Versuchte räuberische Erpressung
Angeblicher Pate zu über drei Jahren Haft verurteilt

Nordwalde/Rheine -

Er wollte offenbar 700 000 Euro erpressen und gab sich als „Pate aus Hamburg“ aus: Das Schöffengericht in Rheine hat einen 31-jährigen Nordwalder zu drei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Angeklagte habe sein Opfer massiv eingeschüchtert.

Dienstag, 25.06.2019, 20:00 Uhr
Versuchte räuberische Erpressung: Angeblicher Pate zu über drei Jahren Haft verurteilt
Im Prozess um versuchte räuberische Erpressung ist ein Urteil gefallen: Das Schöffengericht in Rheine verurteilte einen Nordwalder zu mehr als drei Jahren Haft. Foto: dpa

„Der Pate aus Hamburg“, wie sich der 31-jährige Angeklagte aus Nordwalde selbst bezeichnet hatte, wurde gestern vom Schöffengericht in Rheine verurteilt. Wegen versuchter räuberischer Erpressung von 700 000 Euro in Tateinheit mit gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung muss er für drei Jahre und drei Monate in Haft. Bewährung gibt es nicht.

Der Staatsanwalt hatte vier Jahre Haft beantragt. Der Verteidiger des Angeklagten sah eine Bewährungsstrafe bis zwei Jahre als ausreichend an, im Höchstfall drei Jahre. Der Angeklagte sitzt bereits in Untersuchungshaft. Nach dem Urteil musste er zurück in die Zelle, der Haftbefehl blieb bestehen.

Keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit

Der Nordwalder hatte in seiner Anhörung behauptet, sich nur „scherzhaft als Pate“ bezeichnet zu haben. Eine vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachterin schloss in der gestrigen Verhandlung eine psychische Erkrankung bei den Taten aus. Sie sah auch keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Das sei bei der Menge an Drogen, die der Angeklagte nach eigenen Angaben früher konsumiert hatte, undenkbar.

Die Psychiaterin war hinzugezogen worden, weil der Angeklagte angegeben hatte, kurz vor der Tat einen „kalten Entzug mit Vergiftungserscheinungen“ durchgemacht zu haben. Seitdem hätte er keine Drogen mehr konsumiert. Er sei aus diesem Grund am Tattag in einer psychischen Ausnahmesituation gewesen. Auf die Frage der Gutachterin nach seinem vorherigen Marihuana-Konsum antwortete der Angeklagte: „Ich habe täglich zwei bis drei Gramm geraucht.“

Um das Leben von Freundin und Kind gefürchtet

Gravierend lastete der Staatsanwalt dem Angeklagten die massive Einschüchterung seines Opfers an, die sich schon in der Bezeichnung als Pate darstelle: „Der Geschädigte hat sehr glaubhaft und stimmig den Tathergang beschrieben.“ Demnach hatte der Angeklagte unter Anwendung von Gewalt 700 000 Euro gefordert. Er warf dem Opfer vor, Drogen in diesem Wert aus einem Transit gestohlen zu haben.

Der Geschädigte wies das von sich und ging zur Polizei. „Ich habe um Leib und Leben meiner Freundin und unseres Kindes gefürchtet“, sagte er im Zeugenstand. Der Angeklagte hätte gedroht, den Beischlaf mit seiner Freundin vor seinen Augen zu vollziehen und ihm Säure ins Gesicht zu schütten. Er hätte ihm auch Fotos von seinem Pkw gezeigt. Der Angeklagte hätte gesagt, dass er das Opfer seit 18 Monaten mit Unterstützung der „Hells Angels“ observieren würde.

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