Landwirten „ist der Kragen beim Agrarpaket geplatzt“
Stiller Protest mit grünem Kreuz

Ochtrup -

Auf vielen Feldern finden sich auch in Ochtrup grüne Kreuze. „Das ist ein stiller Protest der Landwirte gegen das vom Bundesumweltministerium verabschiedete Agrarpaket“, erklärt Thomas Ostendorf.

Freitag, 11.10.2019, 06:00 Uhr
An der Einfahrt zu seiner Hofstelle hat Thomas Ostendorf ebenfalls eines der rund 15 grünen Kreuze angebracht, die die Bauern selbst hergestellt haben.
An der Einfahrt zu seiner Hofstelle hat Thomas Ostendorf ebenfalls eines der rund 15 grünen Kreuze angebracht, die die Bauern selbst hergestellt haben. Foto: Susanne Menzel

Sie fallen an vielen Stellen des Stadtgebietes auf den landwirtschaftlichen Flächen ins Auge: große, grün getünchte Kreuze. Manche mit einem erklärenden Zettel versehen. „Dahinter steht die ‚Graswurzelbewegung‘, eine Initiative sozusagen von der Basis, die sich damit gegen das vom Bundesumweltministerium im vergangenen Monat verabschiedete Agrarpaket ausspricht“, erklärt Thomas Ostendorf, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV). „Aber der Ortsverein ist darin nicht involviert“, stellt Ostendorf auch gleich in einem weiteren Satz klar.

„Wir Bauern haben uns in den sozialen Netzwerken zusammengefunden. Wie im Flug sind dabei verschiedene Vorschläge umgesetzt worden. Etwa der stille Protest mit den grünen Kreuzen. Aber auch eine laute Demonstration, die am 22. Oktober in Bonn stattfinden soll.“

Das Agrarpaket, so der Ochtruper, habe bei seinen Berufskollegen „das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Darin gehe es nämlich „ans Eingemachte“ und in vielen landwirtschaftlichen Betrieben verbreite sich die Angst, dass dadurch jegliche Produktion auf dem Acker sowie im Stall nahezu unmöglich gemacht werde. Konkret führt Ostendorf den Punkt an, dass „zukünftig 70 Prozent weniger Pflanzenschutz eingesetzt werden soll. Zudem werden über die Gebühr hinaus breite Randstreifen gefordert. Das ist eine gefühlte Enteignung. Die Daumenschrauben, was Düngung und Ackerbau angeht, werden noch härter angezogen.“ Auch bei den Schweinehaltern, so argumentiert der Landwirt, sei die Stimmung aufgrund des Agrarpakets am Boden. „Dabei sind die Preise momentan gut wie lange nicht.“

Was Thomas Ostendorf und seine Berufskollegen am meisten stört, ist: „Es werden keine klaren Ziele formuliert. Die Politik verkündet immer nur, was sie alles nicht will. Aber was denn letztlich umgesetzt werden soll und wie, davon wird nicht geredet. Diese Ungewissheit, die dadurch hervorgerufen wird, schürt bei uns die Existenzangst.“

In den eigenen Reihen werde natürlich nicht alles unkritisch hingenommen, was rundum in der Landwirtschaft passiere – und wie sich manche Landwirte verhielten, gibt der Ochtruper zu. „Wenn sich jeder an das halten würde, was er sagt, wären wir eine ganze Ecke weiter. Die Landwirtschaft hat sich immer wieder verändert. Das war früher so, das ist heute nicht anders. Nur liegt es leider inzwischen im Nebel, wie sie sich in der Zukunft entwickeln wird.“

Dass es auch in der Bevölkerung häufig an Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit fehle, ist Thomas Ostendorf nicht unbekannt. „Diese Wertschätzung kann man sich allerdings nicht erkaufen, die kann man sich nicht er-demonstrieren. Da muss man an der ein oder anderen Stelle sein Verhalten ändern. Die Menschen müssen ein besseres Bild von den Bauern in ihre Köpfe bekommen. Das heißt, wir müssen mit ihnen den Dialog suchen. Das wollen wir beispielsweise auch über die grünen Kreuze tun.“ Erklärend sei deshalb der Hinweis auf den hölzernen Streben angebracht, dass die zahlreichen verhängten Verbote in erster Linie dazu führten, die Erträge sinken zu lassen. Aus Sicht der Landwirte ist dadurch die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Produkten gefährdet.

Immer mehr konventionelle Bauern stellten auf Bio um. Das dadurch produzierte Überangebot führe wiederum auf dem Markt zu einem gewaltigen Preisdruck. Thomas Ostendorf: „Wir stellen mit den grünen Kreuzen keine Forderungen, sie sollen als Mahnung verstanden werden, sich dem Wert der Landwirtschaft bewusst zu werden.“

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