Energiepflanze
"Silphie": Eine Alternative zum Mais

Emsdetten -

Sie blüht goldgelb, bietet Insekten kostbaren Le­bensraum, ist ein Bio-Kraftwerk erster Güte und fristet dennoch ein Mauerblümchendasein. Völlig zu Unrecht, meint Klaus Beckonert. Der Landwirt aus Emsdetten baut den Mais-Ersatz an. In der ersten Zeit sei die Pflanze aber „richtig pingelig“, sagt er.

Montag, 19.08.2019, 18:23 Uhr aktualisiert: 19.08.2019, 18:26 Uhr
Noch ein, zwei Wochen, dann kann Klaus Beckonert die Durchwachsene Silphie ernten.
Noch ein, zwei Wochen, dann kann Klaus Beckonert die Durchwachsene Silphie ernten. Foto: Wilfried Gerharz

Beckonert beackert 250 Hektar, fühlt sich ein wenig als Pionier und gewährt der großen Unbekannten ein Stückchen Grund und Boden. „Die Silphie“, sagt der 48-Jährige, sei in der ersten Zeit eine echte Diva. Was Aussaat und frühe Düngung angehe, „ist die richtig pingelig“. Wenn sie aber erst einmal wachse, „ist alles gut“. Mehrjährig, wie sie nun einmal sei, könne sie bis zu 15 Jahre geerntet werden – „und sieht auch noch prächtig aus“.

Blühender Biogas-Rohstoff

Auf nicht einmal 100 Hektar wachse die Durchwachsene Silphie in NRW, schätzt Lea-Kathrin Piepel von der Landwirtschaftskammer NRW. Bundesweit seien es rund 3000 Hektar, zumeist im Süden. Dabei sei die ranke Pflanze als blühender Biogas-Rohstoff doch eine ernstzunehmende Alternative zum allgegenwärtigen Mais.

Anders als die Maispflanze, die vom Korn bis zum Blatt vielfältig verwendbar ist, taugt die ursprünglich aus Nordamerika stammende Durchwachsene Silphie lediglich zur Energiegewinnung in der Biogas-Anlage. „Der Gasertrag ist mit dem von Mais durchaus vergleichbar“, sagt Beckonert, der auch so ein Bio-Kraftwerk betreibt.

Im Arbeitskreis Biogas hörte er vor ein paar Jahren erstmals von der Pflanze. Und wurde neugierig. Beckonert probiert gerne aus, testet, experimentiert, versucht – beispielsweise den Anbau von Zuckerrüben im Münsterland. Bei der Durchwachsenen Silphie kam er vor drei Jahren auf den Geschmack. In zwei, drei Wochen, wird geerntet.

Auch die Landwirtschaftskammer experimentiert mit der schlanken Pflanze. In ihrem Versuchszentrum Haus Düsse im Kreis Soest und auf dem Hof Miermann bei Bottrop. „Uns ist es wichtig, ein bisschen Abwechslung in die Fruchtfolge zu bringen“, sagt Lea-Kathrin Piepel. Nicht ohne Grund wird die Vermaisung ganzer Landstriche kritisiert. Allein im Kreis Borken wächst Mais inzwischen auf mehr als der Hälfte aller Äcker. Vielfalt geht anders.

Gut für die Bienen

Zudem berge die Durchwachsene Silphie „interessante Aspekte für die Artenvielfalt“, erzählt die Kammersprecherin weiter. Sie blühe spät und lange – was gut für die Bienen sei, begrüne die Ackerfläche das ganze Jahr über – wodurch die Pflanze überschüssige Nährstoffe binden könne und sei, da tief wurzelnd, obendrein gut für die Biodiversität im Untergrund.

Das Problem aber ist: Die Diva will nicht so ohne Weiteres in den Boden. Wer Silphie sähen will, muss sich an spezielle Unternehmen mit speziellen Geräten wenden, wie die „Silphienergie GmbH“ in Ostrach in Oberschwaben. Die kommt dann mit Sämaschine und Saatgut zum Bauern und bestellen das Feld – so wie vor drei Jahren bei Klaus Beckonert. Ganz schön teuer sei das am Anfang gewesen, sagt der, knapp 1900 Euro pro Hektar. Aber wie gesagt, wenn die pingelige Silphie zu einem gestandenen Best-Ager herangewachsen ist, gibt sie mit einem Mal anspruchslos – und mit Blick auf die Ausbeute alles andere als durchwachsen.

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