Umfrage zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum
Der Arzt vor Ort ist wichtig

Dortmund -

Fragt man die Menschen in Westfalen-Lippe, was ihnen mit Blick auf die Infrastruktur in ihrem Ort grundsätzlich wichtig ist, steht der Hausarzt weit vorne. Das ist eine der zentralen Aussagen einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die die AOK Westfalen-Lippe in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse stellte der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse, Tom Ackermann, am Donnerstag in Dortmund vor.

Freitag, 23.08.2019, 06:50 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 07:04 Uhr
Umfrage zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum: Der Arzt vor Ort ist wichtig
Zentraler Punkt bei der Auswahl des Arztes ist laut einer Forsa-Umfrage das Qualitätskriterium. Eine nur untergeordnete Rolle spielen dabei Arzt-Bewertungen im Internet. Foto: dpa

Ein Allgemeinmediziner vor Ort – leicht zu erreichen, persönlich zu sprechen – ist danach 97 Prozent der insgesamt 400 Befragten wichtig, Breitband, WLAN und Co. landet mit einem Wert von 92 Prozent auf Platz zwei. Auf Rang drei finden sich mit 91 Prozent gut erreichbare Einkaufsmöglichen. Hier die zentralen Ergebnisse der Umfrage.

Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Ja, ganz eindeutig. Bewohner von Städten mit über 100.000 Einwohnern beur­teilen die Versorgung mit medizinischen Einrichtungen deutlich besser als Bewohner kleinerer Orte. So sind knapp 16 Prozent aller Großstädter der Ansicht, dass sich die allgemeine Versorgungssituation mit Fachärzten in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Diese Ansicht teilen rund 25 Prozent der Menschen, die in Städten zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern leben. Bei Bewohnern kleinerer Orte un­ter 20.000 Einwohnern steigt dieser Wert sogar auf knapp 28 Prozent.

Ähnlich sehen die Ergebnisse mit Blick auf Hausärzte aus. Knapp 13 Prozent der Menschen in Großstädten sagen, die Versorgungssituation habe sich verschlechtert. Bei den Einwohnern mittelgroßer Städte sind es 23 Prozent, bei Bewohnern kleinerer Orte fast 30 Prozent. „Die Bedürfnisse der Bevölkerung auf dem Land müssen stärker in den Fokus rücken“, sagte Ackermann.

Wie groß ist die Bereitschaft der Befragten, sich nicht nur von Ärzten, sondern auch von „weiteren Fachkräften“ betreuen zu lassen?

Lediglich vier von zehn Befragten wissen, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Beispielsweise bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes übernehmen inzwischen medizinische Fachkräfte nach Rücksprache mit dem Arzt in Teilen die Betreuung der Patienten. Interessant: Frauen, Ältere und chronisch Kranke wissen häufiger von diesen Möglichkeiten, als Männer, Jüngere und Menschen ohne chronische Erkrankung. 45 Prozent finden ein solches Angebot sehr gut, 46 Prozent beurteilen es als gut. Lediglich sechs Prozent lehnen es kategorisch ab.

Wie groß ist die Bereitschaft, Videosprechstunden zu nutzen?

50 Prozent der Befragten lehnen solche Formen der Arzt-Patienten-Kommunikation schlichtweg ab. Oder wie es Ackermann andersherum sagte: „Jeder zweite kann sich so etwas inzwischen vorstellen.“ Von diesen, dem positiv Gegenüberstehenden wären 78 Prozent der Befragten bereit, zur „Befundbesprechung“ mit dem Arzt per Video-Chat zu reden. 71 Prozent können sich das bei nicht näher beschriebenen „Folgeterminen“ vorstellen. Überraschend: Nur 32 Prozent sind bereit, in ei­nem Notfall die Videosprechstunde zu nutzen.

Nach welchen Kriterien wählen die Patienten ih­ren Arzt aus?

Zentraler Punkt ist das Qualitätskriterium. 60 Prozent der Befragten erachten diesen Punkt als sehr wichtig, 36 Prozent immerhin als wichtig. Die gute Erreichbarkeit mit Bus, Bahn oder Auto ist 39 Prozent sehr wichtig und 52 Prozent wichtig. Hoch im Kurs steht auch die Spezialisierung des Arztes auf die jeweilige Erkrankung. Dies ist 39 Prozent sehr wichtig und 49 Prozent wichtig. Auf Platz vier landet die „kurze Entfernung zur Wohnung“ (23/46). Eine nur untergeordnete Rolle spielen übrigens Arzt-Bewertungen im Internet.

Ähnliche Ergebnisse bringt die Befragung bei der Auswahl eines Krankenhauses. Auch hier landet der Faktor Qualität auf Platz eins (67 Prozent: sehr wichtig, 32 Prozent: wichtig), die Spezialisierung der Klinik folgt auf Rang zwei (57/38), die gute Erreichbarkeit auf Platz drei (27/52) und die Wohnortnähe auf Platz vier (13/43). Abgeschlagen sind auch hier Bewertungen der Krankenhäuser im Internet.

Debatte

Immer weniger Hausärzte auf dem Land, dafür lange Wartezeiten bei Fachärzten: Das Gesundheitssystem gerät in Schieflage. Wie beurteilen Sie die Versorgungssituation? Sind Sie offen für Neues, wie beispielsweise Telemedizin? Schreiben Sie uns unter Angabe Ihres Wohnortes unter: debatte@zgm-muensterland.de

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