Klimadebatte in Warendorfer Reisebüros (noch) kein Thema
Von „Flugscham“ keine Spur

Warendorf -

Es ist ein Thema des Jahres: der Klimawandel. Die Demonstrationen der Fridays-for-Future-Aktivisten beherrschen die Nachrichten. Das Wort „Flugscham“ ist in aller Munde. Viele würden der Umwelt zuliebe auf Flüge und Kreuzfahrten verzichten wollen, heißt es immer wieder. In Warendorf allerdings ist davon nichts zu spüren. 

Donnerstag, 15.08.2019, 19:00 Uhr
Die Aida Nova ist eines der Schiffe, die mit LNG betrieben werden. Das ist deutlich umweltfreundlicher als das herkömmliche Schweröl und wurde auch schon im Reisebüro Goeke nachgefragt.
Die Aida Nova ist eines der Schiffe, die mit LNG betrieben werden. Das ist deutlich umweltfreundlicher als das herkömmliche Schweröl und wurde auch schon im Reisebüro Goeke nachgefragt. Foto: dpa

In den Reisebüros der Emsstadt wird fleißig weiter gebucht. Flugreisen und Kreuzfahrten stehen weiter hoch im Kurs. „Bei uns ist von der Klimadebatte nichts spürbar. Wir hatten noch keinen Kunden, der uns darauf angesprochen hat“, erklärt Hendirk Peitz vom Reisebüro Lückertz. Niemand habe nach einer Alternative zum Fliegen oder zur Kreuzfahrt gefragt.

Türkei wieder stark nachgefragt

„Vielleicht sprechen die Menschen zu Hause darüber und kommen dann erst gar nicht hierher, aber bei uns ist das bis jetzt noch kein Thema gewesen“, so Peitz, der auch über die aktuellen Reisetrends berichtet. Spanien sei nach wie vor beliebt, häufig nachgefragt in dieser Saison seien auch die Urlaubsinsel Bali in Indonesien und die Vereinigten Staaten. „Wieder deutlich stärker nachgefragt wird die Türkei. Da ist einfach ein super Preis-Leistungsverhältnis zu haben“, so Peitz.

Dass die Angst vor oder der Boykott der türkischen Regierung keine große Rolle spielen, merkt auch Axel Goeke vom gleichnamigen Reisebüro. Die Nachfrage nach dem Türkei-Urlaub sei bei ihm wieder deutlich angestiegen. Der USA-Besuch dagegen sei offenbar nicht mehr so beliebt. „Ich glaube schon, dass das auch an Trump liegt“, sagt Goeke, der wiederum von einem starken Interesse an Großbritannien-Rundreisen berichtet. Auch hier spiele die Politik eine große Rolle: „Viele Menschen scheinen Angst zu haben, dass nach dem Brexit, die Einreise ins Vereinigte Königreich schwerer wird.“ Er selbst glaubt, dass das nicht passieren wird: „Bei einem harten Brexit kommt es vielleicht sogar zur Kursverlusten des Pfunds, und dadurch werden die England-Aufenthalte sogar günstiger.“

Keine Bedenken geäußert

Auch im Reisebüro Goeke spielt die aktuelle Klimadebatte keine große Rolle. Flugreisen und Kreuzfahrten würden weiter gut nachgefragt. Niemand habe diesbezüglich nach Alternativen gefragt oder Bedenken geäußert. „Mir ist nur aufgefallen, dass einige Kunden nach Ausgleichszahlungen fürs Fliegen gefragt haben.“ Inzwischen werden Ausgleichszahlungen zum CO2-Verbrauch in Form von Spenden zur Wiederaufforstung oder anderer Umweltprojekte angeboten.

„Einige Kreuzfahrt-Interessierte wollten gerne mit Schiffen fahren, die mit Flüssiggas, also deutlich umweltfreundlicher, unterwegs sind. Das neuste AIDA-Schiff zum Beispiel“, so Axel Goeke, der auch Island als beliebtes Urlaubsziel in diesem Jahr nennt. Die EM 2016 und viele Filme und Serien mit Island-Bildern hätten für einen Reisetrend in das nördliche Land gesorgt.

Fernreisen sind auch im Reisecenter Dr. Krimphove gefragt. „Australien und die USA sind viel nachgefragt“, stellt Michaela Krimphove fest. Auch bei ihren Kunden stehe die Türkei wieder hoch im Kurs. Das könnte auch ein Grund für den leichten Nachfrage-Rückgang bei der eigentlichen Reisehochburg der Deutschen, Mallorca, sein. Das Preis-Leistungsverhältnis sei in der Türkei oft besser.

Mehr Flüge im vergangenen Jahr

Nachfragen nach umweltfreundlichen Alternativen habe es bislang noch nicht gegeben. Fazit: Bei den Warendorfern scheint der Verzicht auf Fliegen oder Kreuzfahrten noch kein Thema zu sein. Und auch im Bundestrend spiegelt sich der „Flugscham“ nicht wider. Die Abflüge und Ankünfte der deutschen Flughäfen sind im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent auf 240 Millionen angestiegen, so das Statistische Bundesamt.

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