Elfte Woche!
Rund ums Rattenhaus: Der Ekel nimmt kein Ende

Ahlen -

Was noch alles tun? Verzweiflung macht sich rund ums Ahlener Rattenhaus breit. Nachbarn denken laut darüber nach, ausziehen zu wollen. Der Ekel geht jetzt in die elfte Woche.

Dienstag, 16.07.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 19:33 Uhr
Sperre zwischen den Sprossen: Cordula Held hat die Ratten oben auf dem Zaun lang dran runter laufen sehen.
Sperre zwischen den Sprossen: Cordula Held hat die Ratten oben auf dem Zaun lang dran runter laufen sehen. Foto: Ulrich Gösmann

Ausziehen? Erstmals denkt Mary Kühn-Schrein laut darüber nach. Die Nähe zum Rattenhaus am Lütkeweg – in der elften Woche kaum noch zu ertragen, weil der Ekel kein Ende nehmen will. Nebenan sollen erste Mieter bereits gepackt haben, wie sie hörte.

Cordula Held, Mitbewohnerin und Leidensgenossin im benachbarten Mietshaus an der Roonstraße, ist außer sich: „Die legen vier Wochen Köder aus und dann ist gut? Dass das nicht noch mal nachkontrolliert wird, ob da noch Nester sind.“ Mary Kühn-Schrein setzt an die Adresse der städtischen Ordnungsabteilung nach: „Ich frage mich, wie hampelmannmäßig man mit dem Besitzer umgeht?“ Fakt sei: Die Ratten kommen immer noch rüber in ihren Garten. „Durchweg! Mal eine große, mal eine kleinere. Mal eine dicke, mal eine dünnere.“ Cordula Held bestätigt: „Sie laufen sogar oben auf der Zaunspitze lang dran runter.“

Not macht erfinderisch: Mary Kühn-Schreins Mann Peter setzte soeben eine Sperre quer in den ersten Sprossenspalt. Weitere Bretter versperren unten den Weg zwischen Gartenzaun und Garagenhof. Und dennoch laufen sie. „Kein Wunder“, sagt Mary Kühn-Schrein. Der Auflage, seinen Schuppen abzudichten, sei der Besitzer nur halbherzig nachgekommen, Dichtungswolle werde „von den Viechern“ regelrecht rausgefressen.

Ich frage mich, wie hampelmannmäßig man mit dem Besitzer umgeht?

Mary Kühn-Schrein

Die vielen Facebook-Kommentierungen werten die Damen als Beweis, dass es auch an anderen Stellen in der Stadt Probleme gebe. Cordula Held ermutigt Betroffene: „Macht es bitte öffentlich, damit auch wirklich was passiert.“ Im Rattenhaus selbst sollen – so weit der Flurfunk – zwei Mieter gerade ausgezogen sein. Aus einer anderen Wohnung sei zu hören, dass die Nager munter am Familienleben teilnehmen und sogar aus der Toilette kriechen.

Michael Göttfert, Leiter der städtischen Ordnungsbehörde, bestätigt auf Redaktionsanfrage, dass nach einem weiteren Ortstermin erneut ein Auftrag an den Hausbesitzer ergangen sei, den Bekämpfer einzusetzen. Was bereits in der Vorwoche hätte passieren sollen. Wegen voller Auftragsbücher sei aber auf diese Woche vertröstet worden. Sollten tatsächlich Ratten durch eine Wohnung laufen, dann sei das natürlich ein Fall für das Gesundheitsamt. Doch, so Göttfert, das seien Gerüchte, mit denen vorsichtig umzugehen sei. „Wir werden den Eigentümer aber darauf ansprechen.“

So ein Dauerproblem wie am Lütkeweg haben wir in Ahlen zur Zeit an keiner zweiten Stelle.

Michael Göttfert (Ordnungsamt)

Das Ordnungsamt stehe zudem mit dem Abwasserwerk in Kontakt. „Wir haben nachgehört, wie es da unten im Kanalnetz aussieht“, sagt Michael Göttfert. Von dort habe er die Rückmeldung erhalten, dass gerade eine Fachfirma im Stadtgebiet unterwegs sei und Köder auslege. Die Situation insgesamt stuft der Ordnungshüter als normal ein. Mit einer Ausnahme: „So ein Dauerproblem wie am Lütkeweg haben wir in Ahlen zur Zeit an keiner zweiten Stelle.“

Cordula Kühn-Schrein sieht sich in der elften Woche als Expertin: „Ich weiß inzwischen genau, was Ratten lieben und was nicht. Sie mögen keine Nelken und Rosen, aber Stiefmütterchen.“ Von denen sei keine mehr in ihrem Garten zu finden.

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