Kerstin Wittjen über Wandel im Venner Moor
„Anblick ist schwer auszuhalten“

Venne -

Das Venner Moor führt in seinem großen Teich zum zweiten Mal in Folge im Sommer kein Wasser. Dieser Anblick versetzt nicht nur manchen Spaziergängern einen Schreck, sondern zieht auch erhebliche ökologische Probleme nach sich, betont Kerstin Wittjen vom Naturschutzzentrum Coesfeld im WN-Interview.

Freitag, 20.09.2019, 16:18 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 16:25 Uhr
Der große Teich im Venner Moor ist zum zweiten Mal in Folge im Sommer trockengefallen. Die Veränderungen auch als Lebensraum vieler Arten beobachtet die Biologin Kerstin Wittjen (Foto)
Der große Teich im Venner Moor ist zum zweiten Mal in Folge im Sommer trockengefallen. Die Veränderungen auch als Lebensraum vieler Arten beobachtet die Biologin Kerstin Wittjen (Foto) Foto: di/Wittjen

Der Anblick versetzt Spaziergängern, die das gewohnte Bild noch im Kopf haben, einen tüchtigen Schreck: Der große Teich im Venner Moor ist futsch – trockengefallen und in die Binsen gegangen, die sich dort ausbreiten. Wie hat das Moor, das auch viele Besucher aus Münster und der gesamten Region anzieht, seinen Charakter verloren, welche Veränderungen dauern an? Darüber sprach WN-Redakteur Dietrich Harhues mit Kerstin Wittjen, Diplom-Biologin beim Naturschutzzentrum Coesfeld, die dieses Areal betreut.

Im Jahr 2018 war der große Teich erstmals trockengefallen. Ist die Situation in diesem Jahr genauso schlimm?

Wittjen: Ja, die Situation ist genauso schlimm wie im Vorjahr. Nur, dass das Moor in diesem Jahr schon mit einem Wassermangel aus dem Vorjahr gestartet ist. Die Wasservorräte waren im Winter gar nicht wieder aufgefüllt worden. Und auch in diesem Jahr gab es das ganze Jahr über wenig Niederschlag, hinzu kamen hohe Temperaturen. Vor allem die Dürreperiode im Juli wirkte sich aus.

Ist das Austrocknen von Moor-Seen nur am Venner Moor zu erkennen oder typisch für unsere ganze Region?

Wittjen: Leider ist es typisch für mehrere Moore, zum Beispiel in den Borkenbergen. Auch dort sind sämtliche Moorgewässer trockengefallen.

Müssen sich Naturfreunde, die im Moor Erholung suchen, an diesen Anblick gewöhnen?

Wittjen: Ich hoffe, dass das nicht der Fall sein muss, sondern hoffe auf einen regenreichen Winter. Erkennbar ist aber, dass sich der Wald zu Lasten des Moores ausbreitet. Die Bäume profitieren vom Wasserreservoir, das in den Torfmoosen gespeichert ist und dringen trotz allgemeiner Trockenheit weiter vor. Diese Entwicklung läuft gerade rasant ab. So sah der Moor-See aus, bevor er trockengefallen war.

Wandel ergreift das Venner Moor

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  • Ausgetrockneter großer Teich im Venner Moor

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Torfstich 4 im Winter

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Torfmoos kann viel Wasser halten.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Schwingrasen weist noch Feuchtigkeit auf.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Pegelmessungen im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Stauungen, um das Wasser im Moor zu halten.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Foto: Kerstin Wittjen
  • Herbstimpression: Fliegenpilze

    Foto: Dieter Klein
  • Der größte Teich ist grün von Binsen-Bewuchs.

    Foto: Maike Harhues
  • Vierfleck Libelle im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Witjen
  • Schauriger Nebel im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Herbstimpressionen.

    Foto: Dieter Klein
  • Libelle im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Foto: sff
  • Abendstimmung am großen Teich, als er noch Wasser führte.

    Foto: di
  • Buchen im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Selten gewordenen Brombeerzipfelfalter.

    Foto: Kerstin Wittjen (Naturschutzzentrum K
  • Laubbäume im Herbst.

    Foto: sff
  • Mächtige Buchen im Venner Moor.

    Foto: sff
  • Foto: sff
  • Naturimpressionen im Venner Moor.

    Foto: sff

Woher nimmt das Moor seine Feuchtigkeit, besteht die Möglichkeit, es quasi zu bewässern?

Wittjen: Das Venner Moor wird allein über den Niederschlag bewässert, es gibt keinen Zufluss aus einem Gewässer oder aus dem Grundwasser. Deshalb sind in den Jahren 2016/2017 erhebliche Maßnahmen vorgenommen worden, um Gräben und Abflüsse zu verfüllen beziehungsweise zu verschließen, damit kein vorhandenes Wasser abfließen kann.

Erleben wir gerade ein echtes ökologisches Problem?

Wittjen: Ja, denn das Moor braucht viel Wasser, damit sich sein Öko-System regeniert.

Sind Gegenmaßnahmen denkbar?

Wittjen: Das ist schwierig. Man könnte Gehölze, die auf dem Vormarsch sind, herausnehmen. Aber dann riskiert man einen Strockausschlag, dass also aus dem Stumpf Seitentriebe wachsen und das Problem womöglich verschärfen, weil sie noch mehr Wasser ziehen.

Beunruhigt Sie der Anblick der trockenen Teiche im Venner Moor?

Wittjen: Ja, es beunruhigt mich schon, dass sämtliche Moorlebensräume so leiden. Den Anblick kann man schwer aushalten. Denn damit geht ein Verlust von Lebensraum einher – zum zum Beispiel für Moorlibellen, andere hochspezialisierte Insektenarten, Moorfrosch, Krickente und Kreuzotter. Außerdem dienen Moore als enorme CO²-Speicher. Wenn sie entfallen, verstärkt sich der Klimawandel noch.

Zum Thema

Am Samstag (21.9.) wird im Rahmen der Klimaschutzwoche von 10 bis 12 Uhr eine Exkursion durchs Venner Moor angeboten. Treffpunkt ist der Wandererparkplatz südlich der Kanalbrücke.

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