Naturschutz und Landwirtschaft auf den Weg gebracht. „Damit ist klar, dass wir künftig die Pflanzen mangelernähren müssen“, schimpft Degener. Denn die Nährstoffe seien an Obergrenzen gebunden.

„Wir sind es leid, ständig der Sündenbock zu sein“. Als Beispiel nennt er die Düngeverordnung. Natürlich sei es wichtig, Nitratgrenzen einzuhalten. „Schuld sind aber nicht nur die Landwirte. Auch viele städtische Kanalnetze sind undicht.“

Das ist moderner Ablasshandel: Wir kaufen Bio-Eier, aber dafür fliegen wir zweimal im Jahr in den Urlaub.

Bernd Degener

Nahrungsmittel, die „Bio“ oder „Vegan“ seien, brächten es im Übrigen nicht einmal auf zehn Prozent des Gesamtabsatzes. Nach wie vor sicherten die Landwirte die Ernährung der Bevölkerung. Viele Berufskollegen wollten sich deswegen das Bauern-Bashing nicht mehr gefallen lassen. „Das ist moderner Ablasshandel: Wir kaufen Bio-Eier, aber dafür fliegen wir zweimal im Jahr in den Urlaub.“ Degener legt noch einen drauf: „Die größte Wahlurne in Deutschland ist die Kasse im Supermarkt“.

Rund 130 Trecker aus Kreis Warendorf unterwegs

Der Bauer aus Neubeckum kann nicht vom Hof, wenn etliche seiner Kollegen am Dienstag zur Trecker-Demo aufbrechen. „Ich schätze, dass etwa 50 Trecker aus dem Kreis Warendorf Richtung Bonn aufbrechen und vielleicht 80 in Richtung Münster.“ Das ist dann der laute Protest, zu dem die Agrar-Blogger auch aufgerufen haben.

Der Landwirtschaftliche Kreisverband beteiligt sich weder an der Aktion mit den grünen Kreuzen noch an der Trecker-Demo. Hermann-Josef Schulze-Zumloh, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, in Warendorf, würde auf seinem Hof kein Kreuz aufstellen. „Das Kreuz ist für mich ein christliches Symbol.“ Auch könne man nicht einfach Kreuze in den Boden rammen, ohne dem Verbraucher den Protest zu erläutern.

Dennoch liegen Degener und Schulze-Zumloh in der Sache gar nicht so weit auseinander. Auch für den Vorsitzender des Landwirtschaftlihen Kreisverbandes hat das Agrarpaket das Fass zum Überlaufen gebracht. „Der Frust in der Branche ist groß“, unterstreicht Schulze-Zumloh und weist auf eine irrationale Diskussion hin: „Wir Landwirte sind sowohl Sündenbock als auch Wunschzettel der Nation.“

Bauern planen Trecker-Treck

Bauern aus dem Münsterland wollen an diesem Dienstag in Münster demonstrieren und werden mit ihren Treckern den Verkehr vermutlich massiv beeinträchtigen. Die Veranstalter planen die Veranstaltung ausdrücklich ohne die Verbände wie den Westfälisch-Lippischen Bauernverband, wie dessen Sprecher Hans-Heinrich Berghorn gegenüber unserer Zeitung berichtet.

Treffpunkt der Landwirte ist an der Corrensstraße im Norden der Stadt. Angeblich sollen mehrere hundert Trecker in der Stadt unterwegs sein. Die Demo ist Teil einer bundesweiten Aktion, für die sich die Protestierer über soziale Netzwerke zusammengeschlossen haben. Die größte Veranstaltung ist für Bonn geplant.

Nach Berghorns Worten wehren sich die Demonstranten vor allem gegen die geplante Verschärfung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Damit sollen Insekten geschützt werden. Die Betroffenheit der Bauern sei zwar noch unklar, die Formulierungen des Agrarpakets ließen aber laut Berghorn „Böses erahnen“.

(von Stefan Werding)

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