Eichenprozessionsspinner
So will das Münsterland die Raupenplage bekämpfen

Münsterland -

Manch einer sprach im Sommer von einer Katastrophe, andere warben für Mäßigung. Fest steht: Der Eichenprozessionsspinner entpuppte sich zu einem so massiven wie flächendeckenden Problem – und bekam als solchen gebührend Aufmerksamkeit. Nun naht der Winter. Und was kommt dann?

Mittwoch, 16.10.2019, 20:50 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 20:57 Uhr
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen.
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen. Foto: dpa

Steffen Gerlach aus Ahlen arbeitet seit 20 Jahren als Schädlingsbekämpfer. Die Raupen, deren Brennhaare so vielen Menschen Ungemach bereiten, haben ihn viel Zeit gekostet. Gerlach meint: „Wenn die Witterungsbedingungen im kommenden Frühjahr genauso sind wie in diesem, wird es mit dem Eichenprozessionsspinner noch viel schlimmer werden.“ Darum sollten sich die Kommunen frühzeitig auf das vorbereiten, was mit den Plagegeistern kommen könnte.

Bilanz für Münster

In Münster waren in diesem Sommer über 20.000 Bäume befallen. 50.000 Euro standen für die Beseitigung der Raupen standardmäßig im Haushalt bereit. Nach Angaben der Stadt beliefen sich die tatsächlichen Kosten bis jetzt jedoch auf 350.000 Euro.

Ähnlich sieht es in Drensteinfurt aus, wenn auch ei­ne Nummer kleiner: 25.000 Euro stellt die Kommune 2020 für die Beseitigung der kleinen Spinner in den Etat ein. Nachdem sich „die Kosten für die Bekämpfung im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hatten“, so die Stadt. 13.000 Euro zahlte Drensteinfurt dieses Jahr.

Natürliche Feinde nutzen

Die Tiere durch Fachfirmen beseitigen lassen ist das eine. Deren natürliche Feinde nutzen, das andere. Die Niederlande, die ebenfalls un­ter der gefräßigen Raupe leiden, haben gute Erfahrungen mit Meisen gemacht. Gerade wenn die Jungtiere geschlüpft sind, fangen die Elterntiere Unmengen Insekten. Auf ihrem Speiseplan finden sich auch Eichenprozessionsspinner.

Dülmen beispielsweise hat hier gute Erfahrungen gemacht. Im Umweltausschuss der Stadt wurde darum einstimmig beschlossen, diesen Weg weiter zu verfolgen, vermehrt auf natürliche Feinde der Raupen zu setzen und Nisthilfen anzubringen. Vorgesehen ist das auch in Drensteinfurt, Rheine und im Kreis Coesfeld. „Wir müssen an einer möglichst hohen Artenvielfalt arbeiten, um die natürlichen Fressfeinde zu stärken“, sagt jedenfalls Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke

Die Vögel, sagt Baumpfleger Manuel Schuster, seien durchaus probat im Einsatz gegen die Eichenprozessionsspinner. Schuster lebt in Buldern bei Dülmen. Sein Eindruck: In und um Dülmen sei die Zahl der Raupen zurückgegangen.

Absaugen oder mit Chemie bekämpfen

Weil klar ist, dass nichts tun die schlechteste Lösung ist, heißt es also: Ran an die Raupen. Indem deren Nester systematisch abgesaugt werden, darauf setzt beispielsweise Ahlen – und will eigens zwei zusätzliche Kräfte einstellen. Oder aber, indem Biozide eingesetzt werden – diesen Weg ging in diesem Sommer Telgte. In Rheine wird der Chemie-Einsatz für 2020 erwogen.Ersteres sei eine sichere Variante, sagt der Ahlener Steffen Gerlach, sie verlange bei großen Bäumen mitunter jedoch großes akrobatisches Geschick. Beim Chemieeinsatz hingegen sei das Zeitfenster klein, der Wirkungsgrad mit 70 bis 90 Prozent hingegen sehr groß.

An neuralgischen Punkten, öffentlichen Plätzen, Schulen, Kindergärten, Altenheimen, Spielplätzen sei es wichtig und richtig, gegen die Raupen aktiv vorzugehen, sagt Schuster. Ansonsten sei es aber vielleicht klug, in den entscheidenden vier Wochen einfach Eichen zu meiden „und sich keinen Kopf drum zu machen“.

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