Fenja und Florian Grevinga sind ein erfolgreiches Zollhunde-Team
Ein Schnüffler ohne Backenzahn

Greven -

Fenja ist eine Schäferhund-Dame, die seit acht Jahren beim Zoll ihren Dienst als Drogenhund tut. Wie es dazu kam und was sie alles können muss erzählt ihr Herrchen Florian Grevinga.

Samstag, 15.06.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 14:42 Uhr
Nach der Arbeit kommt der Lohn: Das Spielen mit Herrchen ist für Fenja die Belohnung für die Sucharbeit.
Nach der Arbeit kommt der Lohn: Das Spielen mit Herrchen ist für Fenja die Belohnung für die Sucharbeit. Foto: Peter Beckmann

Fenja ist ein ganz großer Glücksfall. Denn die große Schäferhündin wäre eigentlich viel zu teuer gewesen. Aber: Sie hat einen Makel. Fenja fehlt ein Backenzahn. Nicht einfach so, es ist die Folge eines Gendefektes ihres Vaters. Ergebnis: Fenja darf nicht zur Zucht genutzt werden. Deshalb ist sie jetzt Drogenhund beim Zoll – und hat jede Menge Spaß dabei.

Fenjas Geschichte ist auch die Geschichte ihres Herrchens. Florian Grevinga ist Zöllner, seit 18 Jahren. Als dann ein Kollege, der als Hundeführer in Greven tätig war, die Dienststelle wechselte, hob Grevinga den Finger: „Ich würde gerne Hundeführer werden“, meldete er bei seinem Chef an. Eine schöne Aufgabe, die aber auch eine „sehr hohe Bereitschaft für alle möglichen Dienste“ beinhaltete. Denn Hundeführer und Hund werden nicht nur am Flughafen eingesetzt, sie sind auch bei Kontrollen auf der Straße oder bei Wohnungsdurchsuchungen dabei.

Das war für Grevinga kein Problem, und so begann die Laufbahn als Hundeführer. Zu Beginn mit einem anderen Hund. „Doch der erwies sich als ungeeignet“, erinnert sich der Familienvater. Dann kam Fenja ins Spiel. Die war aufgrund ihres „Makels“ erschwinglich – und vor allem bestens geeignet für den Job. Doch: Wie muss ein Hund sein, der ein guter Spürhund werden will? „Der Hund muss einen ausgeprägten Spieltrieb haben, er darf keine Scheu haben, er darf nicht aufgeben“, beschreibt Grevinga die Fähigkeiten. Bestimmte besonders gut geeignete Rassen gebe es nicht. „Es muss nicht einmal ein Rassehund sein.“

Das Training erlebten dann beide zusammen, Hund und Hundeführer. Und natürlich werden die Hunde nicht süchtig gemacht. „Da wird immer ganz viel Blödsinn erzählt“, weiß Grevinga. Beim Training des Hundes wird schlicht das Belohnungsprinzip angewendet. „Der Duft des Rauschgiftes ist für den Hund der Auslöser zum Spielen.“ Sprich: Der Hund wird mit ausgiebigem Spielen für seine Suche und das Finden belohnt.

Und wenn man mitbekommt, wie gut die Nase eines Hundes ist, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Grevinga übt immer wieder zwischen den Einsätzen mit dem Hund. Während Fenja im Käfig im Auto vermutlich von einem Besuch in einer Fleischerei träumt, legt ihr Herrchen den Köder aus – ein kleiner Wollfaden, der in einer Dose zusammen mit in einem Plastiktütchen verpacktem Marihuana gelegen hat. Der Faden ist „kontaminiert“, wie es der Hundeführer ausdrückt. Etwa 30 Koffer werden neben das Laufband gestellt, ein Koffer mit dem Wollfaden präpariert. Und dann kommt Fenjas Auftritt. Sie wuselt zwischen den Koffern hin und her, schnuppert ausgiebig und bleibt dann plötzlich wie versteinert vor dem richtigen Koffer stehen. Volltreffer, unglaublich.

„Ein Mensch hat rund fünf Millionen Riechzellen, ein Hund etwa 220 Millionen“, erklärt Grevinga das unglaubliche Phänomen. Und man kann ihm ansehen, dass er sehr stolz auf seinen Hund ist.

