Interview
Fahrlehrer Michael Echelmeyer über E-Scooter

Tecklenburger Land/Münster -

Jetzt darf man sie fahren. Ohne Führerschein. Und wenn man will sogar ohne Helm. E-Scooter. Wir haben mit dem zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Westfalen über die neuen Leih-Roller gesprochen, die seit dem 15. Juni zulässig sind.

Montag, 24.06.2019, 13:12 Uhr aktualisiert: 24.06.2019, 13:56 Uhr
Interview: Fahrlehrer Michael Echelmeyer über E-Scooter
Elektrisch angetriebene Leih-Tretroller gibt es auch an verschiedenen Stellen in Münster. Foto: Stefan Werding

Fahrräder sind die Münsteraner gewöhnt, jetzt kommen auch noch E-Scooter dazu. Zeitgleich mit Düsseldorf, Berlin und München gehört Münster zu den ersten sieben Städten, in denen elektrisch angetriebene Leih-Tretroller des Berliner Startup-Unternehmens Tier zu finden sind. Wir haben mit Michael Echelmeyer, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Westfalen, gesprochen. Er führt den Bezirk Münster sowie den Unterbezirk Ibbenbüren.

Herr Echelmeyer, was hält ein Fahrlehrer von E-Scootern?

Michael Echelmeyer: Wir sind skeptisch bei der Sache. Man fährt dann mit 20 km/h auf Radwegen. Gut ist, dass E-Scooter nicht auf Fußwege dürfen. Das Gefahrenpotenzial wäre zu groß. Man muss aber keine Schulung machen, um sie fahren zu dürfen. Man muss wie beim Moped nur eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Fürs Moped braucht es aber schon einen Führerschein?

Echelmeyer: Das geht ja bei der Mofa schon los: 90 Minuten Fahrstunde und eine theoretische Prüfung.

E-Tretroller kommen: Neue Mobilität oder Sicherheitsrisiko?

1/17
  • E-TRETROLLER ALS ALTERNATIVE: Besonders staugeplagte Großstädter sollen mit «E-Scootern» eine neue Mobilitätsmöglichkeit bekommen. Per E-Roller könnte es zum Beispiel schneller von der U- und S-Bahn oder einer Bushaltestelle weiter nach Hause oder zur Arbeit gehen.

    Foto: dpa
  • UM DIESE FAHRZEUGE GEHT ES: Die Roller, die oft einige hundert Euro oder mehr kosten, dürfen bis zu 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell sein. Sie dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang. Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm.

    Foto: dpa
  • WER E-TRETROLLER FAHREN DARF: E-Roller, die nur weniger als 12 km/h fahren können, sollen bereits für Jugendliche ab 12 Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Eine Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen.

    Foto: dpa
  • WO SIE FAHREN DÜRFEN: Einfach überall herumbrausen dürfen die neuen E-Fahrzeuge, deren Akku nach Branchenangaben an Steckdosen geladen werden können, nicht. Bei weniger als 12 km/h dürfen die Gefährte innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren.

    Foto: dpa
  • WELCHE SICHERHEITS-ANFORDERUNGEN KOMMEN: Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf. Ebenfalls vorgeschrieben werden seitliche Reflektoren und mindestens eine «helltönende Glocke».

    Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • WAS SCHEUER NOCH PLANT: Die Bundesregierung bereitet auch Regelungen für E-Gefährte ohne Lenkstange vor - das sind Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Hier plant Minister Scheuer eine Ausnahmeverordnung. An den Details dazu wird derzeit noch gearbeitet.

    Foto: dpa

Mofas fahren 25 km/h – das ist ja keine große Differenz...

Echelmeyer: Nein, bei einem Unfall ändern diese 5 km/h auch nicht wirklich viel. Bei E-Scootern fährt man jedenfalls einfach los. Man muss keine Schutzkleidung tragen, auch ein Helm ist nur empfohlen. Beim Mofa gibt es immerhin eine Helmpflicht. Man muss sehen, wie sich das entwickelt.

Was bedeuten E-Scooter für den Straßenverkehr?

Echelmeyer: Es wird dann ein Problem, wenn keine Radwege da sind. Oder zum Beispiel im Bereich der Ibbenbürener Wilhelmstraße, wo Radfahrer die Straße benutzen dürfen. Wenn da auch noch die E-Scooter dazwischen sind... Da fahren Lkw, Pkw, Busse – das wird eng. Eventuell werden die Unfallzahlen steigen. Diese Gefahr sehen wir Fahrlehrer als gegeben an.

Echelmeyer

Michael Echelmeyer ist zweiter stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Westfalen und führt den Bezirk Münster sowie den Unterbezirk Ibbenbüren. Foto: Henning Meyer-Veer

Was stört Sie sonst noch?

Echelmeyer: Es gibt zum Beispiel das Modell ‚AM mit 15‘. AM, das ist eine Rollerklasse bis 45 km/h. Im Moment kann man diesen Führerschein mit 16 machen. In Ostedeutschland gibt es Modellprojekte, das schon mit 15 zu machen, um die Mobilität auf dem Land zu erhöhen. Dafür braucht es die theoretische und praktische Ausbildung sowie eine Prüfung. Dagegen sträuben sich manche Länder noch. Aber ein 14-Jähriger soll mit 20 km/h ohne Schulung und alles auf die Straße? Da stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht. Eine Schulung in irgendeiner Form, und wenn es eine Einweisung ist, wäre super.

Glauben Sie, dass 14-Jährige das komplette Gefahrenpotenzial eines E-Scooters ohne Schulung einschätzen können?

Echelmeyer: Der eine oder ander schon, aber längst nicht alle.

Mit dem Fahrrad kommt man auch locker auf 20 km/h – ist das etwas Anderes als mit einem E-Scooter 20 km/h zu fahren?

Echelmeyer: Ja. Das Treten ist etwas Anderes, als wenn ich da einfach draufstehe und Gas gebe. Gas geben erfordert Koordination und Gefühl. Und nehmen Sie die kleinen Reifen der Scooter. Solange sich alles auf einer ebenen Teerdecke abspielt, läuft das problemlos. Nehmen Sie aber Radwege, die gepflastert sind oder die Radwege in Ibbenbüren, die auch nicht alle toll sind, da kann sich ein so kleines Rad in Unebenheiten schnell verkannten.

Junge Leute mobil zu machen, ist aber an sich nichts Schlechtes...

Echelmeyer. Völlig richtig. Junge Menschen früh in den Straßenverkehr miteinzubeziehen, ist sicherlich gut.

Was würden Sie Käufern eines E-Scooters raten?

Echelmeyer: Einfach fahren üben. Anhalten. Fahren. Anhalten. Fahren. Vielleicht mal eine Gefahrenbremsung üben. Gasgeben. Oder spontanes Ausweichen. Dabei die Kontrolle nicht zu verlieren, das ist mit den kleinen Reifen schwierig. Bevor man in den Straßenverkehr geht, das Ding mal auf dem eigenen Hof kennenlernen. Üben, üben, üben und nicht sofort ab in die City damit.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6719739?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker