„Fridays-for-Future“ im Münsterland
Vorfreude auf den Demo-Tag

Münsterland -

Nicht nur in Münster, sondern auch drumherum finden die verschiedensten Demos für das Klima statt. Nicht überall ziehen die Demonstranten durch die Straßen. Eine Umfrage unter den Organisatoren im Münsterland.

Donnerstag, 19.09.2019, 21:00 Uhr
Selmar Ibrahimovic, hat die Demo in Warendorf mitorganisiert.
10.000 Demonstranten werden am Freitag zum Klimastreik in Münster erwartet. Aber auch in den Kommunen im Umkreis wird protestiert. Foto: dpa

Sophia Kegels Begeisterung ist durchs Telefon zu spüren. Die Mitorganisatorin der Münster-Demo freut sich schon „total auf Freitag“ und ist „sehr stolz“ auf all das, was die Jugendlichen geschafft haben, erzählt sie am Donnerstag. „Ganze Schulen kommen, Gewerkschaften rufen zur Teilnahme auf, die Kirchen ermuntern ihre Mitarbeiter zur Teilnahme. Ich denke, dass uns die Mobilisation sehr gut gelungen ist“, sagt sie. Am Vorabend musste nur noch geklärt werden, wann sich die Helfer genau zum Aufbau treffen und wer die Ordnerbinden verteilt. 

Und dann „freuen wir uns auf eine erfolgreiche Demo“, sprudelt es aus der 16-Jährigen heraus, die schon wie eine Politikerin spricht. Und wenn alles gut gelaufen ist und sie wieder ein bisschen mehr Ruhe hat, „um auch wieder was für die Schule tun zu können“, dann wird sie sehr erleichtert sein.

Infos zu den Protesten

Alle fürs Klima: Unter diesem Motto gehen am Freitag (20. September) wieder Tausende in Münster und Umgebung auf die Straße.  Hier gibt’s alle Infos .

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„Die wahrscheinlich erste und letzte Demo“

Für die 62-jährige Bettina Flug war es „die wahrscheinlich erste und letzte Demo“, die sie angemeldet hat. An diesem Freitag wird das Ochtruper Internationale Frauencafé für „das über Kulturen und Religionen hinaus unglaublich wichtige Thema“ Klimaschutz demonstrieren. Dafür werden die Teilnehmer allerdings nicht durch die Straßen ziehen, sondern von Tisch zu Tisch wandern, um mit Experten ins Gespräch zu kommen – über Urlaub per Fahrrad, Gartenarbeit, weniger Lebensmittelverschwendung oder fairen Einkauf. „Also über alles, was man tun oder lassen kann“, wie Flug es sagt.

Was Sie für das Klima tun können

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  • Strom sparen: Zuhause LED-Technik statt Glühbirnen einsetzen, Steckerleisten mit Standby-Modus nutzen.

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  • Öffentliche Verkehrsmittel nehmen und weniger fliegen: Muss mit dem Auto nach Münster gefahren werden oder geht auch der Zug? Lässt sich zur Verabredung nicht mit dem Fahrrad fahren?

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  • Weniger Fleisch essen, mehr regionale Produkte: Die Tierhaltung und der Transport des Fleischs, aber auch anderer Produkte, tragen zum Klimawandel bei.

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  • Weniger Lebensmittel verschwenden: Die Rechnung: weniger Lebensmittel gleich weniger Treibhausgasemissionen durch Düngung, Transport und Kühlung.

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  • E-Auto und Photovoltaikanlage kaufen: „Jeder, der sich eine Photovoltaikanlage auf das Dach baut, macht aktiven Klimaschutz“, sagt Christian Lohmann. Aber: Das ist nicht billig.

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  • Plastikverbrauch reduzieren: Statt der Kunststofftasche lieber den Jutebeutel nehmen.

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Erwachsene Ordner als Auflage

Selmar Ibrahimovic von der FFF-Ortsgruppe Warendorf wirkt am Telefon entspannt. Alles ist geritzt: Das Programm mit den Redebeiträgen unter anderem vom „Opa for Future“ steht, die Elektronik ist bestellt und die 18 erwachsenen Ordner, die die Polizei bei der Anmeldung der Demo verlangt hat, sind auch bereit. „Das war die größte Herausforderung“, sagt der 20-Jährige. 

Dass bei den Veranstaltungen immer mehr Erwachsene mitmischen, stört ihn nicht. Ganz im Gegenteil: „Die Friday-for-Future-Bewegung steht zusammen“, sagt er. „Wir haben das gleiche Ziel, wir fühlen uns gestärkt.“ Zur letzten Demo in Warendorf kamen statt der erwarteten 200 Teilnehmer 1000. Jetzt haben die Organisatoren 750 angemeldet, liebäugeln aber mit über 1000. Warum sie an diesem Freitag nicht mit mehr rechnen, begründet Ibrahimovic mit „ein bisschen Bescheidenheit und Unsicherheit“.

Seniorchef eines Autohauses radelt zur Demo

Josef Schlüter (67) findet, dass „gerade die älteren Generationen gefordert sind, Stellung zu beziehen“. Der Metelener sagt: „Wir haben es eigentlich vermasselt und lassen die jungen Leute im Regen stehen.“ Darum organisiert der Seniorchef eines Autohauses in Steinfurt für Freitag eine Radtour über 50 Kilometer von Metelen über Laer nach Münster zur großen Demo.

Wir haben es eigentlich vermasselt und lassen die jungen Leute im Regen stehen.

Josef SChlüter

Mitkommen kann jeder, der um 6 Uhr bereitsteht und die Distanz bewältigen kann. Die 20, die sich bis Donnerstag angemeldet haben, findet Schlüter „erschreckend wenig für so ein wichtiges Thema“. Abhalten lässt er sich deswegen von seinem Projekt aber nicht.

Wochenlange Vorbereitung

Und die 15-jährige Anni Bülter aus Dülmen hat in den vergangenen vier, fünf Wochen viel gelernt darüber, wie man eine Demo organisiert. Die FFF-Jugendlichen dort haben Flyer und Plakate bestellt und ins ganze Münsterland geschickt. Sie haben Reden geschrieben, Pressemitteilungen verfasst, Briefe an die Schülervertretungen in nahezu allen Schulen im Kreis Coesfeld geschickt. Das Ergebnis: 1000 Schüler, die ihre Teilnahme bereits angekündigt haben. Eine Schule macht sich mit 500 Schülern in sieben Bussen auf den Weg. „Darüber sind wir sehr glücklich“, sagt sie.

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