Schulen mit Reinigungsqualität unzufrieden
Lehrer und Eltern putzen Klassen

Greven -

Dreck in den Ecken, verschmutzte Fußböden – in den Schulen lässt die Reinigung seit einem Anbieterwechsel zu wünschen übrig. In manchen Schulen scheut man sich, die Schule für den Tag der offenen Tür aufzuschließen. Mancherorts greifen Lehrer und Eltern selbst zum Besen.

Freitag, 11.10.2019, 18:26 Uhr aktualisiert: 11.10.2019, 18:50 Uhr
Blitzeblank – aber eben nicht in Greven. Viele Schulen würden sich freuen, wenn es zumindest annähernd so sauber in den Klassen wäre. Doch das beauftragte Reinigungs-Unternehmen liefert „regelmäßig nicht ausreichende Arbeit“ ab.
Blitzeblank – aber eben nicht in Greven. Viele Schulen würden sich freuen, wenn es zumindest annähernd so sauber in den Klassen wäre. Doch das beauftragte Reinigungs-Unternehmen liefert „regelmäßig nicht ausreichende Arbeit“ ab. Foto: dpa

„Wir hatten seit zwei Jahren keine Grundreinigung in den Sommerferien. Der Dreck bleibt in den Ecken liegen.“ Marita Lödde-Wilken, Leiterin der Mariengrundschule, nahm in der Schulausschuss-Sitzung kein Blatt vor den Mund. Die Situation sei „unerträglich“. Was sie meint: die mangelhafte Reinigungsqualität in den Klassen und Fluren. Mit dem beauftragten Unternehmen sei man – na ja, um es freundlich auszudrücken: unzufrieden.

Natürlich ist dies kein exklusives Thema des Marienschulzenturms, wie in der Sitzung deutlich wurde. „Die Schulleitungen“, sagte Anne Sprakel (Josefschule), „haben immer wieder darauf hingewiesen.“ Die Antworten von der Verwaltung seien allerdings „unbefriedigend“ ausgefallen. „Wir haben das als Hinhalte-Taktik empfunden.“ Christel Heisler (Kästner-Grundschule Reckenfeld) berichtete, dass die Hausmeister Fotos von den Missständen gemacht hätten. Und es gab offenbar reichlich Gelegenheit, auf den Auslöser zu drücken.

Mancherorts, hieß es, hätten sich die Schulleitungen anlässlich des Tages der offenen Tür kaum getraut, die Schule aufzuschließen.

Was taten also die Schulen? „Wir haben selbst geputzt, die Eltern haben geputzt“, sagte Marita Lödde-Wilken, die gar nicht die Mitarbeiter des Unternehmens kritisieren mochte, sondern viel mehr die Umstände, unter denen sie tätig sind. Beschäftigte sprächen hinter vorgehaltener Hand von „moderner Sklaverei“. Ein Beispiel: eine 70-jährige (!) Frau habe gerade mal 30 Minuten Zeit, um fünf Klassenräume zu reinigen. „Die Zeit der schönen Worte ist vorbei“, sagte sie.

Aloys Wilpsbäumer (Technische Betriebe) gab unumwunden zu, dass man mit der Qualität selbst nicht zufrieden sei. Die Firma liefere „regelmäßig nicht ausreichende Arbeit“ ab. Dabei habe man bei der Ausschreibung vor zwei Jahren durchaus darauf geachtet, dass Mindeststandards erfüllt würden (etwa Tariftreue) und folglich sogar etliche andere (billigere) Anbieter aussortiert. Doch: Seit der Neuvergabe des Auftrages sei die Leistung spürbar abgesackt. Vorher habe man vielleicht die Schulnote „3“ vergeben können, nun mit Hängen und Würgen eine „ 4 minus“. Man schöpfe alle vertraglichen Möglichkeiten aus, um dem Unternehmen „auf die Pelle zu rücken“. Man kürze die Zahlungen, lasse die Firma nacharbeiten, dränge auf Einhaltung der Standards und lasse im Zweifelsfall andere Kräfte hinterherputzen.

Auf Nachfrage einiger Ausschussmitglieder, die einen raschen Wechsel des Anbieters anmahnten, sagte er: Man könne den Anbieter nicht mal eben austauschen.

Mit den beschriebenen Missständen in den Schulen mochten sich die Schulausschussmitglieder nicht so einfach abfinden. Auch die Zusage der Verwaltung, das Thema intern noch mal deutlich anzusprechen, reichte nicht aus. „Den Dreck liegen lassen ist unmöglich. Das geht ja wohl gar nicht“, monierte Jürgen Diesfeld (CDU). Ralf Brinkbäumer (SPD) forderte, zur nächsten Sitzung im November erste Maßnahmen vorzustellen, um die Situation für die Schulen zu verbessern.

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