90 kleine Waffenscheine in Lienen
Den „Großen“ hat niemand

Lienen -

Wer – wozu auch immer – eine Schreckschusswaffe mit sich führen will, benötigt den kleinen Waffenschein. Immerhin 90 Lienener verfügen über diese Berechtigung. Ein großer Waffenschein ist dagegen derzeit im gesamtem Kreisgebiet nicht ausgestellt.

Samstag, 17.08.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 17.08.2019, 10:48 Uhr
Wer außerhalb seiner Wohnung, seiner Geschäftsräume oder seines befriedeten Grundstücks eine Schreckschuss-, Reizstoff oder Signalwaffe mit sich führen will, benötigt dafür den kleinen Waffenschein.
Wer außerhalb seiner Wohnung, seiner Geschäftsräume oder seines befriedeten Grundstücks eine Schreckschuss-, Reizstoff oder Signalwaffe mit sich führen will, benötigt dafür den kleinen Waffenschein. Foto: dpa

Da hat einer ganz offensichtlich den sprichwörtlichen Schuss nicht gehört: Waffen auf einer Kirmes sind zwar an sich nichts Ungewöhnliches. Wer sich allerdings nicht damit begnügt, nur in der Schießbude zur Knarre zu greifen, sondern – wie am vergangenen Wochenende ein junger Mann beim Stöppelmarkt in Lengerich – eine Schreckschusswaffe im Hosenbund präsentiert, der kann, wie im besagten Fall, im Polizeigewahrsam landen. „Das Tragen bei öffentlichen Veranstaltungen ist verboten“, betonte Reiner Schöttler, Pressesprecher der Kreispolizei Steinfurt, auf Nachfrage dieser Zeitung. Voraussetzung, derartige Waffen überhaupt mitführen zu dürfen, sei zudem der sogenannte kleine Waffenschein. Diesen besitzen auch in Lienen etliche Personen.

Erwerb von Schreckschusswaffen erlaubnisfrei

Immerhin 90 dieser Dokumente, für deren Ausstellung „die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Antragstellers“ geprüft werden, sind für Einwohner der Gemeinde ausgestellt. Wofür, darüber könnte man nur spekulieren. Da der reine Erwerb von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen für jeden Erwachsenen ab 18 Jahren erlaubnisfrei sei, lasse sich auch nichts über die Zahl der entsprechenden Waffen in Lienen sagen.

33. 271 Schusswaffen im Kreis registriert

Doch auch Angaben dazu, wie viele registrierungspflichtige Waffen es in der Gemeinde gibt, sind bei der Polizei nicht (mehr) so einfach auf Knopfdruck verfügbar. „Das neue Waffenregister lässt nur begrenze Recherchemöglichkeiten zu“, erklärt Reiner Schöttler. Zahlen auf Ortsebene könne die Polizei deshalb nicht nennen, nur für den gesamtem Kreis Steinfurt. Dort waren 2018 insgesamt 33. 271 Schusswaffen (5932 Kurzwaffen, 27 .339 Langwaffen) registriert – bei rund 440 000 Einwohnern. Diese Waffen seien im hiesigen Kreis, so der Pressesprecher, nur im Besitz von Jägern und Sportschützen, die dafür einen Jagdschein beziehungsweise eine sogenannte Waffenbesitzkarte benötigen.

Strenge Kriterien für großen Waffenschein

Einen großen Waffenschein hat laut Schöttler übrigens niemand im Kreis Steinfurt. Dieser erlaubt den Besitz einer scharfen, unter das deutsche Waffengesetz (WaffG) fallenden Waffe und auch deren Führen in der Öffentlichkeit. Der große Waffenschein wird nur ausgestellt, wenn man strenge Kriterien erfüllt und unter anderem über ein einwandfreies Führungszeugnis verfügt und eine gewisse Bedürftigkeit glaubhaft machen kann wie zum Beispiel die Notwendigkeit zum Selbstschutz oder die Tätigkeit als Personenschützer.

Aufbewahrungsvorschriften 2017 verschärft

Einen besseren Schutz vor dem missbräuchlichen Einsatz von Waffen bieten soll die im Jahr 2017 verabschiedete Verschärfung der Aufbewahrungsvorschriften für Waffen. Zu einem Rückgang der Waffenanzahl haben die höheren Auflagen im Kreis Steinfurt nicht geführt. Im Gegenteil: 2018 waren es 1487 mehr als im Vorjahr – zumindest auf den ersten Blick. „Rein statistisch ist die Gesamtzahl zwar deutlich angestiegen. Dies hängt allerdings damit zusammen, dass wesentlich Waffenteile wie zum Beispiel der Schalldämpfer für Jäger, den Schusswaffen gleichgestellt worden sind und in der Statistik inzwischen wie eine komplette Waffe auftauchen“, so die Erklärung der Polizei. Tatsächlich habe die Zahl der Waffen aber nicht in diesem Umfang zugenommen. „Davon abgesehen, gelten die geänderten Vorschriften auch nur für die Neuanschaffung von Sicherheitsbehältnissen beziehungsweise bei Neuanträgen. Die bis zum 6. Juli 2017 legal benutzen Sicherheitsbehältnisse dürfen weiterhin verwendet werden.“

Möglichkeit zur straffreien Rückgabe kaum genutzt

Die im Rahmen der Gesetzesänderung von 2017 festgelegte Möglichkeit, straffrei binnen zwölf Monaten illegal besessene Waffen abzugeben, wurde übrigens nur in einem sehr überschaubaren Maß in Anspruch genommen. „Kreisweit wurden 29 Schusswaffen abgegeben“, so die Polizei. Etwas, was für den jungen Mann mit seiner – nicht meldepflichtigen – Schreckschusswaffe auf dem Stöppelmarkt sicherlich die bessere Idee gewesen wäre.

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