Panne im DMK-Werk Everswinkel
Milch mit Bakterien verseucht

Everswinkel/Münster -

Das Deutsche Milchkontor (DMK) und das Unternehmen Fude + Serrahn haben am Freitag einen bundesweiten Rückruf ihrer frischen fettarmen Milch mit 1,5 Prozent Fett gestartet. In einer Stichprobe wurde das Bakterium Aeromonas hydrophila/caviae gefunden, das „zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Durchfall“ führen kann.

Freitag, 11.10.2019, 17:22 Uhr aktualisiert: 11.10.2019, 19:54 Uhr
Im Werk in Everswinkel sind die Bakterien in die Milch gelangt.
Im Werk in Everswinkel sind die Bakterien in die Milch gelangt. Foto: Meyer

Wie ein DMK-Sprecher bekannt gab, ist der Keim über eine undichte Dichtung in der Produktion des Werks in Everswinkel in die Milch gelangt. Nachdem bereits in der vergangenen Woche Listerien im Fleisch der Firma Wilke gefunden wurden, ist dies der zweite große Rückruf im Lebensmittelhandel innerhalb kürzester Zeit.

Verkauft wurde die betroffene Milch mit Mindesthaltbarkeitsdaten zwischen dem 10. und 20. Oktober 2019 als Eigenmarke in allen großen deutschen Handelsunternehmen, darunter Metro, Aldi, Edeka, Rewe und Lidl. Von einem Verzehr rät unter anderem die Verbraucherorganisation Foodwatch dringend ab. Stattdessen solle man die Ware im Handel zurückgeben. Dieser hat sich bereit erklärt, die Ware auch ohne Kassenbon kostenlos umzutauschen.

Problem abgestellt

Nach Entdeckung des Defekts im Werk in Everswinkel seien Proben der Produktion an ein externes Labor geschickt worden, sagte ein DMK-Sprecher. „In einer dieser Proben wurde eine Rekontamination mit einem krankheitserregenden Wasserkeim nachgewiesen.“ Die Laborergebnisse seien am Donnerstag nahezu zeitgleich mit einer ersten Kundenreklamation eingegangen. Darauf sei der Rückruf ergangen, das Problem gefunden und abgestellt worden. Foodwatch lobte das Krisenmanagement: „Im Gegensatz zum Fall Wilke ist direkt klar, welche Produkte von welchen Handelsketten betroffen sind.“

Derweil berichtete Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) im Skandal um mit Keimen belastete Wurst von einem dritten Todesopfer. „Seit gestern wissen wir von drei Todesfällen.“ Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts ist auch ein Opfer aus NRW unter den Verstorbenen.

Kommentar: Kontrollen ernst nehmen

Erst das Fleisch, nun die Milch: Die jüngsten Rückrufaktionen mit gigantischem Ausmaß zeigen beispielhaft die Probleme der im großen Stil angelegten industrialisierten Lebensmittelverarbeitung auf. Eine einzige Panne in einer Fabrik kann deutschlandweite Auswirkungen haben. Abgesehen von möglichen gesundheitlichen Schäden sind auch die wirtschaftlichen Folgen enorm.

Dementsprechend wichtig ist die Kontrolle von Sicherheit und Qualität in den Unternehmen. Zwar gelten die vorgeschriebenen Standards in Deutschland allgemein als hoch und die Gesetze als streng, allerdings muss die Einhaltung regelmäßig überprüft werden. Hierfür fehlt oftmals das Personal. Daher ist es nicht hilfreich, dass Ernährungsministerin Julia Klöckner die Kontrollen weiter zusammenstreichen will.

Auch bei der Rückrufpraxis besteht Nachbesserungsbedarf. Bislang liegt die Verantwortung ausschließlich bei Unternehmen. Besteht Gesundheitsgefahr, müssten aber staatliche Stellen eingreifen können. Zudem sollten Handelsketten verpflichtet werden, auf ihren Webseiten und in Social-Media-Kanälen über Rückrufe zu informieren, um schnell ein breites Publikum zu erreichen.

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Betroffene Produkte

Die fraglichen Produkte tragen das Kennzeichen „DE NW 508“. Betroffen sind folgende Marken:

  • Aro Frische Milch (Metro)
  • Milsani Frische Milch (Aldi Nord)
  • Milfina Frische Milch (Aldi Süd)
  • K-Classic Frische Milch (Kaufland)
  • Milbona Frische Milch (Lidl)
  • Tip Frische Milch (Bartels-Langness)
  • Gut&Günstig Frische Fettarme Milch (Edeka)
  • GUTES LAND Frische Fettarme Milch länger haltbar (Netto)
  • Ja! Frische Milch (Rewe)
  • Tip Frische Milch (Real)
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