Studie empfiehlt Schließung
Heftige Debatte um Kliniken

Düsseldorf/Münster -

Weniger Kliniken – bessere Versorgung? Nicht das Krankenhaus in der Nähe, sondern die Erfahrung der Ärzte und Pflegekräfte ist für eine sichere medizinische Versorgung entscheidend. Die wäre nach einer am Montag veröffentlichten Modellrechnung der Bertelsmann-Stiftung mit bundesweit weniger als 600 Kliniken eher gewährleistet – also mit etwas mehr als einem Drittel der aktuell rund 1400 Krankenhäuser.

Montag, 15.07.2019, 19:38 Uhr aktualisiert: 15.07.2019, 20:05 Uhr
Studie empfiehlt Schließung: Heftige Debatte um Kliniken
Mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland sollte nach Ansicht von Fachleuten geschlossen werden, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Foto: Fabian Sommer

Das Modell wurde auf Basis der Region Köln/Leverkusen berechnet, wo 14 statt derzeit 38 Kliniken eine bessere Versorgung bieten würden, ohne dass Patienten viel längere Fahrzeiten hätten. Es sei weniger die reine Entfernung wichtig, sagte Bertelsmann-Experte Jan Böcken, als „der Zugang zu einer guten Versorgung“.

Die finde man dort, wo Ärzte und Pflegekräfte besonders viel Erfahrung auf ihrem Gebiet haben. Zahlen für das Münsterland mit ­seinen 28 Kliniken liegen nicht vor. „Die Argumentation kann man aufs Münsterland übertragen, die Zahlen nicht“, so Böcken. Damit die am besten qualifizierten Kliniken erhalten bleiben, nicht die sparsamsten, brauche es eine politische Entscheidung.

Die Krankenhausgesellschaft NRW rügte, das Modell unterschlage die Umbaukosten von 3,3 Milliarden Euro. Viele Häuser hätten private Träger, ein Eingriff in bestehende Einrichtungen könne nicht einfach verfügt werden.  

Kommentar: Radikalkur wäre falsch

Die Idee einer Strukturbereinigung in der verzweigten deutschen Kliniklandschaft ist alles andere als neu. So radikal wie die Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung fiel aber bisher keine Studie aus. Und genau dies macht die Bewertung aus Gütersloh am Ende so wenig konstruktiv. Wenn man bei einem Planspiel allein auf Kosten und Qualität schaut, blendet man für Patienten so wichtige Faktoren wie Erreichbarkeit und Nähe aus. Der Sturm der Entrüstung spricht Bände.

Schlimm ist, dass mit dem Extremszenario, unterm Strich jedes zweite Haus zu schließen, viele bestehende Krankenhäuser einem Generalverdacht ausgesetzt werden: Sie seien zu teuer und in puncto Leistung nicht akzeptabel. Nur gut, dass die Krankenhausplanung in Deutschland mehrere Mitspieler hat. Politik, Krankenkassen und die Kliniken selbst müssen hierzulande nach den besten Wegen suchen.

Radikalkuren Marke Bertelsmann sollten nicht dazugehören. Dann doch besser den Weg fortsetzen, der schon in der Vergangenheit zum deutlichen Bettenabbau, zur Schließung vieler Häuser und Schaffung neuer Klinikverbünde geführt hat. Auch das Münsterland hat diese Umbrüche an vielen Stellen erlebt. Wolfgang Kleideiter

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