„Dem Tod geweiht“
Fichtensterben nimmt verheerende Ausmaße an

Tecklenburg -

Um dem Borkenkäfer Herr zu werden, sieht Revierförster Dr. Georg Berkemeier keine andere Maßnahme als das Abholzen der Fichten. Er schätzt, dass in Tecklenburg in diesem Jahr schon zwischen 7000 und 10 000 Fichten gefällt wurden.

Mittwoch, 18.09.2019, 05:21 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 06:58 Uhr
Unübersehbar sind die Schäden, die der Borkenkäfer an den Fichten auf der Ledder Dorfstraße kurz vor dem Ortseingang angerichtet hat. Einige Bäume sind noch grün, aber auch sie dürften der Plage noch zum Opfer fallen.
Unübersehbar sind die Schäden, die der Borkenkäfer an den Fichten auf der Ledder Dorfstraße kurz vor dem Ortseingang angerichtet hat. Einige Bäume sind noch grün, aber auch sie dürften der Plage noch zum Opfer fallen. Foto: Jörg Wahlbrink

Wenn Revierförster Dr. Georg Berkemeier auf den Borkenkäfer zu sprechen kommt, dann wirkt er geradezu erbarmungslos. Detailliert beschreibt er, wie Holzerntemaschinen die Brut der kleinen Tierchen unter der Rinde zerquetschen und erklärt ungerührt: „Es gibt nichts Schöneres.“

Die Wortwahl macht deutlich, wie dramatisch die Situation in den Wäldern ist. Das Vermehrungspotenzial der Käfer, die insbesondere an Fichten massive Schäden anrichten, sei immens, erläutert Berkemeier. So kann ein Weibchen in einem Jahr wie diesem mit vier Käfergenerationen rund 100 000 Nachkommen erzeugen. „Spätestens dann wird einem bewusst, dass man nicht dagegen ankommen kann“, bilanziert der Förster, dessen Bezirk neben Tecklenburg auch Ibbenbüren umfasst. In Zeiten, in denen die Sommer weniger heiß und trocken sind, wächst die Population für gewöhnlich nur um zwei Generationen.

Einzige Methode: Abholzung

Auch wenn das Ausmaß verheerend ist – Berkemeier denkt nicht ans Aufgeben. Die einzige Methode, um die Käfer in ihre Schranken zu weisen, sei Abholzung. An zahlreichen Orten sind deshalb schon seit Längerem Harvester im Einsatz. Der Förster schätzt, dass allein in Tecklenburg zwischen 7000 und 10 000 Fichten gefällt wurden.

Das ist eine optische Täuschung. Der Borkenkäfer sitzt auch da schon drin.

Revierförster Dr. Georg Berkemeier

Und ein Ende ist nicht in Sicht: Selbst die Fichten, die heute wegen ihrer grünen Nadeln noch gesund aussehen, „sind dem Tod geweiht“, ist Berkemeier überzeugt. „Das ist eine optische Täuschung. Der Borkenkäfer sitzt auch da schon drin.“ Von den insgesamt rund 1200 Hektar Wald, die sich in seinem Bezirk befinden, sind knapp 17 Prozent mit Fichten bepflanzt. „Wir lassen zunächst dicke und wertvolle Fichten fällen, vor allem aber auch jene, die sich in der Nähe von Wegen befinden“, erläutert der Förster seine Strategie im Kampf gegen die nimmersatten Schädlinge.

Preise halbiert

Mit der Abholzung hat sich für den Förster das Problem aber noch nicht erledigt. Weil der Borkenkäfer auch andernorts wütet, ist derzeit viel Fichtenholz auf dem Markt. „Die Vermarktung ist deshalb schwieriger geworden.“ Die Sägewerke im Osnabrücker Land und Sauerland, die von den Waldbesitzern – ein Großteil der Flächen befindet sich in Privatbesitz – beliefert werden, winken ab, wenn Berkemeier ihnen Ware anbietet. Stattdessen verhandelt er jetzt mit Ex- und Importeuren, die die Stämme nach Asien weiterverkaufen. Wegen des großen Angebots sind die Preise außerdem im Keller: Statt 90 würden derzeit zwischen 45 und 50 Euro je Festmeter gezahlt.

„Mein Ziel ist es, den Teuto in einen Mischwald zu verwandeln“

Parallel zu den Fällarbeiten will der Förster möglichst bald mit der Wiederaufforstung beginnen. Dabei sollen vor allem klimatolerante Laubbaum-Arten wie Eichen und Wild-Kirschen zum Einsatz kommen, die allerdings den Nachteil haben, dass sie nur langsam wachsen. Darüber hinaus würden deshalb auch Douglasien, die zur Familie der Kieferngewächse gehören und schneller in die Höhe schießen, gepflanzt werden. „Mein Ziel ist es, den Teuto in einen Mischwald zu verwandeln“, betont Berkemeier.

Anders als ein Großteil der Baumarten leiden vor allem Fichten unter den Störenfrieden. Durch die lang anhaltende Trockenheit werden sie zum leichten Opfer. Wie drastisch der Wassermangel ist, verdeutlicht der Förster anhand von Niederschlagsmengen. Demnach benötigt eine Fichte eigentlich 1000 Millimeter Niederschlag pro Jahr. 2018 fielen 500 Millimeter. Womit der Grundwasserspeicher kaum aufgefüllt werden konnte. Und in diesem Jahr? „Da ist es noch härter geworden für die Fichten.“

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