Zehn Jahre Meet
Mehr als Strom für Elektro-Autos

Münster -

2020 sollten eine Million E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Dieses zehn Jahre alte Ziel der Bundesregierung wurde bei Weitem nicht erfüllt. An Martin Winter und seinem Team vom Batterieforschungszentrum Meet liegt das nicht.

Dienstag, 17.09.2019, 12:24 Uhr aktualisiert: 17.09.2019, 12:26 Uhr
Zehn Jahre Meet: Mehr als Strom für Elektro-Autos
Die Forschungsanstrengungen von Martin Winter mündeten kürzlich in die Genehmigung der Batterieforschungsfabrik in Münster und eines Recycling-Zentrums in Ibbenbüren. Foto: FZ Jülich/Judith Kraft

Professor Martin Winter, Spezialist für Batterieforschung, war noch nicht lange an seinen früheren Studienort Münster zurückgekehrt, da verkündete die damalige Bundesregierung ein ehrgeiziges Ziel: 2020 sollten eine Million E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein.

Das hat bei Weitem nicht geklappt, kurz vor Ende der Frist ist etwa ein Zehntel der Zielvorgabe erfüllt. An Martin Winter und seinem Team liegt das nicht. Auf Initiative des Professors für angewandte Materialwissenschaften am Institut für Physikalische Chemie der Uni Münster wurde 2009 das Forschungszentrum „Meet“ (Münster Electrochemical Energy Technology) gegründet.

Entwicklungssprung steht bevor

Wenn das Meet am Mittwoch (18. September) seinen zehnten Geburtstag feiert, steht ein gewaltiger Sprung in der Entwicklung der Technologie in Münster bevor. Die Forschungsanstrengungen des Meet und der Expertise des äußerst umtriebigen Martin Winter mündeten kürzlich in die Genehmigung der 500 Millionen-Euro-Förderung für die Errichtung einer Batterieforschungsfabrik in Münster und eines Recycling-Zentrums in Ibbenbüren.

Die Rednerliste der Gratulanten bei der Jubiläumsfeier ist prominent besetzt. Neben der Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen kommt auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. Das unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung, die das Land der Batterietechnologie-Entwicklung zumisst. Pinkwart war schon beim ersten Spatenstich für das Meet-Gebäude dabei, Bund, Land, EU und die Universität selbst finanzierten die 21 Millionen Euro, die zum Aufbau des Meet nötig waren.

Das war 2009, und das Tempo, mit dem das Forschungszentrum in Münster damals entstand, deutete schon an, dass bei der Batterieforschung keine Zeit zu verlieren ist. 2011 wurde das Meet-Gebäude mit 2500 Quadratmetern Laborfläche bezogen.

Ausbau der E-Mobilität im Schneckentempo 

Zuvor hatten die Wissenschaftler des Meet in Labors im Chemischen Institut an der Batterietechnik gearbeitet, das Meet wurde parallel Sitz des Kompetenzzentrums „Batterie“ der „Elektromobilität NRW“.

Auch wenn in Deutschland der Ausbau der E-Mobilität beim Auto weiter eher im Schneckentempo voranschritt, ging es in Münster mit der Batterieforschung bergauf. 2014 wurde in Münster am Meet ein Helmholtz-Institut als Einrichtung des Forschungszentrums Jülich gegründet. Letzteres bündelt hier zusammen mit der Uni Münster und der RWTH Aachen ihre Kompetenzen.

Seit 2015 werden in einem neuen Labor am Meet Batteriezellen auf Leistungsfähigkeit und Sicherheit getestet. Das Ziel der mittlerweile 140 Wissenschaftler ist es, Batterien mit höherer Energiedichte, besserer Leistung, längerer Lebensdauer und geringeren Kosten auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie zu entwickeln. 60 Wissenschaftler arbeiten an dem gleich nebenan gelegenen Helmholtz-Institut.

Wie können Sonnen- und Windenergie gespeichert werden?

Es geht um mehr als die Batterie-Entwicklung für Elektro-Autos. Von Anfang an beschäftigen die Wissenschaftler auch Fragen, wie regenerativ erzeugte Energie aus Wind und Sonne gespeichert werden kann. 90 Publikationen, 70 Patente und Patentanmeldungen und rund 60 Auszeichnungen sind bisher die Bilanz der münsterischen Batterieforscher.

Kritik an der Autoindustrie

Martin Winter wurde zwischenzeitlich auch mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Als Winter Anfang dieses Jahres den Forschungspreis der Uni Münster erhielt, beklagte er in einem Interview mit unserer Zeitung die schleppende Umsetzung der E-Mobilität in Deutschland.

Vor allem die Autoindustrie betreibe die Weiterentwicklung nur als Reaktion auf drohende Fahrverbote. Solche Widerstände haben Winter und seine Wissenschaftler nicht entmutigt, ihr Thema ist nicht umsonst die Energiespeicherung. Der bevorstehende Aufbau der Batterieforschungsfabrik ist für das Meet ein Meilenstein.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6936831?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker