Klimaschutz in Telgte
Jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten

Telgte -

Über das Thema Klimaschutz und über das Ausrufen des Klimanotstandes sprachen die WN mit Telgtes Klimaschutzmanager Marco Imberge.

Donnerstag, 20.06.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 20.06.2019, 14:27 Uhr
Klimaschutzmanager Marco Imberge freut sich, dass die Stadt mit dem Klimanotstand ein Zeichen gesetzt hat.
Klimaschutzmanager Marco Imberge freut sich, dass die Stadt mit dem Klimanotstand ein Zeichen gesetzt hat. Foto: Große Hüttmann

Der Rat hat vor wenigen Tagen den Klimanotstand ausgerufen. Was das für Telgte bedeutet und wie weitere Schritte aussehen könnten, darüber hat An­dreas Große Hüttmann mit dem städtischen Klimaschutzmanager Marco Imberge gesprochen.

Herr Imberge, der Rat hat kürzlich den Klimanotstand beschlossen. Was sagen Sie dazu?

Marco Imberge: Als Klimaschutzmanager und auch persönlich finde ich dieses Symbol wichtig und richtig - und freue mich darüber! Die Stadt Telgte macht zwar schon viel im Bereich Klimaschutz, muss ihre Anstrengungen aber noch deutlich verstärken. Wie alle anderen Ebenen auch. Die Europawahl und aktuelle Umfragen zeigen deutlich, dass Umweltschutz für die Menschen immer wichtiger wird. Und die Klimawissenschaft ist sich einig, dass der Mensch für die Klimakrise hauptverantwortlich ist. Wissen und Technik sind vorhanden, aber leider kaum noch Zeit, das Ruder richtig herumzureißen. Schließlich geht es um nichts Geringeres als unsere Lebensgrundlagen: Wir bestimmen, wie dieser Planet aussieht! Zusammenfassend: „It‘s real, it‘s us, it‘s bad, experts agree, there‘s hope!“ (Anthony Leiserowitz)

Der Bürgermeister hat in diesem Zusammenhang angekündigt, verwaltungsintern ein Konzept zur Umsetzung vorzubereiten. Wann und wie wird das geschehen?

Imberge: Es geht nach der Diskussion des Rates hierbei im Wesentlichen um einen Verfahrensweg. Dieser soll sicherstellen, dass bei möglichst allen Entscheidungen der Stadt die Auswirkungen auf das Klima mitgedacht, transparent dargestellt und in die Abwägung einbezogen werden. Das bedeutet, dass der Klimaschutz damit ganz oben auf der Agenda steht. Die inhaltlichen Abwägungen und Entscheidungen muss allerdings der Rat treffen.

Was könnten mögliche Schwerpunkte sein?

Imberge: In Sitzungsvorlagen für den Rat könnten Aspekte wie CO²-Auswirkungen einer Maßnahme oder einer Beschaffung zusätzlich dargestellt werden, wie Flächenversiegelung bei Bauvorhaben. Oder – positiv gesehen – die CO²-Einsparung durch bestimmte technische Maßnahmen, wie Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Inhaltliche Schwerpunkte sehe ich beispielsweise bei der Mobilität im ländlichen Raum und der Klimafolgenanpassung. Denn E-Autos allein sind nicht der Heilsbringer, weil sie genauso Verkehrsflächen benötigen und im Stau stehen. Klimafolgenanpassung ist neben ambitioniertem Klimaschutz sozusagen das zweite Standbein. Da ein bestimmtes Level an Klimawandel nicht mehr zu verhindern ist, müssen wir uns dagegen wappnen. Das dürfte der Dürresommer 2018 eigentlich jedem klar gemacht haben.

Die Stadt ist das eine, gehören nicht auch die Bürger zwingend dazu?

Imberge: Selbstverständlich! Aber nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Unternehmen, Vereine und andere. Denn Klimaschutz ist eine – vielleicht sogar die wichtigste – gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Schlussendlich muss dabei jeder auch für seinen persönlichen Bereich die Frage beantworten, mit welchem Lebensstandard präge ich den CO²-Fußabdruck, den ich auf diesem Planeten hinterlasse. Besser finde ich aber die Sichtweise des CO²-Handabdrucks, der darstellt, welche ökologischen Fortschritte man bereits erreicht hat. Das zeigt, worauf man stolz sein kann und motiviert eher, mehr zu tun.

Wie könnten die Bürger eingebunden werden?

Imberge: Die Stadtverwaltung hält schon jetzt Beratungs- und Informationsangebote zu Fragen rund um das Thema Klimaschutz bereit. Dies kann sicherlich noch intensiviert werden. Wichtig erscheint mir, dass die Bürgerinnen und Bürger bei ganz grundsätzlichen strategischen Weichenstellungen für die Entwicklung Telgtes ihre Meinungen einbringen können. Dazu gibt es in Telgte durchaus gute und erprobte Beteiligungsformate.

Was ist Ihre Hoffnung für das Telgte von morgen, sagen wir das Telgte 2025?

Imberge: Dass Telgte sich auf den Weg gemacht hat, deutlich vor 2050 klimaneutral zu sein. Und somit weiterhin eine lebenswerte und attraktive Stadt ist, in der die Menschen sicher leben können. Ich hoffe, dass die Zeichen der Zeit erkannt und rasch engagiert gehandelt worden ist. Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sollten als Chance begriffen werden, sich zukunftsfähig aufzustellen.

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