Eichenprozessionsspinner
Neue Erfindung aus Emsdetten befördert Raupen ins Insekten-Jenseits

Emsdetten -

Kein Mitleid: Dirk Hensing hat ein Gerät erfunden, das Eichenprozessionsspinner mit einem heißen Schaum tötet. Das Verfahren hat er jetzt vorgestellt. Die Bedenken hielten sich in Grenzen. Trotzdem wird es wohl noch dauern, bis das Gerät verfügbar ist.

Freitag, 28.06.2019, 19:02 Uhr
Dampfendes Schaumwasser bereitet den Eichenprozessionsspinnern den Garaus. Der Emsdettener Dirk Hensing will mit dem Verfahren den Insekten das Leben schwer machen.
Dampfendes Schaumwasser bereitet den Eichenprozessionsspinnern den Garaus. Der Emsdettener Dirk Hensing will mit dem Verfahren den Insekten das Leben schwer machen. Foto: Axel Roll

Es zischt nicht mal. Das dampfende Schaumwasser blubbert leise aus dem Mini-Duschkopf und genauso geräuschlos lassen sich die zahnstocherlangen Raupen mit den fiesen Härchen auf dem Rücken von dem Schwall in die Tiefe reißen. Da liegen sie nun zwischen den Baumwurzeln, Hunderte der gefürchteten Eichenprozessionsspinner. Abgekocht und mausetot. „Und jetzt völlig harmlos“, wie Dirk Hensing sagt.

Das 97 Grad heiße Wasser habe die Eiweißstrukturen der Raupen zerstört und sie damit nicht nur ins Insekten-Jenseits befördert, sondern die gefährlichen Brennhaare gleich mit unschädlich gemacht, erklärt der Emsdettener Unternehmer, der eigentlich sein Geld mit Selbstbedienungsautomaten verdient. Seit einiger Zeit beschäftigt sich Hensing aber auch mit umweltfreundlicher Unkrautvernichtung. Und als dann im vergangenen Jahr die Invasion der Eichenprozessionsspinner auch vor dem Münsterland nicht haltmachte, kam ihm plötzlich die Idee: Was Brennnesseln und Disteln kleinkriegt, müsste doch auch gegen die haarigen Baumbesatzer helfen. . .

Der „EPS-Killer“

„Ja und dann haben wir die Sonde einfach mal in einen befallenen Baum gehalten. Und siehe da: Die Raupen waren tot“, erzählt Dirk Hensing. In den folgenden Monaten hat er mit seinen Mitarbeitern das Verfahren fein getunt. Selbstbewusst und ein bisschen martialisch hat er es „EPS-Killer“ getauft und bietet es mittlerweile sowohl für den eigenen Garten als auch in der Profi-Ausführung für Städte und Gemeinden an, die täglich gegen die Raupenplage kämpfen.

Der Profi-Killer passt auf einen kleinen Autoanhänger und sieht einem normalen Dampfstrahler ähnlich. Und so funktioniert die ganze Geschichte auch. Das Wasser wird mit dem Aggregat auf Temperatur gebracht, mit einem speziellen Schaum versetzt und per verlängerbarer Lanze an den Baum gebracht, um die Prozessionsspinner abzuspülen. Das heiße Wasser allein reicht eigentlich, um aus den Krabbeltieren Vogelfutter zu machen. Dirk Hensing: „Der Schaumteppich verlangsamt nur das Auskühlen des Wassers, mehr nicht.“ Dadurch könne die Hitze länger und intensiver auf die Tiere einwirken. Der Schaum selber sei biologisch völlig unbedenklich: „Der besteht aus Kartoffel- und Maisstärke, Kokosnusssaft und Palmkern­öl.“

Verfahren wird diskutiert

Spritzen mit Insektengift oder Absaugen mit speziellen Staubsaugern – mit diesen beiden Methoden gehen die meisten Kommunen gegen die relativ neue Raupenplage in der Regel vor. Dirk Hensing hofft, mit seiner Methode einen Fuß in die Tür zu bekommen. Er hält das Verfahren für schneller, sicherer und ökologisch unbedenklich.

Tatjana Hensing ist Teamleiterin bei der Stadt Emsdetten im Fachdienst öffentliche Ordnung und Zeugin, wie bei dieser Demonstration in der Eichenallee die Raupen wie Fallobst vom Stamm plumpsen. Die Treffsicherheit des Killers steht für sie außer Frage. Spontan macht sie sich nur Gedanken darüber, was die Bürger zu den Bergen von Raupenleichen sagen, die nach so einer Baumbehandlung am Boden zurückbleiben.

„Ehe wir das Verfahren einsetzen, werden wir aber erst einmal alle fachkundigen Behörden um eine Stellungnahme bitten“, erläutert die Teamchefin das weitere Vorgehen. Und während sie das sagt, schieben sich aus der Baumkrone die ersten Karawanen von Eichenprozessionsspinnern über die gerade freigespülte Rinde Richtung Boden.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke
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