Eseltrekking
Eigensinn hat lange Ohren

Lengerich -

Wandern ist in. Varianten gibt es dabei reichlich. Manche sind allein unterwegs, andere zu zweit oder in der Gruppe. Und wieder andere machen sich mit Eseln auf die Socken. In Lengerich besteht dazu die Möglichkeit.

Mittwoch, 14.08.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 14.08.2019, 15:52 Uhr
Entschleunigung pur erlebt, wer mit einem Esel durch die Landschaft wandert. Möglich ist das bei Familie Weiligmann im Außenbereich von Lengerich, dicht an der Grenze zu Natrup-Hagen.
Entschleunigung pur erlebt, wer mit einem Esel durch die Landschaft wandert. Möglich ist das bei Familie Weiligmann im Außenbereich von Lengerich, dicht an der Grenze zu Natrup-Hagen. Foto: Jens T. Schmidt

Ein bisschen versteckt liegt der Hof von Dunja und Ludger Weiligmann im Außenbereich von Lengerich. Auf der Weide links grasen Ziegen, der Hofhund liegt faul in der Sonne. Zwei Ponys haben niedliche Fohlen. Und auf dem Paddock gleich nebenan stehen sie, die Stars des Hofs: neun Esel. Zwergesel, Hausesel, Großesel, von handlichen 99 Zentimetern Stockmaß bis hin zu beeindruckenden 1,58 Metern. Einige hellgrau, andere bräunlich bis fast schwarz. Zahm sind sie alle, und natürlich haben alle diese herrlich langen, flauschigen Ohren.

Wir werden von Dunja Weiligmann in Empfang genommen. Sie ist diejenige mit dem Eselverstand in der Familie. Ehemann Ludger und die Töchter Julietta (10) und Elisa (8) packen aber kräftig mit an. Die 43-Jährige bringt uns gleich in den Paddock. Jeder Wanderer darf seinen Esel selbst aussuchen. Manchmal, wie in unserem Fall, läuft es aber auch andersherum. Während uns Dunja über die verschiedenen Rassen aufklärt – ihre persönlichen Lieblinge sind Pyrenäenesel – und die einzelnen Tiere namentlich und mit ihren individuellen Charaktereigenschaften vorstellt, kommen Tsara und Lilli zu uns und wollen gestreichelt werden. Jedenfalls ist das unser Eindruck und ich komme dem Wunsch der gemütlichen Tiere gerne nach.

Nachdem sich die Paare aus Mensch und Tier gefunden haben, geht es quasi zum näheren Kennenlernen erst einmal an die Fellpflege. Es darf ordentlich gebürstet werden. Dabei lernen wir: „Ein Esel muss stauben – alles andere ist ungesund.“ Dazu gibt es eine kurze „Gebrauchsanweisung“. Einen Esel zu führen ist nämlich gar nicht so leicht. Während sich die meisten Pferde bereitwillig in die Zugrichtung des Stricks fügen, würde sich ein Esel bei permanentem Zug einfach mit seinem ganzen Gewicht dagegenstemmen. Sie sind halt eigenwillig. Also lernen wir, immer nur kurz am Strick zu zupfen und ihn dann wieder freizugeben. Das funktioniert ganz gut mit etwas Übung.

Dann geht es ins Gelände. Dort ist ganz wichtig: Der Esel darf nicht fressen. Erstens neigt er schnell zu Übergewicht und bekommt daher überwiegend mageres Heu. Zweitens gibt es im Wald giftige Pflanzen. Jetzt gilt es, sich durchzusetzen, gleich zu Beginn. Meine Tsara, eine Poitou-Mischung aus Frankreich, ist groß und stark und – nun ja – frisst gern und ist da auch sehr auf Zack. Ich muss sie genau beobachten, um zeitig einzuschreiten.

Nachdem wir die „Fronten“ geklärt haben, beginnt die Entschleunigung. Zusammen mit Ludger Weiligmann wandern wir durch Wald und Feld. Auf der Hälfte der Strecke steht eine Picknickpause an, dann dürfen auch Tsara und Lilli ein wenig naschen. Nach einer weiteren Stunde kommen wir wieder auf dem Hof an und stärken uns zum Abschluss mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen.

Von Dunja erfahren wir, wer sonst noch so Eselwanderungen bucht. Gleich nach uns kommen einige junge Frauen, die Junggesellinnenabschied feiern. Weiligmanns bieten aber auch Kindergeburtstage, Betriebsausflüge und Teambuildingmaßnahmen an. Letztere sind für die Hofherrin oft besonders spannend. Denn Esel, so weiß sie, spiegeln mit ihrem Verhalten gern die Persönlichkeit ihres Menschen. So kann sie die „Eseldiagnose“ gleich in die weitere Arbeit mit der Gruppe einfließen lassen.

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