Das Einfrieren des Hundes bei einem Fund ist ein ganz neu antrainiertes Verhalten. „Früher hat der Hund bei einem Fund gekratzt, dabei entstand aber auch schon mal ein mehr oder weniger großer Schaden“, verdeutlicht Grevinga. Deswegen habe man dem Hund das passive Anzeigeverhalten beim Fund antrainiert.

Nach dem Fund kommt dann das, auf das der Hund hinarbeitet: Das Spielen mit Herrchen. Fenjas Lieblingsspielzeug ist eine Art Beißwurst, an der sie für ihr Leben gerne zerrt, während Herrechen auf der anderen Seite dagegen hält.

Aber obwohl Fenja eine so gute Nase hat, war sie am Flughafen noch nicht besonders erfolgreich. „In den acht Jahren, die wir zusammen arbeiten, hatten wir erst drei Funde. Und das waren auch nur Kleinst-Mengen.“ Was aber nicht darauf schließen lässt, dass der Hund seinen Job nicht vernünftig macht. „Der FMO ist nicht gerade der Flughafen, der von Schmugglern genutzt wird“, erklärt Grevinga. Und abgesehen davon: Bei Kontrollen auf der Straße hat Fenja schon Einiges gefunden. Zweieinhalb Kilo Marihuana, 600 Gramm Koks – da kommen schon einige Funde zusammen.

Und was passiert nach Feierabend mit dem Hund? „Den nehme ich natürlich mit nach Hause, Fenja hat Familienanschluss“, erzählt Grevinga. Ob Freizeit oder Urlaub – Fenja ist immer dabei. Und auch die beiden Kinder Grevingas kommen mit dem Hund bestens klar. „Fenja lässt sich fast alles gefallen, wenn es ihr zu viel wird, zieht sie sich einfach zurück.“

Fenja ist inzwischen neun Jahre alt. Grevinga schätzt, dass sie noch ein, zwei Jahre „arbeiten“ kann. „Im Alter lässt die Leistungsfähigkeit bei einem Hund nach.“ Und so eine Durchsuchung ist für einen Hund ja auch sehr belastend. „Experten sagen, dass eine Durchsuchung von Koffern für einen Hund etwa so anstrengend ist, wie ein 5000-Meter-Lauf für einen Menschen.“

Im übrigen sei Fenja ja auch ein dualer Hund. Ein was? Grevinga lacht. „Sie ist als Suchhund ausgebildet, aber auch als Schutzhund.“ Was besonders dann von Vorteil ist, wenn erwischte Ganoven rabiat werden. „Aber beim Anblick von Fenja sind die meisten schnell wieder ganz brav“, erzählt Grevinga mit einem Lachen. Denn für einen weiblichen Schäferhund sei Fenja schon sehr groß. „Manche Kollegen sprechen immer von meiner Rüdin.“

Ja, und dann kommt die Frage, auf die Grevinga schon gewartet hat. „Diese Frage wird immer als erste gestellt.“ Also: Was passiert mit Fenja wenn sie nicht mehr „arbeiten“ kann? „Sie bleibt natürlich bei mir, in meiner Familie“, erklärt Grevinga. Und der Arbeitgeber komme auch bis zum Ende für alle Kosten auf. „Bei meinem alten Hund kann da schon mal einiges zusammen kommen, zum Beispiel die Kosten für einen Tierarzt“, verdeutlicht Grevinga.

Aber: Bis dahin ist erst mal noch Zeit. Und in naher Zukunft warten „zwei Wochen Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel“ auf den Hund. „Wir fahren zu einer Schulung zur Hundeschule in Bleckede, das ist für Fenja wirklich wie zwei Wochen Urlaub mit ganz viel Spielen.“ Und bekannt ist die Schäferhündin in den Ausbilderkreisen sowieso. Denn vor zwei Jahren sind Grevinga und Fenja schließlich Deutsche Meister bei der bundesweiten Leistungsprüfung der Zollhundeteams geworden.

Und das mit ihrem „großen Makel“. Aber auch ohne den einen Backenzahn kann die Hundelady auf eine tolle Karriere als Zollhund stolz sein.

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