Urteil in Viehtransport-Prozess
Verstoß gegen Tierschutzgesetz: „Verletzungen billigend in Kauf genommen“

Westerkappeln/Mettingen/Tecklenburg -

„Sie haben die Schmerzen und Verletzungen der Tiere billigend in Kauf genommen“, sagte der Richter zum Angeklagten. Der Mann aus Mettingen, der Rinder von Westerkappeln aus zum Schlachthof transportiert hatte, ist wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt worden.

Sonntag, 16.06.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 19:34 Uhr
Urteil in Viehtransport-Prozess: Verstoß gegen Tierschutzgesetz: „Verletzungen billigend in Kauf genommen“
Das Archivbild zeigt einen Rindertransport. Foto: dpa

Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz hat das Amtsgericht Tecklenburg in der vergangenen Woche einen Kraftfahrer aus Mettingen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt. Es sah die Vorwürfe der Anklage, nach der vier Rinder im Juni 2016 auf dem Transport vom Gelände eines Westerkappelner Viehhändlers zu einem Schlachthof in Bremerhaven massive Abschürfungen und erhebliche Schmerzen erlitten hatten, als erwiesen an.

„Sie haben die Schmerzen und Verletzungen der Tiere billigend in Kauf genommen“, wandte sich der Richter in seiner Urteilsbegründung an den Angeklagten, der den Doppelstocktransporter beladen und gefahren hatte.

Veterinärmedizinisches Gutachten

Der Mettinger hatte vor einem guten Jahr gemeinsam mit dem Westerkappelner Viehhändler auf der Anklagebank des Tecklenburger Gerichtes gesessen. Die Verhandlung war damals ausgesetzt worden. Auf Wunsch der Verteidiger sollte ein veterinärmedizinisches Gutachten beweisen, dass die Verletzungen der Tiere schon älter gewesen waren und nicht auf dem Transport nach Bremerhaven entstanden sein konnten.

Das Gutachten lag jetzt vor. Da der Westerkappelner inzwischen verstorben ist, musste sich der Mettinger alleine dem weiteren Verfahren stellen. Erneut sagte in der Hauptverhandlung die Tierärztin aus, die die Rinder auf dem Schlachthof in Empfang genommen und an vier der insgesamt 21 Tiere massive Abschürfungen beanstandet hatte. Sie war sicher, dass die Verletzungen daher rührten, dass die Tiere während der Fahrt auf dem oberen Deck des Transporters gegen das Dach gestoßen seien.

Wenn sie berücksichtige, dass ein Transporter nicht höher als vier Meter sei und die 1,40 bis 1,50 Meter hohen Tiere auf dem oberen Deck unterwegs gewesen seien, müsse das Dach rein rechnerisch auf dem Rücken der Tiere gelegen haben, stellte die Zeugin fest.

Ältere Verletzungen

Der Sachverständige hatte unterschiedliche Verletzungen festgestellt. Da eine feingewebliche Untersuchung nicht möglich gewesen sei (die Tiere waren schon geschlachtet, als das Gutachten in Auftrag gegeben wurde, Anm.d.Red.), war der Tierarzt auf die im Schlachthof aufgenommenen Fotos angewiesen. Er konnte Verletzungen ausmachen, die mehrere Tage alt gewesen seien, aber auch eine Reihe von Abschürfungen, die erst wenige Stunden vor der Aufnahme der Bilder entstanden waren. „Das kann wirklich wehtun“, machte der Sachverständige vor Gericht deutlich, dass die Rinder dadurch Schmerzen erlitten hätten.

Dem Einwand der Verteidigerin, die Tiere könnten schon vor dem Transport nach Westerkappeln verletzt gewesen sein, folgte das Gericht nicht. Der Verkäufer aus Hopsten hatte die Rinder am Vortag aus seinem Sammelstall in Sachsen-Anhalt in einem Spezialtransporter nach Westerkappeln gebracht. „Der Anhänger ist extra tiefer gelegt, damit die Rückenhöhe eingehalten wird“, stellte der 32-Jährige klar, dass die Verletzungen unmöglich in seinem Lkw entstanden sein können.

Bezug zu vorigem Gerichtsverfahren

Letztlich hatte das auch der Angeklagte aus Mettingen in seiner Einlassung zu Beginn der Verhandlung gesagt. Er habe das Fahrzeug nach der Verladung der Tiere kontrolliert und keine Abschürfungen gesehen. „Sie haben die Verletzungen selber nicht bemerkt, also waren sie vorher nicht da“, folgerte daraus der Richter. Zudem hatte der Sachverständige darauf hingewiesen, dass auf den Bildern noch Abschabungen der Tierhaare zu sehen gewesen seien, wie bei frischen Verletzungen üblich.

Das Gericht wunderte sich auch, warum der Mettinger, der seit vielen Jahren für die Westerkappelner Viehhandlung arbeitet, „nicht genau gewusst“ haben will, dass der inzwischen Verstorbene schon im Jahr 2010 in Limburg wegen roher Misshandlung von Wirbeltieren zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen verurteilt worden war. Das fand das Gericht umso befremdlicher, weil der 59-Jährige in dem damaligen Verfahren Zeuge gewesen war. „Er scheint nicht nichts gewusst zu haben“, kommentierte der Richter denn auch den Einwand der Verteidigerin, dass ihr Mandant „als Zeuge keinen genauen Einblick“ gehabt habe.

Geldstrafen

Geldstrafen bis zu 90 Tagessätzen werden nicht ins Führungszeugnis aufgenommen, der Verurteilte gilt gegenüber anderen als Justizbehörden als nicht vorbestraft, sofern nicht ein weiterer Eintrag im Bundeszentralregister hinzukommt oder zum Zeitpunkt der Erteilung des Führungszeugnisses bereits besteht. ( )

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Da sie erhebliche Zweifel daran hatte, dass die Verletzungen auf dem Transport von Westerkappeln nach Bremerhaven entstanden waren, forderte sie einen Freispruch für den Mettinger. Das Gericht folgte der Vertreterin der Staatsanwaltschaft, reduzierte lediglich deren Antrag von 100 auf 90 Tagessätze.

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