Von 20 Cent rauf auf 1,70 Euro
Preisexplosion bei Plastiktüten

Ahlen -

Tragetaschen für 1,70 Euro das Stück: In einem Elektronik-Großmarkt in Ahlen soll die Pro-Plastik-Entscheidung weh tun. Anders, so Geschäftsführer Andreas Frenz, begreifen es viele Leute nicht.

Freitag, 14.06.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 15.06.2019, 10:38 Uhr
Sie werben für die Preiserhöhung – und die Alternative: Holger Marquardt (mit Plastik) und Andreas Frenz (mit Jute).
Sie werben für die Preiserhöhung – und die Alternative: Holger Marquardt (mit Plastik) und Andreas Frenz (mit Jute). Foto: Ulrich Gösmann

Es ist seine drastischste Preiserhöhung. Und die erste, für die er leidenschaftlich wirbt: „Wir nehmen jetzt 1,70 Euro für die Tüte“, sagt Andreas Frenz. Ein Kurs, der vermuten lassen könnte, dass Stärkeres in ihr steckt. Doch es geht ums Plastik und um die Umwelt. Ums Zeichen setzen – und: „Wir wollen davon weg“, stellt der Geschäftsführer von Expert Promedia klar – und tritt an diesem „Friday for Future“ mit eigener Aktion in die Offensive.

Kassierer Holger Marquardt hört sie täglich. Die Sprüche, wenn‘s um die Tüte geht, um 20 Cent für die mittlere und 30 für die große. Einige erregen sich, nach dem Großeinkauf auch noch Groschen rüberschieben zu müssen. Anderen sind sie schnuppe. Bei ihnen setzt Andreas Frenz an: „Es darf uns nicht länger egal sein. Es muss weh tun.“ Diskutieren und Aufschreien sei ihm zu wenig. „Was ist wirklich passiert in Deutschland, wenn der Umlauf nur um lächerliche 17 Prozent zurückgegangen ist?“ Am Freitagmorgen klebt Kollege Marquardt das neue Preisetikett vor den Packen mit Plastiktüten, die der Scanner fortan mit 1,70 Euro erfasst. Ein Euro werde, so Frenz, fortan für den WWF gespendet – und dessen Aktion „Wir haben die Schnauze voll“. Ein Aufsteller zeigt am Kassentresen die Illustration eines Wals mit weit geöffneten Kinnladen, dem der Plastikmüll der Weltmeere bis zum Hals steht.

400 Plastiktüten befinden sich noch im Promedia-Fundus. Die letzten. Dann ist Schluss damit. Die Alternative hängt neben der Kasse: der gute alte Jutebeutel – samt Botschaft: „Nachhaltig günstig!“ Den gebe es zum Selbstkostenpreis von 1,50 Euro, sagt Andreas Frenz. Bei Großeinkäufern auch gern gratis dazu. Womit erklärt ist, wie die 1,70 für die Plastikvariante zustande komme. Die aus Jute dürfe eben nicht teurer sein. Alle anderen, die noch nicht loslassen könnten, würden jetzt zum Spender. Frenz: „Reiner Erziehungsprozess“.

Reiner Erziehungsprozess.

Andreas Frenz

Und wie sieht es sonst mit Klimaschutz bei Promedia aus? „Die Industrie ist gefordert“, zeigt sich der Geschäftsführer alles andere als glücklich, was an Verpackung im Laden steht. Wie oft ein winziger Kopfhörer mit Styropor und Plastik umpackt ist, entbehre jeder Erklärung. Sicher gehöre für die Diebstahlsicherung irgend etwas drum herum. Aber bitte nicht so sinnlos viel!

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