Auf vier Seiten im neuen „Spiegel“
Mopsdame Wilma ist wieder da

Ahlen -

Mopsdame Wilma ist zurück in den Medien. Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ widmet der Affäre in der aktuellen Ausgabe vier Seiten. Ende vergangener Woche entschied das Amtsgericht Ahlen, den Fall an das Landgericht Münster abzugeben.

Sonntag, 21.07.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 22.07.2019, 10:39 Uhr
Ein deutsches Hundeleben kann ganz schön turbulent sein: Edda, von ihrem jetzigen Frauchen in Wilma umbenannt, hat in ihrem jungen Hundeleben schon einen Streifen mitgemacht.
Ein deutsches Hundeleben kann ganz schön turbulent sein: Edda, von ihrem jetzigen Frauchen in Wilma umbenannt, hat in ihrem jungen Hundeleben schon einen Streifen mitgemacht. Foto: Ulrich Gösmann

Plötzlich ist er wieder da – der Mops aus Ahlen. Wie hieß die süße Hundedame noch? Richtig: Edda vom Cappenberger See, von ihrer neuen Eigentümerin Michela Jordan auf Wilma umgetauft. „Der Spiegel“ widmet Wilma in seiner neuesten Ausgabe, die seit Samstag an Kiosken und Buchhandlungen erhältlich ist, eine vierseitige Geschichte. Die Nachricht darüber verbreitet sich seitdem in der Wersestadt in Windeseile.

Doch die Ruhe um die Mopsdame war ohnehin trügerisch. Erst Ende vergangener Woche entschied das Amtsgericht Ahlen, den Fall an das Landgericht Münster abzugeben. Die weiteren Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des erhobenen Betrugsvorwurfs gegen den städtischen Vollziehungsbeamten, den „Der Spiegel“ in Michalski umbenannt hat, und der den Mops bei einer Familie in Dolberg aufgrund aufgelaufener Steuerschulden bei der Stadt kurzerhand pfändete, laufen im Hintergrund indessen weiter.

Ob die Pfändung rechtens war, wird auch noch die Gerichte beschäftigen, denn der Anwalt der Mops-Eigentümerin, die das Tier der Stadt für 690 Euro abkaufte, hat neben der Zivilklage auf Ersatz der aufgelaufenen Tierarztkosten im Auftrag seiner Mandatin nicht nur gegen den Vollziehungsbeamten Klage erhoben, sondern die Klage auf Amtshaftung erweitert. Hiernach haftet der Staat auf Ersatz der Schäden, die durch eine schuldhafte Amtspflichtverletzung eines Amtsträgers in Ausübung eines öffentlichen Amts verursacht werden. Dafür ist beim Landgericht eine eigene Kammer zuständig.

Pfändung ein Fall für die Justiz

Wilma, so ist es auch im „Spiegel“ zu nachzulesen, ist wegen eines Augenleidens fortlaufend in Behandlung und alles andere als wie in der Verkaufsanzeige bei Ebay behauptet „kerngesund“.

Mit der Klage auf Amtshaftung verbindet Anwalt Wolfgang Kalla die Erwartung, dass die Frage der Zulässigkeit der Pfändung, die die Konfiszierung von Haustieren grundsätzlich ausschließt und nur in Ausnahmefällen zulässt, im Sinne der Rechtsklarheit geklärt wird. Die von der Stadt beauftragte Anwaltskanzlei Wolter Hoppenberg in Hamm kommt in einer 19-seitigen Prüfung des Sachverhalts, die ausdrücklich kein Gutachten ist, zum positiven Ergebnis im Sinne der Stadt; Rechtsanwalt Kalla ist vom Gegenteil überzeugt.

Ich dachte, einen Vernünftigen muss es doch da drin geben.

Michaela Jordan

Bürgermeister Dr. Alexander Berger tat sich schwer, dem „Spiegel“-Redakteur einen Gesprächstermin einzuräumen, es fand laut Bericht erst im April dieses Jahres statt.

Die betroffene Dolberger Familie und Michaela Jordan, die sich mit dem Satz zitieren lässt, „Ich dachte, einen Vernünftigen muss es doch da drin geben“ (gemeint ist das Ahlener Rathaus), hoffen nur eins: Dass die Stadt nicht ungeschoren davon kommt.

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