Gebäudetechniker verurteilt
Unerlaubte Gesprächsaufzeichnung und Nötigung

Gronau -

Drei Punkte standen zur Anklage, einer wurde fallengelassen – und zwei führten letztendlich zu einer Verurteilung. Doch nicht nur dem Gronauer wurden Verfehlungen nachgewiesen. Auch das Verhalten einer Polizistin wurde hinterfragt.

Samstag, 19.10.2019, 07:30 Uhr aktualisiert: 19.10.2019, 17:47 Uhr
Durfte die Polizistin das Smartphone des Angeklagten aufklappen?
Durfte die Polizistin das Smartphone des Angeklagten aufklappen? Foto: dpa/Franziska Gabbert

Gleich in drei Anklagepunkte musste sich ein 25-jähriger Gronauer am Freitag vor dem Amtsgericht verantworten. Dabei ging es um die Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Wucher. Auch Erpressung und Einbruch standen im Raum. Zumindest die letzten beiden Punkte wurden in ihrer ursprünglichen Form schnell fallen gelassen. Auf den bzw. die Wucher-Vorwürfe fußte wiederum der erste Anklagepunkt.

Schlüsseldienst über Zentrale bestellt

Der 25-jährige selbstständige Gebäudetechniker wurde als Schlüsseldienst im August 2018 zu einer Wohnung in Ennigerloh gerufen, da sich ein dort lebendes Pärchen ausgesperrt hatte. Die Anfrage erfolgte über eine Zentrale, welche die Aufträge weitervermittelt. Das Paar ist mittlerweile getrennt, die 19-jährige Zeugin erinnerte sich vor Gericht nicht mehr an alle Details, während ihr Ex-Partner von den Behörden nicht ausfindig gemacht werden konnte.

200 bis 400 Euro soll ihren Angaben nach der vereinbarte Preis betragen haben, der Angeklagte sprach von einem Kostenvoranschlag über rund 400 Euro zuzuglich möglicher Kosten, der von ihrem Ex-Freund unterzeichnet worden sei. Die endgültige Rechnung betrug 843,11 Euro. Etwa die Hälfte zahlte das Paar, nachdem er mit dem Angeklagten Geld von der Bank geholt und sie rund 100 Euro beigesteuert hatte. Der 19-Jährigen nach habe der Gronauer einen Schlüssel einbehalten als Pfand für die Begleichung der Restschuld bzw. als Zeichen, dass er noch einmal wiederkommen würde.

Paar fühlte sich „etwas bedroht“

Das Paar fühlte sich „etwas bedroht“ und erstattete bei der Polizei in Oelde Anzeige. Bei seiner Rückkehr bemerkte es eine Wasserfläche in der Küche, die aus einem Loch in einem Wasserschlauch stammte. Die beiden Bewohner verdächtigten den Gronauer als Täter. Dieser verneinte, einen Schlüssel behalten zu haben. Nachweisbar war ihm der Hausfriedensbruch nicht.

Drei weitere, ähnliche Fälle, in denen der 25-Jährige als Beschuldigter galt, waren der Polizei in Gronau aus Süddeutschland zugetragen worden. Diese lud ihn zwei Wochen später vor. Der junge Mann zeichnete das Gespräch während der Vernehmung mit einem Smartphone zunächst unbemerkt auf – als Selbstschutz zur Dokumentation, sagte der Verteidiger. Diesen juristisch als Verletzung der Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes bezeichneten Vorgang räumte er vor Gericht ein.

25-Jährigen wurden Handschellen angelegt

Da er sich bei der Vernehmung nicht auf die Abnahme von Fingerabdrücken einlassen wollte, kam es zu Diskussionen und die Maßnahme wurde mit Zwang durchgeführt, ohne dass der Angeklagte „extrem aggressiv“ gewesen sei. Der vernehmende Beamte sprach davon, dass bei einem Gespräch im Anschluss „alles wieder gut“ gewesen sei. Dem 25-Jährigen wurden Handschellen angelegt und das Telefon abgenommen. Die als Zeugin geladene Polizistin sagte, ihr sei dabei aufgefallen, dass die Aufnahmefunktion aktiviert war. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wie genau sie das festgestellt hatte.

In dem Aufklappen der Smartphone-Abdeckung sah der Verteidiger ein Fehlverhalten der Polizistin, die das zugeklappte Telefon nicht hätte öffnen dürfen, und pochte auf ein Beweisverwertungsverbot. Sechs Zeugen wurden diesbezüglich gehört. Die Richterin folgte der Ausführung des Verteidigers nicht, der einen Vergleich zum Briefgeheimnis eines geschlossenen Couverts heranzog.

Verteidiger plädierte auf Freispruch

Den Tatvorwurf der Erpressung in Ennigerloh ließ der Staatsanwalt fallen, wertete aber den Einbehalt eines Schlüssels als Nötigung. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Das Gericht verurteilte den Gronauer nach vierstündiger Verhandlung zu einer Geldstrafe über 90 Tagessätzen à 60 Euro, der Staatsanwalt hatte 100 Tagessätze gefordert.

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